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Neu-Ulm

26.11.2018

So kommen Tiere im Garten gut durch den Winter

Wer ein Vogelhäuschen aufstellt, sollte darauf achten, dass es nicht zu nahe an Hecken oder am Gebüsch steht, damit sich Katzen nicht einfach anschleichen können.
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Wer ein Vogelhäuschen aufstellt, sollte darauf achten, dass es nicht zu nahe an Hecken oder am Gebüsch steht, damit sich Katzen nicht einfach anschleichen können.
Bild: Daniel Reinhardt/dpa

Plus Gartenbesitzer können viel dafür tun, damit Vögel, Insekten und Igel besser durch die Kälte kommen. Ein Experte erklärt, worauf sie achten müssen.

Jetzt, wo es stetig düsterer und kälter wird und sich schon vereinzelt Schneeflocken vom Himmel wagen, freuen sich nicht nur Menschen über einen geschützten Rückzugsort, sondern auch die Tiere. Damit Vögel, Igel, Insekten und Co. noch besser durch die kalte Jahreszeit kommen, können auch Gartenbesitzer so manches tun.

Ralf Schreiber, Diplombiologe und Pressesprecher der Kreisgruppe Neu-Ulm des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), fällt sofort ein Fehler ein, den viele Gartenbesitzer machen: „Typisch deutsch ist, dass der Garten im Herbst abgeräumt und alles möglichst kahl gemacht wird.“ Und das sei so ziemlich das Schlechteste, was man tun könne und „macht es den Tieren nur schwer“. Denn Vögel freuen sich über die abgeblühten Samenstände, wenn das Nahrungsangebot knapp wird. „Insekten – ob Raupe, Puppe oder Ei – überwintern außerdem an und in den Stängeln“, erklärt Schreiber und fasst zusammen: „Den Garten sollte man so unaufgeräumt wie möglich lassen.“ Die Balkonpflanzen kann man dagegen unbesorgt entsorgen. „Da friert in aller Regel sowieso der Boden aus“, erklärt der Experte.

Herumliegendes Laub im Garten dient als Nahrung für Regenwürmer. „Und gedüngt ist der Boden dann auch gleich noch“, sagt Schreiber. Je frostiger es wird, desto weniger sind die Würmer allerdings aktiv. Das Laub auf einen Haufen zu rechen, sei auch „immer gut“ – zumindest, so lange man diesen danach in einer Ecke im Garten belässt und die Blätter nicht in Säcke packt und zur nächsten Grüngutsammelstelle fährt. Ein paar Äste sorgen dafür, dass das Laub nicht beim kleinsten Windstoß wieder durch den ganzen Garten wirbelt. Außerdem: „Je höher die Strukturvielfalt im Garten ist, desto mehr Tiere überleben“, sagt Schreiber. Klar, seien das teilweise auch Schädlinge, aber, so betont der Experte: „Die Vorteile überwiegen.“ Ein Blätter-Äste-Haufen bietet nicht nur Igeln einen guten Unterschlupf, sondern auch Asseln und Insekten. Aufpassen und besser nicht mit auf den Haufen werfen sollte man laut Schreiber Blätter und Äste von Walnussbäumen, darin ist viel der giftigen Gerbsäure enthalten. Auch Kastanien sind schwach giftig. Wer am Siedlungsrand wohnt, tut mit einem Steinhaufen als Unterschlupf auch Eidechsen und Blindschleichen etwas Gutes.

Vogelhäuschen sollten regelmäßig gereinigt werden

Von Igelfutter hält Diplombiologe Schreiber übrigens nichts, beim Thema Vögel füttern sagt er: „Man kann füttern, man muss aber nicht. Die Vögel sind nicht darauf angewiesen.“ Sicher, vielleicht werden dadurch ein paar schwache Exemplare aufgepäppelt, aber die harte Realität: „Über kurz oder lang sterben die sowieso.“ Wichtig sei in jedem Fall, auf keinen Fall Essensreste als Nahrung anzubieten und „nicht unbedingt das billigste Vogelfutter“ zu kaufen, so Schreiber. Auf Fertigmischungen sollte immer zu erkennen sein, was alles darin enthalten ist – und wo die Körner herkommen. Ambrosiasamen sollten beispielsweise nicht darin sein, teilweise kann man dagegen allergisch sein. „Und wenn man nicht weiß, was in dem Futtergemisch ist, sollte man einfach einmal nachfragen“, rät der Experte.

Ein guter Platz für ein Vogelhäuschen ist an einer übersichtlichen Stelle, etwa zwei bis fünf Meter von Gebüschen entfernt. So können Vögel die Umgebung gut einsehen und sich Katzen schlechter anschleichen. Wer ein Vogelhäuschen aufstellt, sollte darauf achten, es regelmäßig mit heißem Wasser zu reinigen – denn ansonsten können sich schnell Krankheitserreger ausbreiten. Eine gute Alternative zum klassischen Häuschen sind Futtersilos mit kleinen Löchern, aus denen die tierischen Gäste die Körner herauspicken können. So ist das Futter vor Nässe und Verunreinigungen geschützt. Und auch den klassischen Meisenknödel können Naturfreunde unbesorgt aufhängen. „Es schadet nichts, wenn darum kein Netz ist“, sagt Schreiber und fügt hinzu: „Es ist mir aber kein Fall bekannt, bei dem ein Tier in dem Netz hängen geblieben und gestorben ist.“

Vogelfutter selbst mischen: Jede Vogelart hat ihr eigenen Vorlieben

Die Futterstelle sollte man dennoch ein- oder zweimal am Tag kontrollieren. Auch auf dem Balkon kann man übrigens ohne Bedenken ein Futterhäuschen aufstellen – Verbote seitens des Vermieters sind laut Schreiber nicht zugelassen, dazu gab es bereits Gerichtsurteile. Für den guten Draht zu Mitmietern sollte man allerdings darauf achten, dass nicht zu viel Futter am Ende auf dem Balkon des Nachbarn unter einem landet.

Diplombiologe Schreiber betont, dass man nicht alles kaufen muss, auch selbst gebastelte Vogelhäuschen sind hübsch. „Man muss auf jeden Fall darauf achten, dass das Holz nicht lackiert ist“, sagt er. Das gilt natürlich auch für gekaufte Häuschen. Auch passendes Futter ist schnell selbst gemischt – dann weiß man auch genau, was drin ist. Jede Vogelart hat übrigens ihre eigenen Vorlieben: Mit ölhaltigen Samen wie Sonnenblumenkernen lassen sich Körnerfresser wie Grünfink, Dompfaff und Stieglitz anlocken. Amseln und Rotkehlchen bevorzugen Weichfutter wie Getreideflocken, Rosinen und getrocknete Wildbeeren. Fettfutter eignet sich besonders für Spechte und Kleiber. Meisen, Spatzen und Feldsperlinge sind besonders pflegeleicht: Diese Vogelarten nehmen fast jede Art von Futter an.

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