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Senden

09.04.2019

Senden ist nun offiziell eine faire Stadt

Vertreter der Steuerungsgruppe mit Bürgermeister Raphael Bögge (Mitte) und rechts daneben Ehrenbotschafter Manfred Holz, der das Zertifikat übergab. Links steht die Eine-Welt-Promoterin für Schwaben Henriette Seydel.
Bild: ahoi

In einem Feierakt wird die Urkunde überreicht. Die Verantwortlichen wollen zeitnah weitere Projekte durchführen.

Nun steht es ganz offiziell auf der Urkunde, die die Kommune am Samstag erhielt: Senden ist Fair-Trade-Stadt. Fair-Trade-Ehrenbotschafter Manfred Holz übergab das Dokument bei einer Feierstunde an Vertreter aus Stadt und Bürgerschaft. Die Verantwortlichen waren sich einig: Nach der erfolgreichen Bewerbung als Fair-Trade-Town muss es mit den fairen Aktivitäten weitergehen. Nur ein halbes Jahr liegt zwischen dem Antrag auf Bewerbung als Fair-Trade-Stadt und der Verleihung des Titels: Ende September hatte der Stadtrat beschlossen, dass sich die Kommune um das Zertifikat bemühen soll, das vom Kölner Verein „Transfair“ vergeben wird. Jetzt ist Senden die 594. deutsche Stadt, die die Auszeichnung bekommt, erklärte Ehrenbotschafter Martin Holz in seiner Laudatio.

„Fair ist, nicht billig einzukaufen, wofür andere bezahlen“, sagte er über das Prinzip des fairen Handels, der sich menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen für Produzenten und Arbeiter in armen Regionen der Welt auf die Fahnen geschrieben hat. Von dieser Grundhaltung profitierten mittlerweile Millionen von Kleinbauern und Arbeitern in mehr als 70 Ländern, so Holz, der faire Handel habe „enorme Kräfte und Kreativität in Gang gesetzt“. Das gelte auch für Senden, das die fürs Zertifikat vorgeschriebenen Standards „mit Bravour erfüllt“ habe.

In Restaurant werden fair gehandelte Produkte verwendet

Die Bedingungen, die jede Fairtrade-Stadt nachweisen muss: einen entsprechenden Ratsbeschluss, die Gründung einer Steuerungsgruppe, die das Vorhaben vorantreibt, das Anbieten von fair gehandelten Produkten in lokalen Geschäften, die Einbindung auch der Zivilgesellschaft und das aktive Werben für den fairen Handel. In der Illerstadt gibt es eine vergleichsweise lange Tradition, ist der von der KAB betriebene Weltladen in der Stadtbücherei doch schon seit 24 Jahren in Sachen Fair Trade engagiert. Dem Verkauf von Produkten und zahlreichen Projekten in Entwicklungsländern haben sich die Ehrenamtler da gewidmet. Zu den Sendener Aktionen gehört auch der Verkauf von fairen Produkten an der städtischen Wirtschaftsschule, den die Schüler seit Jahren regelmäßig durchführen und der erst vor wenigen Wochen zur Auszeichnung als „Fair-Trade-School“ führte. Mittlerweile verkaufen neun Einzelhandelsgeschäfte fair gehandelte Produkte, mehrere Gastronomen verwenden sie in Küche und Ausschank, Vereine unterstützen die Idee, die Stadtverwaltung schenkt Kaffee und Saft aus fairem Handel aus.

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„Ich freue mich auf die weitere Umsetzung“, sagte Bürgermeister Raphael Bögge, der die Urkunde im Namen der Stadt empfing. Als Fair-Trade-Stadt habe Senden Vorbildfunktion, erklärte er und betonte, Senden dürfe sich nun nicht zurücklehnen, „der Prozess steht ganz am Anfang“, die Zertifizierung werde immer wieder neu überprüft. Es gehe nun darum, „lokale Interessen und globalen Handel zu verbinden“. Senden stehe am Beginn eines langen Weges, meinte auch Landrat Thorsten Freudenberger. Auch der Kreis will das Zertifikat erhalten und brauche dafür die Kommunen als Mitstreiter. So könne man vor Ort dazu beitragen, „dass die Welt fairer wird“ und mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit herrsche.

Sieben Menschen engagieren sich dafür ehrenamtlich

Sieben Ehrenamtler gehören der Steuerungsgruppe Fairtrade an, die in der Illerstadt gegründet wurde. Sie bemühte sich um die Vernetzung von Aktivitäten und deren Dokumentation für die Bewerbung. „Jetzt geht es erst richtig los“, verkündete deren Sprecher Helmut Meisel nun. Unter anderem regte er an, dass sich die Stadt künftig an der jährlichen Aktion „Faire Woche“ beteiligen und weitere örtliche Schulen sowie Wirtschaftsvertreter als zusätzliche Unterstützer gewinnen soll. Auch die Steuerungsgruppe freue sich über Zuwachs. Und: Sie solle im städtischen Haushalt ein festes Budget für Veranstaltungen oder Aktionen in Sachen Fair Trade erhalten – und eventuell auch ein Antragsrecht im Stadtrat, so Meisel.

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