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20.04.2019

„Sonnenfeuer“brennt auch mit Klarinette

Sebastian Manz

Sebastian Manz springt beim WKO in Ulm ein

Vormittags noch spielte das Württembergische Kammerorchester zur Eröffnung der Bundesgartenschau in Heilbronn, am Abend gab es in Ulm das letzte Konzert der Saison 2018/2019: Der lange Arbeitstag endete im Jubel des Ulmer Publikums. Der war umso mehr berechtigt als das Orchester unter Leiter Case Scaglione erneut wegen der Erkrankung einer Solistin kurzfristig sein Programm umstellen musste und dennoch in wunderbar sinnlicher Klangkultur spielte.

Der Joaquin-Rodrigo-Auftritt der spanischen Geigerin Leticia Moreno musste verschoben werden. Den Klarinettisten Sebastian Manz einen „Ersatz“ zu nennen, wäre allerdings vollkommen falsch: Manz brillierte mit Esprit und Virtuosität und schuf die heitere Leichtigkeit, die das als „Sonnenfeuer“ betitelte Konzert nicht nur im Publikum, sondern auch unter den Musikern des Orchesters kreierte.

Die Laufbahn des 1986 in Hannover geborenen Manz ist gespickt mit Preisen: Sieger beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD, zwei Klassik-Echos, drei Jahre lang Künstler der Reihe „Junge Wilde“ am Konzerthaus Dortmund. Seine erste Tournee als Solist unternahm Manz, der der Sohn des Pianisten Wolfgang Manz und der Boris-Goldstein-Tochter Julia Goldstein ist, mit 13 Jahren. Aaron Coplands – als Hommage an den Klarinettisten Benny Goodman 1947/48 komponiertes – Concerto für Streichorchester mit Harfe und Klavier kombiniert lateinamerikanische Anklänge mit jazzigen auf derart geistreiche und überraschende Weise, dass auch Manz selbst sich trotz der nötigen hohen Konzentration über den Einfallsreichtum des Werkes zu amüsieren schien. Aufmüpfig schien Manz’ Klarinette gegenüber den anderen Instrumenten – etwa im Dialog mit dem Kontrabass – stets das letzte Wort zu erobern. Die enthusiastischen Bravo-Rufe des Publikums veranlassten Manz, den Zuhörern noch den feurigen dritten Satz aus Strawinskys „Drei Stücke für Klarinette“ als Zugabe zu schenken.

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Um Sonniges aus Frühling und Sommer rankte sich das komplette Programm in großer Vielfalt: Mit fast sakraler Hingabe und inniger Zartheit, unterbrochen von wilden Pasodoble-Klängen, interpretierte das Orchester Joaquin Turinas „La oracíon del torero“, „Das Gebet des Toreros“. Das Werk des Komponisten aus Sevilla zaubert Bilder in den Kopf des Hörers: das anrührend hingegebene Gebet des Toreros vor dem Moment, in dem er dem Stier gegenüber steht; draußen lärmt bereits die Fiesta in der Arena.

Einziger Rückgriff aus der Palette des 20. Jahrhunderts ins 18. war die zweite Sinfonie des Österreichers Carl Ditters von Dittersdorf, der sich zur Zeit der Wiener Klassik mit Ovids „Metamorphosen“ beschäftigte. Mit dem „Sonnenfeuer“ hat gerade diese Sinfonie zu tun, schildert sie doch, sich dramatisch steigernd, den Wunsch von Phaeton, dem Sohn des Sonnengottes Helios, dessen Streitwagen für einen Tag nutzen zu dürfen. Phaeton löst in seiner Unerfahrenheit eine Katastrophe universalen Ausmaßes aus.

So dramatisch-emotional aber wollte Scaglione die WKO-Fans nicht in die Sommerpause entlassen, sondern beruhigte die Gemüter mit den 1944 unter kalifornischer Sonne komponierten „Jeux de printemps“ Darius Milhauds in kammermusikalischer Besetzung: heiter und spielerisch. (köd)

Das Württembergische Kammerorchester startet seine Ulmer Konzertreihe der Spielzeit 2019/2020 am 17. Oktober im Kornhaus. Informationen dazu auf wko-heilbronn.de.

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