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Ulm

21.04.2020

Spenden statt Ticket-Rückerstattung: Hilfsaktion für das Theater Ulm

Wie können treue Theaterfans dem Haus in Krisenzeiten helfen? Für den Verein der Freunde des Theaters ist die Antwort klar: mit einer Spende, mit dem Verzicht auf Rückerstattung.
Bild: Alexander Kaya

Plus Der Verein der Freunde des Theaters bittet Abonnenten und Ticket-Käufer, auf die Rückerstattung von Tickets in der Coronavirus-Pause zu verzichten.

Der Ausfall zahlloser Theateraufführungen, Konzerte und anderer Veranstaltungen aufgrund der Corona-Krise bedeutet für die Kultur in Deutschland einen riesigen Verlust – ideell, aber mindestens ebenso auch finanziell. Über das Internet-Portal „Nachtkritik“ riefen Kulturfreunde und an deutschen Theatern Beschäftigte die Aktion „Meine Karte für meine Bühne“ ins Leben, mit der sie Abonnenten und Besitzer von bereits gekauften Theatertickets bitten, zur Unterstützung „ihres“ Theaters auf eine Rückerstattung des Kaufpreises zu verzichten. So könne das bereits ausgegebene Geld eine Hilfe für das jeweilige Theater bieten. In Ulm initiierten zwei Frauen vom Verein der Freunde und Förderer des Theaters Ulm jetzt eine entsprechende Aktion – mit einem kreativen Video, das am 20. April auf dem Youtube-Kanal des Theaters hochgeladen wurde.

Verein der Freunde des Theaters Ulm ruft zu Spenden auf.

Freunde des Theater Ulms könnten auf Rückerstattung verzichten

„Wir sind ja keine Hobbyschauspieler“, schmunzelt Theaterfreunde-Chefin Johanna Kienzerle über sich und Schatzmeisterin Karine Gaule. „Aber für das Theater sind wir über unseren Schatten gesprungen!“ Johanna Kienzerle vermisst die Vorstellungen der beiden Abos fürs Große Haus und fürs Podium, die sie in diesen Wochen und Monaten gesehen hätte. Die Idee, dem Theater mit einem Verzicht auf Rückerstattung – soweit es der eigene Geldbeutel zulässt – zu helfen, war geboren, und so entstand mit technischer Hilfe des Theaters an zwei Drehtagen der etwa zwei Minuten lange Streifen, mit dem die Theaterfreunde an alle Besitzer von Theaterkarten appellieren.

Intendant Kay Metzger ist gerührt und freut sich sehr über das Engagement der Theaterfreunde, die dem seit 17. März geschlossenen Haus zur Seite stehen. Wie viele Einnahmen dem Theater durch die epidemiebedingte Schließung am Ende fehlen werden, ist noch nicht zu beziffern. Mit einem Drittel der durchschnittlichen Jahreseinnahmen rechnet Metzger jedoch, ohne Zahlen nennen zu wollen. „Denn offiziell gehen die Einschränkungen bis zum 3. Mai.“ Dennoch rechnen die Bühnen im Land wohl kaum mit einer Öffnung in dieser Spielzeit, denn gerade die Nähe der Schauspieler und Sänger zueinander, bei den Proben und auf der Bühne, die Enge des Orchestergrabens oder die Figuren der Tänzerinnen und Tänzer beim Ballett sind unter Einhaltung der Abstandsregeln nicht zu machen. Man arbeite deshalb auch am Theater Ulm mit mehreren möglichen Szenarien, sagt Metzger. Was er besonders bedauerlich findet: „Wir hatten im April und in den kommenden Wochen einige Quotenbringer im Programm.“ Heinrich Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ zum Beispiel, das am Donnerstag Premiere gehabt hätte, oder das von Reiner Feistel choreografierte Tanztheater zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ und die mit großem Erfolg angelaufene Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán.

Spenden statt Ticket-Rückerstattung: Hilfsaktion für das Theater Ulm

Abonnenten zeigen sich solidarisch mit dem Theater Ulm

Bereits vor dem Video der Theaterfreunde habe es in Nachrichten, per Mail und in Begegnungen direkt an der Theaterkasse Momente gegeben, in denen Besucher dem Theater Ulm ihre Treue zusicherten und auf Rückerstattung verzichteten, erzählt Kay Metzger. Wie viel die Solidaritätsaktion vonseiten der Theaterfreunde und des Publikums dem Theater an finanzieller Hilfe bringt, kann der Intendant noch nicht abschätzen. „Das können wir erst, wenn Klarheit ist, wie lange die Einschränkungen dauern, und außerdem ist die Aktion ja gerade erst angelaufen. Wir werden uns aber in Absprache mit dem Gemeinderat um diese Hilfe von Abonnenten und Besuchern im freien Verkauf kümmern und sie mit Spendenquittungen würdigen“, verspricht Metzger.

Und Johanna Kienzerle und Karine Gaule, die auf diese Weise im Internet öffentlich wurden? „Vereinsintern hatten wir die Hilfe fürs Theater vorher schon aufgegriffen“, erzählt die Vorsitzende. „Aber dann haben wir herumspintisiert, wie man auf größerer Ebene helfen kann – und es war recht vergnüglich.“

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