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13.07.2010

Sie machen die Bühne erst zum Wunderland

Voller Requisiten und Menschen: Der Malersaal in den Werkstätten des Ulmer Theaters. Paul Schmidt fängt im September eine Lehre als Bühnenmaler an. Cornelia Löffler ist fast fertig mit der dreijährigen Lehre. Fotos: Helmstädter
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Voller Requisiten und Menschen: Der Malersaal in den Werkstätten des Ulmer Theaters. Paul Schmidt fängt im September eine Lehre als Bühnenmaler an. Cornelia Löffler ist fast fertig mit der dreijährigen Lehre. Fotos: Helmstädter

Ulm Drei Dinge sollte der angehende Bühnenmaler wissen, bevor er seinen Lehre antritt: Sitzen ist nicht, es wird mit ausgewachsenen Besen und Bürsten gemalt und es geht um riesige Dimensionen. Dem 18-jährigen Paul Schmidt ist der zentrale Dreiklang seiner Ausbilderin Agnete Fiona Winter bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Und das obwohl er seinen Ausbildungsplatz erst am 1. September diesen Jahres antritt. Denn der Ulmer schnupperte bereits bei mehreren Praktika Theaterluft.

Für die Ausbildung zum Bühnenmaler gilt das Gleiche wie für andere begehrte Berufe: Je mehr Engagement und Praktika im Vorfeld, umso besser die Chancen. Paul setzte sich mit seinen Qualifikationen gegen einen Wäschekorb voller Bewerbungen durch. Reines Engagement reicht aber nicht immer. Wer Bühnenmaler werden will, muss außerordentlich begabt und kreativ sein (Arbeitsproben!) und "sich richtig reinhängen", sagt Winter. So wie Paul Schmidt, der aushilfsweise sogar auf der Bühne des Ulmer Theaters stand.

Die Bühnenmalerei ist sein Einstieg auf die Bretter, die nicht nur für ihn die Welt bedeuten. Derzeit erlernen drei junge Menschen in Ulm diesen anerkannten Ausbildungsberuf.

Der künftige Arbeitsplatz von Paul hat einen ganz speziellen Charme: es riecht nach Farbe im turnhallengroßen "Malersaal" des Theaters. Leitern lehnen an den Wänden. In einem Nebenraum lagern Unmengen von Pinseln und farbverschmierten Besen. Farben werden in der "Farbenküche" von Hand mit echten, regelrecht leuchtenden Pigmenten gemischt.

Sie machen die Bühne erst zum Wunderland

Zwischen einer überdimensionierten Käseschachtel, King Kong und einem Münster-Modell aus Styropor steht Cornelia Löffler. Noch offiziell Auszubildende, doch die Gesellenprüfung hat sie schon hinter sich. "Es ist ein total schöner, abwechslungsreicher Beruf", sagt die 23-Jährige, die einst in Vöhringen auf die Realschule ging. Zuletzt war sie an den Kulissen für das kommende Weihnachtsstück "Alice im Wunderland" beteiligt.

Das Wunderland wird jetzt nach Vorgaben von Regisseur und Bühnenbildner umgesetzt. Als Vorbild dient ein Modell im Maßstab 1:50, das zwischen Malersaal und den anderen Werkstätten hin- und hergereicht wird. Bis Ende Oktober wird gehämmert, geschraubt und gemalt, was das Zeug hält. Insgesamt 17 Menschen arbeiten in der theatereigenen Schlosserei, Schreinerei und Polsterei. Im Malersaal sind (mit Auszubildenden) sieben Mitarbeiter beschäftigt.

Agnete Winter ist gelernte Bühnenmalerin, arbeitet seit 1999 am Theater Ulm und liebt ihren Beruf. "Jeder Tag bietet etwas Neues." Mal mehr, mal weniger spannend. Das können manchmal spektakuläre zwölf Meter breite und sieben Meter hohe Landschaften sein, die sie auf Nesseltuch bannen muss. Oder sie verbringt einen Tag damit, Möbelstücke pechschwarz zu streichen wie jüngst für das Stück Hexenjagd. "Das ist dann weniger schön."

Der Ulmer Paul Schmidt freut sich auf seine ungewöhnliche Ausbildung. Wie überall gibt es Praxis und Theorie: Kunstgeschichte steht auf dem Stundenplan genauso wie das richtige Herstellen von Farben und Materialkunde. Ganz praktisch geht's etwa um fachmännisches Kopieren von Marmorstruktur oder Holz in verschiedenen Alterungsstufen. Auch alte und neue Kaschiertechniken sowie verschiedene Modellier- und Abformtechniken mit Gips, Ton, Papier und Kunststoffen gehören zum späteren Aufgabenbereich. Den theoretischen Teil bekommen die angehenden Ulmer Bühnenmaler bei der "Europäischen Event- und Medienakademie" in Baden Baden beigebracht. Zunehmend hält auch der Einsatz digitaler Medien etwa bei der Gestaltung von Schriften Einzug in das Berufsbild.

Egal, wie gut der ehemalige Waldorfschüler Paul Schmidt in seiner Ausbildung sein wird. Schon vor Beginn seiner Ausbildung ist ihm klar, dass er flexibel sein muss. Seine Vorgänger arbeiten jetzt etwa in München und Ingolstadt. In Ulm wird nur alle Jubeljahre eine solche Stelle frei. "Das macht mir nichts aus." Bei Cornelia Löffler ist es anders. Sie will die Region nicht verlassen, und fängt deswegen jetzt eine Ausbildung als Mediengestalterin an. Trotzdem bereut sie ihre Zeit als Bühnenmaler-Azubi nicht. Wertvolle Erfahrungen habe sie im Theater dennoch gesammelt.

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