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Ulm

08.03.2019

„Soul Kitchen“ im Theater Ulm: Das Rezept stimmt nicht

Schnaps hilft manchmal: Zinos (Lukas Schrenk, links), nimmt mit den Kellnern Lutz (Jakob Egger) und Lucia (Franziska Maria Pößl) einen Drink.
Bild: Jean-Marc Turmes

Die Bühnenadaption von Fatih Akins Komödie ist im Großen Haus eher Maggi-Fix als Seelenfutter. Immerhin bringt die Band ein bisschen Soul in die Küche.

Im „Soul Kitchen“ braucht der Gast nicht nur Appetit – auch ein bisschen Mut. Schließlich stehen auf der Menü-Tafel Kreationen wie „Verliebtes Hähnchen an frischen Pflaumen“ oder „Suppe des Meisters der Akupunktur“. Aber: Es schmeckt. Was man von Alexander Flaches Inszenierung am Theater Ulm allerdings nicht immer sagen kann: Die Bühnenfassung von Fatih Akins Kinoerfolg wirkt ein bisschen, als ob der Koch den Topf zu früh vom Herd genommen hätte.

„Soul Kitchen“ erzählt die Geschichte des griechischstämmigen Hamburger Restaurantbetreibers Zinos. Für den läuft es bescheiden: Seine Freundin geht der Karriere wegen nach Shanghai, sein kulinarisch anspruchsloses Lokal hat nur wenige Kunden – und dann bekommt er es auch noch an der Bandscheibe. Und als der Laden auch dank der Künste des kapriziösen Kochs Shayn gerade in die Gänge kommt, wird alles noch viel schlimmer. Daran ist vor allem Zinos’ Bruder, der Knast-Freigänger Illias, schuld. Aber natürlich: Am Ende wird doch alles irgendwie gut.

Vom der Geschichte bleibt auf der Bühne nur ein simples Märchen übrig

Akins Film ist ein urbanes Märchen, erzählt aber auch vom Zusammenhalt im migrantischen Milieu, von prekären Lebensverhältnissen in der Großstadt und dem Druck der Gentrifizierung. Auf der Bühne in Ulm bleibt davon nur noch das simple Märchen übrig. Ausstatterin Anja Furthmann hat das „Soul Kitchen“, im Original eine ranzige Industriehalle, zu einer Bar mit Wänden aus Lautsprechern gemacht, deren schräges Dach als zweite Spielfläche genutzt wird – mal als Tisch, mal als Tanzboden. Denn wichtiger als die Küche ist im Ulmer Lokal die Musik: Sie steuert der Ulmer Jazzmusiker Joo Kraus (Trompete/Tasten) mit seinen Begleitern Korbinian Kugler (Bass) und Torsten Krill (Schlagzeug) bei.

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Die Band ist es, die den Soul in die Küche bringt: Zwischen den einzelnen Szenen begleiten Soul- und Rocksongs die Handlung, jeweils gesungen von den Schauspielern. Die sind freilich nicht alle geborene Popstars, obwohl am Mikrofon gerade die abliefern, die auch darstellerisch am meisten überzeugen: Lukas Schrenk spielt Zinos als dauergestressten jungen Mann – und hat als Rockröhre durchaus Potenzial. Benedikt Paulun als Illias, ein lässiger Loser, schmeißt sich bei „Sexy M.F.“ so wild auf die Bühnentreppe, dass die Zuschauer die Zähne zusammenbeißen. Und Franziska Maria Pößl, die ständige fluchende Kellnerin Lucia, liefert mit der Ballade „I Love You More Than You’ll Ever Know“ den schönsten musikalischen Moment des Abends.

Doch diese kleinen Leckerbissen täuschen nicht darüber hinweg, dass das Rezept nicht stimmt. Denn für eine Komödie fehlt der Inszenierung der Drive. Stattdessen ist das Stück ein Musical mit kaum ausgearbeiteten Charakteren, einigen schiefen Tönen und Statisten-Tanz. Der Charme des Films, der Schmutz der Großstadt, sie fehlen auf der Bühne – ebenso wie einige der besten Szenen der Vorlage (Knochenbrecher-Kemal!) Trotzdem ist das Stück mit gut zweieinhalb Stunden Spieldauer sehr viel länger. Kein Seelenfutter, eher Maggi-Fix. Das Premierenpublikum aber applaudiert kräftig, vor allem für Joo Kraus und seine Band.

Wieder am 9., 14. und 15. März im Großen Haus des Theaters Ulm. Weitere Vorstellungen bis 12. Mai.

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