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Drama

01.06.2011

Showdown in der Chefetage

„Push up“: Karriereschlacht in eisiger Atmosphäre beim Akademietheater.
Bild: Foto:flx

Roland Schimmelpfennigs kritisches Stück „Push up“ im Akademietheater

Ulm Ihre Welt besteht aus Leitung. Ihre Bedürfnisse sind sublimiert, der Karriere wird alles untergeordnet. Der Sprung in den 16. Stock – die Chefetage – wird zum Schauplatz von Machtkämpfen, die jeweils von zwei Personen in gegenseitiger und erbarmungsloser Konkurrenz um berufliche und private Interessen ausgetragen werden.

Managerin Angelika (Marisa Maddaluno) und die ehrgeizige junge Nachwuchskraft Sabine (Katharina Kraul) tragen eiskalte Wortgefechte aus; Angelika unterstellt Sabine eine Affäre mit ihrem Mann, dem Vorgesetzten von Sabine. Ein Kräftemessen, das ähnlich hart auch von Robert (Martin Bonvicini) und Patricia (Gamze Alakus) plastiziert wird wird: Im gnadenlosen Auslesewettbewerb um einen Werbespot kann es nur einen Gewinner geben.

Das Stück von Roland Schimmelpfennig, 2001 uraufgeführt, legt die gegenwärtige Arbeitswelt unters Brennglas. Die junge Regiestudentin Joana Tautz inszeniert am UImer Akademietheater die Karrieristen von heute klar und schlüssig als erbarmungslose Kampfmaschinen, die letztendlich arme Würstchen sind.

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Im kühlen Bühnenbild, das ein Maximum an Platz im kleinen Aufführungsraum erwirkt, bewegen sich die Protagonisten wie in einem abgezirkelt-strengen Ballett; alltägliche Büroaktivitäten werden zu Sinnbildern von Einsamkeit, Monotonie, Hass. Die Wortgefechte sind ins Zentrum gerückt und die Ängste mittels subtil umgesetzten Bewegungssequenzen und elektrisierend-rhythmischer Musik bloß gelegt.

Wenn sich Angelika und Sabine gegenübersitzen, werden sie zum sprechenden Bild; Enge und Bedrückung stehen parallel zu Ehrgeiz, Skrupellosigkeit und sexueller Hemmung. In der Büroschlacht, in der jeder Gedanke von Humanität zermalmt wird, kommt es schließlich zum Showdown, als Sabine einen letzten, selbstzerstörerischen Trumpf ausspielt.

Der Blick in diese eisige Welt ist faszinierend, abstoßend und mitleiderregend. Theater, das nachdenklich macht.

Wieder am Freitag, 3. und Samstag, 4. Juni, jeweils um 20.15 Uhr.

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