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Weißenhorn

05.05.2019

So funktioniert das Müllheizkraftwerk in Weißenhorn

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3 Bilder
Insgesamt 76 Mitarbeiter arbeiten im Heizkraftwerk Weißenhorn, das vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises betrieben wird. Am Sonntag durften 25 Kinder einen Blick ins Innere der Anlage werfen.
Bild: Angela Häusler

Plus Im Rahmen des Aktionstags „Ohne Auto – mobil“ erfahren Kinder im Weißenhorner Müllheizkraftwerk, was mit dem Abfall passiert, der zu Hause in der Tonne landet.

Kostenlos mit Zug und Bus fahren: Dieses Angebot nutzten am Aktionstag „Ohne Auto – mobil“ im Landkreis am Sonntag zahlreiche Besucher für Ausflüge in die Umgebung. Ihnen winkten besondere Veranstaltungen in der ganzen Region. Zum reichhaltigen Programm zählte auch eine Führung für Kinder durchs Müllheizkraftwerk in Weißenhorn.

Dort versammelten sich am Nachmittag 25 Jungen und Mädchen, um sich aus der Nähe anzusehen, was mit dem Abfall aus den Mülltonnen in der Anlage passiert. Und zu sehen gab es dort so einiges – angefangen bei der Anlieferung, wo unter anderem Berge aus Sperrmüll, von Schränken über Spiegel bis zu Matratzen und Sofas, in riesigen Containern gelagert werden und der Restmüll aus Tausenden von Haushalten auf seine Verbrennung wartet.

Kinder bekommen Führung durch das Müllheizkraftwerk in Weißenhorn

Über Rutschen wird das Material nach innen transportiert und landet dann im sogenannten Müllbunker. Dort, auf der Krankanzel in mehreren Metern Höhe, thront der Kranführer, der zwei riesige Greifer steuert. Ein Vorgang, den die Kinder sogar selbst ausprobieren durften. Jeder dieser Greifer, erklärte Schichtleiter Mike Rudolph, kann ein Maximalgewicht von 2,5 Tonnen heben und den Müll auf diese Art umschichten. Das geschieht, um den oft nassen Abfall zu trocknen, gut brennbar zu machen und schließlich in die beiden enormen Trichter zu befördern, durch die das Material schließlich weiter in die Öfen geleitet wird.

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„Dort herrschen Temperaturen von bis zu 1000 Grad“, berichtete Christine Kächele, die die Führung leitete. Zu sehen ist von diesem hitzigen Schauspiel von außen kaum etwas – lediglich durch eine kleine Klappe kann man die hell leuchtenden Flammen im Inneren der Öfen sehen. Die hier entstehende Wärme erhitzt Wasser im Rohrsystem der Anlage auf 400 Grad Celsius und lässt Wasserdampf entstehen, der wiederum eine Turbine antreibt. So entstehen pro Tag rund 140000 Kilowatt Strom, die das Kraftwerk ins Leitungsnetz einspeist.

Pro Stunden werden bis zu 7,5 Tonnen Müll verbrannt

Bis zu 7,5 Tonnen Müll werden in den beiden Ofenlinien pro Stunde verbrannt. Die gesamte Anlage verarbeitet 105000 Tonnen Müll im Jahr, übrig bleiben am Ende rund 30000 Tonnen an Asche, Schlacken, Staub und Schrott. Substanzen, die später andernorts weiterverwertet oder eingelagert werden.

Einen Blick durften die Kinder am Sonntag auch in die Steuerungsanlage werfen, wo Mitarbeiter an sieben Tagen pro Woche den Betrieb in allen Teilen der Anlage überwachen. An großen Bildschirmen werden die Bilder der Überwachungskameras zusammengeschaltet. „Wenn hier Störungen auflaufen, muss man darauf reagieren“, erklärte Schichtleiter Rudolph. Und er berichtete, dass große Teile der Anlage – etwa des riesigen Systems aus Röhren, die sich durchs Gebäude ziehen – der Reinigung von Rauchgasen dienen. Die nämlich werden durch Gewebefilter und Auswaschen gesäubert, bis nur noch Wasser und Stickstoff bleiben.

Im Weißenhorner Müllheizkraftwerk arbeiten 76 Mitarbeiter

Betrieben wird das Müllheizkraftwerk vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises, insgesamt arbeiten im Werk 76 Mitarbeiter. Verwertet wird dort Hausmüll ebenso wie Sperrmüll und Abfall aus Gewerbebetrieben.

Initiiert hatte die Kinderführung die Jugend der BUND-Ortsgruppe Weißenhorn, die sich derzeit mit dem Thema Müll befasst und erst vor Kurzem eine Putzaktion durchgeführt hat. „Jetzt wollten wir uns ansehen, was mit dem gesammelten Müll passiert“, erzählte Gruppenleiterin Christiane Döring. Und das war „sehr interessant“, fand der neunjährige Teilnehmer Tim zum Schluss.

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