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Ulm/Landkreis Neu-Ulm

21.12.2020

So klappt der Ulmer Weihnachtsmarkt auch daheim

Ob eine Rote oder die berühmte Feuerwurst: Ein warmer Imbiss macht den Besuch auf dem Weihnachtsmarkt erst schön – auch bei der heimischen Variante.

Plus Eine Million Menschen lockt der Budenzauber alle Jahre wieder auf den Ulmer Münsterplatz. Mit wenigen Zutaten lässt sich die begehrte Stimmung im Garten nachstellen – inklusive eines Gegenmittels für den Lagerkoller.

Einsam steht in diesem Jahr der Weihnachtsbaum auf dem Ulmer Münsterplatz. Eigentlich würden hier rund 130 festlich geschmückte Buden stehen. Der Duft von gebrannten Mandeln, knackigen Würstchen und heißem Glühwein fehlt auch. Stattdessen: Menschenleere und tristes Grau. Der Lockdown zwingt uns, zu Hause zu bleiben. Was nicht heißt, dass man sich nicht ein wenig von dem Flair nach Hause holen kann. Wir haben uns bei den Händlern umgehört, wie das funktionieren könnte.

Etwa mit der originalen Feuerzangenbowle des Ulmer Weihnachtsmarkts: Um bei ihren Kunden nicht in Vergessenheit zu geraten, haben sich die Gastronomen Karin Krings und Michael Speiser für dieses Jahr einen Lieferservice einfallen lassen. Bekannt sind die beiden Wirte – neben Suppen – für ihre alkoholischen Heißgetränke. Zunächst habe man damit auf die ersten Anfragen von Firmen reagiert, die bereits im September an sie gestellt worden seien, wie Michael Speiser sagt. Je nach Wunsch und Bedarf haben die beiden verschiedene Angebote für Firmenfeiern und Privatleute. Ob die kleine Variante mit Feuerzangenbowle und Lebkuchen bis hin zum Flammkuchen, Suppe im Brotlaib oder einer Feuerpeitsche. Um das passende Vorweihnachtsgefühl aufkommen zu lassen, sollen die Leckereien festlich dekoriert geliefert werden.

Feuerzangenbowle mit einem Dreibein

„Wir richten das Essen professionell an und heizen die Feuerzangenbowle mit einem Dreibein über dem Feuer an“, erklärt Speiser und fügt hinzu, dass für die Gastgeber ein rundum Sorglospaket geliefert würde, weil am Tag danach alles wieder von den Lieferanten abgeholt wird. Als Verkaufsschlager haben sich in der Adventszeit die Geschenkpakete erwiesen, wie Michael Speiser sagt. Und im eigenen, festlich beleuchteten Garten bei kühlen Temperaturen schmeckt der Punsch mit dem so schön brennenden Zuckerhut fast so gut wie im Schatten des Münsters. Oder noch besser. Weil niemand mehr Auto fahren muss. Ein herber Schlag sei es gewesen, als die Verantwortlichen der Stadt Ulm bereits im September den Weihnachtsmarkt ersatzlos absagten. „Wenn unsere Freunde und Fans nicht zu unserem Stand kommen dürfen, kommen wir eben zu ihnen“, sagt Krings, die in zweiter Generation auf dem Weihnachtsmarkt steht.

Die Feuerwurst darf nicht fehlen

Vor dem Genuss von heißem Rum auf dem heimischen Weihnachtsmarkt empfiehlt sich ein kräftiges Mahl. Die Feuerwurst ist eine feste Institution auf dem Ulmer Budenzauber – jener scharfe Frontalangriff mit Zaziki-Breitseite auf die Geschmacksnerven. Der recht rustikale Imbiss – Bratwurst, Krautsalat mit Joghurt, Gurken, Olivenöl und Knoblauch, serviert in einem Baguette – erscheint für Nicht-Ulmer etwas merkwürdig, hat aber Fans. Fans, die alljährlich lange Anfahrtszeiten auf sich nehmen, um „Burgers Original Feuerwurst“ zu bewältigen. Seit 35 Jahren sind die Gastwirte mit ihrer Spezialität auf dem Weihnachtsmarkt dabei. Wer auch in diesem Jahr nicht auf die Feuerwurst verzichten möchte, kann diese auch in vielen Supermärkten der Region kaufen. Die Würste sind bereits gebrüht und geräuchert. Ob in der Pfanne oder im heißen Wasser zubereitet, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen.

