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Hobby

12.05.2015

Sicheres Netz auf der kurzen Welle

Jürgen Öhme (vorne) und Werner Schott halten von der „Funkbude“ in Witzighausen Kontakt in die ganze Welt.
Bild: Christian Renz

Warum trotz Internet und Handy der Funk noch dringend gebraucht wird

Astronauten, die internationalen Hilfskräfte in Nepal oder auch Schiffbrüchige: Alle nutzen den Funkbetrieb auf Kurzwelle. Hier im Landkreis Neu-Ulm beschäftigt sich der Ortsverband Illertal des Deutschen Amateur-Radio Klubs mit Funk. Am Sonntag öffneten die Funker ihre Klubstation und präsentierten den Besuchern ihr vielseitiges Hobby.

In ihrer „Funkbude“, wie die knapp 50 Mitglieder des Ortsvereins ihr Klubhaus nennen, haben sich die Amateurfunker professionell eingerichtet. Sende- und Empfangsgeräte für Kurzwellen und Ultrakurzwellen garantieren eine optimale Kommunikation. Damit können die Mitglieder mit der ganzen Welt kommunizieren. Weltweit gibt es rund zwei Millionen Funkamateure, davon in Deutschland etwa 80000.

Warum und weshalb gibt es aber noch im Jahr 2015 so viele Menschen, die sich mit Amateurfunk beschäftigen, wo es doch längst Han-dys gibt. „Ganz einfach“, sagt Stefan Swoboda, der seit über 25 Jahren Mitglied im Verein ist: „Funk ist auch heute noch die einfachste und technisch sicherste Art der Kommunikation.“ Ein aktuelles Beispiel: In Nepal sind durch das Erdbeben alle anderen Kommunikationsmittel ausgefallen. Deshalb verständigen sich die dortigen Einsatzkräfte über Funk. Das war auch schon bei anderen Katastrophen hilfreich, wie etwa beim Tsunami 2004.

Doch warum geht das so einfach? Ein Funkamateur kann mit sehr einfachen Mitteln Verbindungen um die ganze Welt herstellen, da Kurzwellen sich um die ganze Erde ausbreiten können. Mit Bauteilen für einen einfachen Kurzwellensender im Wert von ungefähr 20 Euro kann beispielsweise in ganz Europa gefunkt werden.

Aber nicht nur auf der Erde, auch im Weltall ist Funk überlebenswichtig. Als sich die Astronauten der Raumstation ISS im vergangenen halben Jahr wegen Reparaturarbeiten in eine gesonderte Raumkapsel begeben mussten, bestand der einzige Kontakt zur Erde noch über den Amateurfunkbetrieb. Deshalb muss auch heute noch jeder Astronaut eine Funkamateurprüfung ablegen, erzählt Swoboda.

Auch in Seenot geratene Schiffbrüchige nutzen dieses weltweite Kommunikationsnetz. Wenn die Amateurfunker aber nicht gerade Astronauten oder internationale Rettungseinsätze unterstützen, veranstalten sie internationale Wettkämpfe oder Funk-Conteste. Dabei spielt neben der Technik und Kommunikation auch der Spaß eine entscheidende Rolle, da Amateurfunk schließlich immer noch ein Hobby ist. Durch die große Reichweite beim Funkbetrieb entstehen auch Freundschaften weltweit.

Die Begeisterung will der „OV T16“ auch an Jugendliche weiter geben. Deshalb gibt es auch eine Jugendgruppe. Diese trifft sich ein bis zweimal im Monat und beschäftigt sich mit der „Technik in den Gehäusen“, so Swoboda: „Einstecken, einschalten – das macht keinen Spaß.“ Ein eigenes Radio- oder Morsegerät selbst zusammenzubauen, wecke die Begeisterung der Jugendlichen. Dadurch sollen sie spielerisch an die Technik herangeführt werden.

Wie die Jugendlichen später die Technik nutzen, steht jedem offen, sagt Swoboda. Die Bereiche im Amateurfunk sind groß. Weltraumfunk, Antennen bauen, Kurzwellensender betreiben – die Beschäftigungsmöglichkeiten sind vielfältig. „Deshalb gibt es im Verein höchstens drei Personen, die am gleichen Gerät arbeiten“, berichtet Stefan Swoboda.

Er selbst ist im Bereich Weltraumfunk unterwegs und betreibt eine sogenannte Erde-Mond-Erde Verbindung. Das heißt, er sendet Funkwellen, die durch den Mond wieder reflektiert werden. Aber auch das ist nur ein kleiner Teilbereich der großen Thematik Weltraumfunk in der noch größeren Welt des Amateurfunks.

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