Newsticker

EU sichert sich bis zu 160 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Singender Schauspieler sucht Fans

Konzert

27.10.2017

Singender Schauspieler sucht Fans

Als Schauspieler besser: Tom Schilling als Sänger im Roxy.
Bild: Paolo Percoco

Tom Schilling und seine Jazz Kids legen im Roxy einen zwiespältigen Auftritt hin

Ja, es gibt sie. Die singenden Schauspieler und die schauspielernden Sänger. Selten weiß man was der- oder diejenige denn nun besser kann. Tom Schilling, 35, bekannt durch Film und Fernsehen, groß in „Oh Boy“, grandios in „Unsere Mütter, unsere Väter“, populär durch Auftritte im „Tatort“ und mehrfacher Filmpreisträger stand nun erstmals als Sänger auf der Bühne im Ulmer Roxy. Zusammen mit der Band „The Jazz Kids“ gab er dort eigene Texte und viele Coverversionen („Wir haben zu wenig eigenes Material“) zum Besten. So richtig aufheizen konnten die fünf Männer aber nur sich selbst und eine kleine Traube „Superfans“ unter den wenigen Besuchern des Abends.

Die Musik hatte durchaus ihre Bandbreite, von Jazz und Swing mit 20er-Jahre-Flair bis hin zu Rock und Deutschpop. Das ist den Jazz Kids geschuldet, allesamt Vollbutmusiker, zusammengetrommelt für den „Oh Boy“-Soundtrack (2012). Diese Bandbreite fehlt Schillings’ Gesang. Seine Stimme ist zwar einprägsam, doch fehlt es ihr an Fülle und sie hält auch nicht lange. Zu oft wird ganz offensichtlich der Hall-Effekt darübergelegt oder die Bandkollegen singen unterstützend mit. Auch in der Performance wirkt er auf dieser Bühne unsicher, tanzt mit dem Rücken zum Publikum, feiert seine Musiker mehr als seine Fans im Roxy.

Das ändert sich gegen Ende, da steigt er fürs Finale ins Publikum, tanzt ein bisschen mit den Fans. Zwischendurch stellt er die Behauptung auf „Es gibt keine guten Musiker in Deutschland“, was schon ziemlich vermessen klingt für jemanden, der eine solche Tour nun wirklich nicht wegen seines Gesangtalents absolvieren kann. Die Leute wollen den berühmten Schauspieler sehen und mal hören, ob der singen kann.

Was ihm zugestanden werden muss: Leidenschaft! Die ist zu spüren und bricht bei einigen Songs durch. Die eigenen Texte sind tiefsinnig, aber nicht preisverdächtig. Die besten Stücke des Abends sind also tatsächlich die Coversongs. Von den alten und toten Musikern. Und, lieber Tom Schilling: Es gibt mehr noch lebende, junge und sehr gute Musiker und Sänger, als Sie denken. Gerade in Berlin, wo sie leben. Diese Künstler bekommen auf der Bühne jedoch nicht die Aufmerksamkeit.

„Ja oder nein“ heißt einer der Schilling-Songs. Er handelt von Unentschlossenheit. Mit diesem Gefühl sind sicher einige nach diesem Abend nach Hause gegangen.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren