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Neu-Ulm

30.07.2020

So erlebt das Edwin-Scharff-Museum die Corona-Krise

Helga Gutbrod plant eine Ausstellung, die eine Brücke schlägt zwischen Kinder- und Kunstmuseum.
Bild: Alexander Kaya

Plus Museumsdirektorin Helga Gutbrod berichtet, wie das Edwin-Scharff-Museum in Neu-Ulm den Shutdown überstanden hat - und worauf sich Besucher bald freuen dürfen.

Helga Gutbrod gönnt sich eine Pause. Die Museumsdirektorin sucht sich ein Plätzchen in ihrem Museums-Café, legt ihr Faceshield ab und bestellt Kaffee und Kuchen. Die Tische, platziert mit Corona-Sicherheitsabstand, sind heute gut belegt. Die Stimmung ist entspannt und das Leben kehrt zurück ins Museum am Petrusplatz. Am Infoschalter stehen Familien an, Kinderstimmen hallen durchs Foyer. Das Kindermuseum hat als letzte Sparte im Haus wieder geöffnet – auch literarische Führungen finden statt. Doch nichts scheint so ganz wie vor Corona.

Helga Gutbrod führt das Edwin-Scharff-Museum durch die Krise

Helga Gutbrod hatte verfolgt, wie die Krise auf das Museum zurollt. Gefahren-Meldungen aus Italien, Corona-Nachrichten an Rosenmontag und Faschingsdienstag. Dann traf das Virus Neu-Ulm. Der erste Fall: Ein Kinobesucher im Dietrich-Theater. „Danach haben wir viele Anrufe erhalten: Besuchen gerade viele Leute das Museum? Erwarten Sie viele Besucher zu dieser Veranstaltung? Dann kommen wir nicht. Ich war daher nicht überrascht, als der Lockdown kam.“ Am 15. März musste sie ihr Haus schließen – Kindermuseum, Kunstmuseum, die Sammlungen und das inklusive Café.

Blickt die Direktorin auf den zweimonatigen Shutdown zurück, klingt das aber nicht nach Ruhepause: „Einen absoluten Stillstand haben wir gar nicht erlebt. Es war für das Museums-Team zuerst ein riesiger kommunikativer Aufwand, mit vielen Besprechungen, Absagen von Veranstaltungen und Umplanungen.“ Das Team der Museumspädagogen musste sich die gemeinsame Arbeit neu aufteilen. Indessen: Quälendes Warten auf die neueste Infektionsverordnung. Selbst eine Bronze-Statue im Museumshof trug Maske. Gutbrod, die seit 1997 die Städtischen Sammlungen leitet, das Museum zur heutigen Größe mit aufgebaut hat, sagt: „Im Lockdown entschleunigt man, ganz ungewollt. Und ich hatte das Gefühl, dass die ganze Gesellschaft plötzlich in eine Art kulturelle Unterspannung fällt.“

Das Edwin-Scharff-Museum setzt auf persönliche, direkte Vermittlung

Viele Museen experimentierten mit digitalen Angeboten und Formaten im Netz. „Das haben wir auch ein Stück weit gemacht, zum Beispiel mit Videos zum Internationalen Museumstag, der diesmal ganz digital verlief.“ Aber: „Es geht am Ende nichts über das Original. Es geht nichts über eine persönliche, direkte Vermittlung, bei der man auf Fragen und Wünsche reagieren kann.“

Das beliebte Museumsfest fällt aus, auch die sechs Arbeitsgruppen für Schüler, zum Beispiel die Theater-AG, pausieren. Normalbetrieb scheint immer noch undenkbar, denn das Haus ist groß, aber die Ausstellungsräume sind vergleichsweise klein. Führungen sind möglich, jedoch nur mit Anmeldung. Kleine Besuchergruppen, möglichst getrennt nach Familien und Haushalten. „Das ist schon eine weitere Hürde für die Besucher“, erklärt Gutbrod. „Wir sind der Bildungsgerechtigkeit verpflichtet. Wir ermöglichen im Auftrag der Stadt Begegnungen mit Kultur und Wissen, auch für Menschen, die sonst kaum Museen besuchen. Einen Schwerpunkt sehen wir besonders in der Vermittlung – und Vermittlung bedeutet vor allem Kommunikation. Diese Aufgabe können wir unter diesen Umständen nicht so erfüllen, wie wir es möchten.“ Etwa 35000 Gäste besuchen das Edwin-Scharff-Museum Jahr für Jahr – normalerweise. Und 2020? „Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum abschätzen. Wir hatten ja noch keine drei Monate geöffnet, als wir schließen mussten.“

Das Kindermuseum in Neu-Ulm hat wieder geöffnet

Das Museum achtet auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im kleinen Rahmen klappt das auch jetzt: In den Sommerferien können 15 Kinder, in zwei Gruppen, eine Woche lang in die Museumswelt eintauchen. Forschen, experimentieren, erkunden. Vier Pädagogen begleiten das Programm, die Gruppen dürfen sich nicht begegnen – und statt großer Küche gibt es eben eine Vesper. Gutbrod freut sich, dass diese Kreativwochen längst ausgebucht sind. „Die Kinder können dann auch viel Zeit im Freien bei uns verbringen.“

Die nächste Ausstellung schlägt Brücken zwischen Kunst- und Kindermuseum – und die Krise bot Zeit, diese Schau gründlich zu planen. „Where children sleep“ zeigt Fotos aus aller Welt von Orten, wo Kinder schlafen und leben. „Damit wollen wir unsere verschiedenen Besuchergruppen auf die jeweils andere Ausstellung aufmerksam machen.“ Die Ausstellung „Architektierisch“ zeigt dagegen die Wohnstätten der Tiere. Das Orang-Utan-Netz wurde zwar coronabedingt abgebaut. Jedes Kind bekommt nun aber ein eigenes Set, um an den Stationen zu forschen.

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