1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. So feiern und granteln nur die Wiener

Ulm

08.07.2016

So feiern und granteln nur die Wiener

Schräge Frontfrau: Tini Trampler von den Wiener Playbackdolls.

Gleich drei Gruppe beweisen beim Donaufest in Ulm, dass die österreichische Hauptstadt zu den kreativsten Musik-Metropolen Europas gehört - und zu den schrägsten.

Schmäh macht Spaß – und funktioniert noch mal so gut, wenn er mit Musik serviert wird. Die zweite Auflage der „Wiener Melange“ im Donausalon auf Donaufest-Gelände kredenzte auch folgerichtig eine kräftige Mischung aus bitterem Ernst, fröhlicher Geste und bissigem Humor. Das musikalische Lebensgefühl der Österreicher transportierten die drei Wiener Bands auf jeweils sehr eigene Weise.

Es begann mit der fünfköpfigen Truppe Playbackdolls, die als heiterer Austro-Pop mit starkem Einschlag von Jazz, Swing und poetischem Straßenklang eine gute Balance aus Mainstream und Nische gefunden haben. Slide Guitar, Cello, elektronische Klänge, darunter ein Theremin (!) und der unverfälschte Klang einer Trompete bildeten den rassigen Background für die schräge Frontfrau Tini Trampler. Die verpasste den Playbackdolls auch gleich mit ordentlich Rauch in der Stimme Chansonnetten-Weihen, wobei diese, dank der stellenweise pechschwarzen Texte, dann bei allen Anklängen an osteuropäische wie auch mittelamerikanische Klangwelten etwas ureigen Wienerisches hatten.

Nach einer kleinen Zwangspause – bedingt durch ein Parallelkonzert auf Neu-Ulmer Seite, das sich von den druckvollen Klängen der „Melange“ in Bedrängnis gebracht sah – ging es weiter mit Freischwimma aus Wien. Ein froh gestimmtes Potpourri zwischen Aufbegehren und gelassenem „Ist doch eh alles wurscht“. Fünf Herren zitierten im Donausalon frisch und wenig fromm zitierfähigen Austropop und nehmen alle Einsprengsel von Volksrock, Punk und Blues gleich mit. Da brummelt in der musikalischen Ursuppe die Hammondorgel (Stefan Haslinger). Die brummende Musikmetropole Wien steht dem historischen Liverpool in nichts nach, was die Kreativität ihrer musikalischen Kinder und Enkel angeht: Während aus der Ferne noch Falko & Co. winken, sprinten Bands wie Freischwimma schon einer neuen Ära zu. Traditionelle Instrumentierung und gewitzte Texte in Mundart schauen dem Volk zwar aufs Maul, geben ihm aber auch gediegen was aufs Ohr.

Das gelang vor allem auch dem finalen Act, Ernst Molden & der Nino aus Wien. Mehrfach nominiert für den „Amadeus“ und direkt aus dem Schnürboden des Folk gestürzt, granteln, grummeln und jubilieren sich die Musiker rund um Poet Molden an der Lebensader Donau entlang. Die Musik seiner Band ist klassisches Singer-Songwriting, passt aber auch irgendwie nicht in unsere Zeit. Das im besten Sinne. Unvergessliche Klänge und Texte zelebrieren ein ruhigeres Leben mit sonnigem Abendspaziergang und Blick auf die Donau; diese intime, in ihrer Offenherzigkeit fast schon gewagte Melange kam gut an und machte Laune, nicht nur auf Vinyl diesen Klängen weiter nachzusteigen, sondern auch das Wienersein an sich eingehender unter die Lupe nehmen zu wollen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Nersinger_Freizeitturnier_Gehfu%c3%9fball.tif
Nersingen

Freizeitturnier des Nersinger Sportvereins kommt gut an

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen