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08.07.2020

So hat sich das Virus auf die Wirtschaft in der Region ausgewirkt

Viele Betriebe im Landkreis Neu-Ulm bilden heuer nicht aus.
Bild: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Plus Nicht alles lief schlecht, aber die Stimmung in den Unternehmen befindet sich im freien Fall. Vor allem Schulabgänger, die nach einer Ausbildungsstelle suchen, trifft es hart.

Die Wirtschaft im Landkreis Neu-Ulm ist bisher noch relativ glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Das lässt sich zum Beispiel an den Zahlen der Arbeitsagentur ablesen. Doch auf einem Gebiet droht langfristig Ungemach.

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Neu-Ulm ist nur leicht angestiegen

Simon Schrag, zuständig für Wirtschaftsförderung im Landkreis, hat jetzt dem Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr die aktuellen Arbeitsmarktzahlen präsentiert. Danach ist die Beschäftigungslosigkeit nur verhältnismäßig leicht gestiegen. Betrug die Arbeitslosenquote vor Corona im Schnitt 2,1 Prozent, lag sie nun im Juni bei 3,6 Prozent. Das Schlimmste hat die Kurzarbeit abgefedert. Gut ein Drittel aller 4209 Firmen im Landkreis hat bisher von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Betroffen waren 36,6 Prozent aller Beschäftigten, was leicht über dem bayerischen Durchschnitt liegt. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe wird kurz gearbeitet, allerdings war auch das Gesundheitswesen stark betroffen, denn während der Hoch-Zeit der Krise gingen die Menschen kaum mehr zum Arzt.

Nach wie vor schlecht ist die Laune bei den Unternehmen, die sich im Rahmen der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der IHK Schwaben geäußert haben. Die Stimmung sei „im freien Fall“, sagte im Ausschuss der IHK-Regionalgeschäftsführer Oliver Stipar. Das ziehe sich durch alle Branchen. Jedes vierte Unternehmen geht davon aus, dass in den nächsten sechs Monaten die Geschäfte noch schlechter laufen, jedes zweite glaubt, dass es erst mal nicht schlechter, aber auch nicht besser werde. Allerdings hatte sich die Stimmung bereits im vergangenen Herbst eingetrübt. Ein wesentlicher Grund ist nach den Worten von Stipar die Krise in der Automobilindustrie. Da in den Kreisen Neu-Ulm und Günzburg etliche Betriebe aus dem Zulieferbereich angesiedelt sind, haben auch sie den Abwärtssog gespürt und teilweise schon Gegenmaßnahmen getroffen. Deshalb habe sie die Corona-Krise nicht ganz so kalt erwischt.

Es gibt ein Nachfrageproblem in der Region

Gerd Stiefel, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm, lobt die Politik, die in der Krise vieles richtig gemacht und das Geld nicht mit der Gießkanne verteilt habe. Er wünscht sich, anders als etliche Unternehmerkollegen, nicht einfach eine Senkung der Unternehmenssteuern. Es müsse eine Reform für alle Bürger her, denn: „Wir haben ein Nachfrageproblem.“ Er glaubt, dass etliche Betriebe erst nach der Krise Schwierigkeiten bekommen werden, wenn nämlich die Kredite der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau zurückgezahlt werden müssen: „2021 wird das Jahr der Wahrheit.“ Stiefel hält die zeitweilige Senkung der Mehrwertsteuer für zu kurz gegriffen. Statt für ein halbes Jahr sollte sie für ein ganzes gewährt werden, sonst sei der Aufwand für die Umstellung zu groß.

Auch Kreishandwerksmeister Michael Stoll sieht die Mehrwertsteuersenkung eher als „Riesenproblem“. Die Ankündigung habe erst mal dazu geführt, dass Kunden ihre Aufträge auf den Juli verschoben, dem Beginn der Senkung. Er hofft, dass Landkreis und Kommunen ihre geplanten Investitionen nun nicht verschieben, sondern „zeitnah umsetzen“.

Fast die Hälfte aller Betriebe im Kreis stellen keine neuen Azubis ein

Auch die Kreishandwerkerschaft hat ihre Mitgliedsbetriebe befragt. Besonders eine Zahl, die Geschäftsführerin Ulrike Ufken präsentierte, wurde im Ausschuss mit Besorgnis aufgenommen: 48 Prozent der Betriebe werden in diesem Jahr keine neuen Azubis einstellen. Ein Problem sei, dass die Unternehmen gar nicht an die Schüler rankamen, um sie anzuwerben, denn die waren ja während des Lockdowns zu Hause. Ludwig Ott (Grüne) sagte, er sein erschrocken, wie viele Betriebe heuer nicht ausbilden. Oliver Stipar versicherte, die IHK werde versuchen, die Firmen zu motivieren, denn: „Sonst haben wir in dreieinhalb Jahren keine Fachkräfte mehr.“

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