Ein Bild aus vergangenen Zeiten, als der Ulmer Münsterplatz im weihnachtlichen Glanz stand. Doch kann man sich auch die feierliche Stimmung in die eigenen vier Wände holen.
Bild: Andreas Brücken

Original wird die „Feuerwurschd“ aber nur auf dem Grill zwischen Krautsalat, Zwiebeln und Tsatsiki, wie die Profis von Burgers Catering sagen. Das Original ist rar: Die Firma Burger-Catering sah sich jüngst gezwungen, ihre verbliebenen Wurstbuden in Ulm (vor Kaufhof) und Babenhausen zu schließen.

Das Geheimnis von Fahrenkamps Glühwein

Was bleibt, ist selbst machen. Und zur Feuerwurst lieben Weihnachtsmarktfans einen Glühwein. Nicht irgendeinen, sondern „do links vom Münschder“, wie es im Orginalton heißt. Da hat nämlich alle Jahre wieder Gerhard Fahrenkamp seinen Stand. Auch so eine Ulmer Institution: Seit 1977 ist der Teehandel mit seinem Teeladen in Ulm und um Ulm das einzige Spezialitätengeschäft mit Tee- und Gewürzversand dieser Art. Und fast so lange gibt’s den Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt.

Ein Heißgetränk im Freien gehört zu Weihnachten dazu.
Bild: Andreas Brücken

Man nehme für Fahrenkamps Glühwein: eine halbe Zimtstange mit einem Teelöffel Glühweingewürz – aus Orangenschalen, Zitronenschalen, Nelken, Kardamom, Sternanis – in einer Bodendecke Wasser etwa zehn Minuten auskochen. Dann einen Liter guten Rotwein dazugeben, nicht kochen lassen. Süßen nach Geschmack. Die landläufige Meinung, dass es ein billiger Rotwein auch tut, hält Fahrenkamp für falsch. „Man muss einen Rotwein nehmen, den man auch so seinen Gästen auf den Tisch stellen würde.“ Für Glühwein eigne sich am besten ein italienischer Merlot. „Wir haben das ausprobiert.“ Selbst ein Brunello oder Barolo geht genauso wenig wie ein Württemberger. „Zu wenig Säure.“ Und auf keinen Fall dürfe der Wein heißer werden als 86,4 Grad. „Dann wird er bitter.“

Energetisches Räuchern gegen „dicke Luft“ und Lagerkoller an Weihnachten

So wie möglicherweise auch die Stimmung im weihnachtlichen Pandemie-Lager: Weihnachten für die Nase bietet seit vier Jahren das Ehepaar Adler aus Herrlingen mit seinem Kirchenweihrauch an. Die Atmosphäre auf dem Münsterplatz fehlt den beiden. In Deutschland bestehe eine große Tradition des energetischen Räucherns gegen „dicke Luft“ , wie die Fachfrau sagt. „Diese Methode wird angewendet, wenn ein Raum gefühlsmäßig negativ belastet ist.“ Was im weihnachtlichen Lagerkoller in Pandemie-Zeiten durchaus vorkommen soll. Gegen „dicke Luft“ lege man das Räucherwerk auf ein Stück heiße Spezialkohle. Wer es lieber dezenter mag, ist mit einem handgefertigten Räucherstövchen besser bedient. Hier rauchen die edlen Düfte über einem Teelicht. Besonders edel sei der Al-Hojari-Rauch, der mit seinem zitrus-harzig-frischen Geruch kaum an den Weihrauch erinnert, wie man ihn aus der Kirche kenne. Feierlich wird’s damit im heimischen (Weihnachts-)Garten trotzdem.

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