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Ulm

30.05.2015

Serenade für das Wahrzeichen

Mehrere Ulmer Chöre und das Philharmonische Orchester der Stadt waren auf der Hauptbühne am Münsterplatz vereint – vor rund 1900 Zuhörern. Die Junge Bläserphilharmonie hatte daneben eine eigene Bühne.
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Mehrere Ulmer Chöre und das Philharmonische Orchester der Stadt waren auf der Hauptbühne am Münsterplatz vereint – vor rund 1900 Zuhörern. Die Junge Bläserphilharmonie hatte daneben eine eigene Bühne.

Bei der Premiere des „Klangfest@125“ zeigen rund 400 Ulmer Musiker und Sänger auf dem Münsterplatz ihre Klasse. Nur ein paar Details trüben den Konzertgenuss.

Plötzlich legen sie los, die Münsterglocken. Ihr Klang legt sich über die letzten Töne des Konzerts, als wollte der mächtige Turm Danke sagen für das Ständchen, das ihm gerade rund 400 Chorsänger, Orchestermusiker und Solisten dargebracht haben – vor rund 1900 Besuchern auf dem Münsterplatz. Mit ihnen brandet der Applaus auf: Die Menschen, die noch immer gebannt in die Höhe blicken, klatschen für das „Klangfest@125“ – aber sie klatschen auch für ihr Wahrzeichen.

Das Großkonzert unter der Leitung von Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland hat die Musiker zusammengebracht, die eigentlich gemeinsam Marios J. Elias „Ulmer Oratorium“ spielen sollten, dessen Welturaufführung Anfang März abgesagt worden war. Von diesem Spektakel hat das „Klangfest“ die Infrastruktur übernommen: Zwei große Bühnen stehen zwischen Münster und Stadthaus, auf der linken die Chöre und die Ulmer Philharmoniker, auf der rechten die Junge Bläserphilharmonie Ulm. Dazu eine Videowand direkt am Münster, auf der mal die Musizierenden, mal Bilder des Gotteshauses zu sehen sind.

Münsterkantor Wieland und Operndirektor Matthias Kaiser mussten innerhalb von knapp zwei Wochen das Programm für das „Klangfest“ zusammenstellen und entsprechend auf Stücke zurückgreifen, die die beteiligten Ensembles entweder schnell einstudieren konnten oder bereits im Repertoire hatten. Im Prinzip also ein „Best of Ulm“, zusammengehalten von einer dramaturgischen Klammer: Anhand von 125 Jahren Musikgeschichte sollten 125 Jahre Münstergeschichte erzählt werden.

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Der Plan geht zunächst auf: Prachtvoll der Auftakt mit dem Schlusschor aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“-Oratorium, das 1890 zur Turm-Fertigstellung erklang, sphärisch-kreisend dann „Into the Heart of Light“ des Finnen Einojuhani Rautavaara. Eine Komposition, die in Richtung Ewigkeit strebt, ganz so, wie es auch die Erbauer des Münsters wollten. Passend dazu auch die stimmungsvollen Münsteraufnahmen der Gestalter-Gruppe „Bootschaft“.

Doch ganz so schlüssig bleiben die inhaltlichen Zusammenhänge in der Folge nicht. Enthält Markus Münzer-Dorns Kindermusical-Lied über den Turmbau zu Babel noch Botschaften, die sich durchaus an einige Ulmer der Gegenwart richten könnten („Es ist Zeit für Demut und Bescheidenheit“), wird die Verbindung danach loser und die Nachteile der Open-Air-Aufführung machen sich bemerkbar – vor allem der flache Klang über die Lautsprecher. Bei Charles Ives’ „The Unanswered Question“ sind die fragende Solo-Trompete von Joo Kraus und die antwortenden Orchesterbläser im Klangbild nicht klar getrennt. Wer ungünstig sitzt, kann kaum erkennen, dass Kraus am Münsterportal spielt. Der Trompeter war es aber immerhin, der dem „Klangfest“ mit seinem effektverspielten „Schritt für Schritt“, bei dem er von Sängerin Fola Dada begleitet wurde, zuvor eine erste kleine Uraufführung beschert hat.

Damit kann die Junge Bläserphilharmonie nicht dienen: Die viersätzige Orchestersuite „Deliverance“ war schon ihr Pflichtstück beim Bläserwettbewerb in Karlsruhe, den die Ulmer für sich entschieden. So ausgezeichnet ihr Vortrag auf dem Münsterplatz auch gelingt: Er wirkt wie ein Konzert im Konzert. Doch das Finale fängt diesen Eindruck wieder ein: Carl Orffs „O Fortuna“ lässt Chöre und Orchester noch einmal zusammen erstrahlen.

Und dann kommt Jürgen Grözinger mit seinem Percussion-Ensemble, der mit den vielschichtigen Rhythmen seiner Komposition „Höher!“ klar macht: Das „Klangfest“ ist in der Gegenwart angekommen. Ein Gefühl von Happy End liegt über dem Platz, als schließlich die Glocken erklingen. Ein Gedanke lässt sich trotzdem nicht ganz verscheuchen: Das „Ulmer Oratorium“ wäre wahrscheinlich eine andere Hausnummer gewesen.

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