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Ulm

06.12.2018

So klingt das andere Amerika

Begeisterte mit feinem, warmen Ton: Solist Tamás Füzesi.
Bild: Horst Hörger

Das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm feiert im CCU die ganze Bandbreite der Musik Leonard Bernsteins – und einen seiner Lehrmeister. Als Solist glänzt ein bekanntes Gesicht.

Schon bei den ersten, jazzgetrieben Klängen von Leonard Bernsteins feuriger Suite der „Westside-Story“-Themen muss man denken: was für ein anderes Amerika da erklingt. Ein Amerika der Einwanderer, ein Amerika, das Synonym war für ungebremste Lebensfreude – und harte Konflikte. Das Erfolgsmusical war freilich Segen und Fluch für den Komponisten: Das Gros der anderen Werke des 1990 verstorbenen Genies – von der Kammermusik bis großer Sinfonik – blieb selten aufgeführt. Wie sehr das zu bedauern ist, machten die vorzüglich aufgelegten Ulmer Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Timo Handschuh im CCU deutlich.

Die „Sinfonischen Tänze“ aus der „West Side Story“ und das Violinkonzert „Serenade nach Platons Symposion“ zeigten den Bernstein, den Freunde und Weggefährten schätzten: einen klugen, erfindungsreichen, dem Leben zugewandten Menschen, der in seiner Musik keine Grenze akzeptierte. Frisch und befeuernd erklingen unverändert die zackigen, südamerikanisch durchwirkten Themen, das Orchester agierte mit äußerster Präzision, Spielfreude und hielt den ungeheuren Spannungsbogen straff gespannt. Furios der „Mambo“, der aus den Philharmonikern eine regelrechte Swingband machte. Der erste Programmteil gelang herausragend und erntete frenetischen Beifall. Als Zugabe gab es das in den „Sinfonischen Tänzen“ nur anklingende Liebesthema „Maria“ nachgereicht.

Das Violinkonzert ist ganz anders als die "West Side Story"

Das Violinkonzert zeigt Bernstein etwas ruhiger, fast möchte man sagen: introvertierter. Es ist eine wechselvolle Suite, in der der Solist mal flüsternd dem Orchester vorauseilt, dann wieder in heftigen Disput mit dem manchmal auf kammermusikalisches Format heruntergedimmten Orchesterkörper gerät. Ein Meisterwerk, das Primgeiger Tamás Füzesi als Solist ganz ausgezeichnet in seinen emotionellen Auslotungen umsetzte. Den feinen, warmen Gesang seiner Violine wird man lange noch im Ohr haben.

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Den Abend beschloss Aron Coplands „Symphony #3 for the Common Man“ – ein Sinfonie-Schlachtschiff von fast Mahlerschen Ausmaßen. Bernstein mokierte sich zunächst ein wenig über den (gelegentlich) notwendigen Bombast, dann aber rühmte er Coplands dritte Sinfonie als „amerikanisches Monument“. In der Sinfonie, vom Orchester herrlich dynamisch erfasst, erklingen US-Folklore, Jazz-Klänge und hymnische Anleihen von Mahler und Bruckner. Große Melodiebögen, die – anders als bei Bernstein – kein Zweifel ankränkelt, die bis ins machtvolle, Coplands eigene „Fanfare For The Common Man“ zitierende Finale eine euphorische und zukunftsfrohe Musik darstellen.

Die Begeisterung des Publikums entlud sich in langem Applaus.

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