Neu-Ulm

28.06.2018

Spiegel der Sinne

Leicht und schwer: eine Impression aus „Die Vorstellung meiner Hände“ in der Putte. Im Glas spiegelt sich die Künstlerin.
Bild: Florian L. Arnold

Die Künstlerin Charlotte Mumm aus Amsterdam experimentiert im Projektraum Putte mit Kontrasten. Und mit Kartoffeln.

Wer den Non-Profit-Projektraum für aktuelle Kunst in Neu-Ulm „Putte“ derzeit betritt, sieht Hände. Der ganze Boden ist mit einer Fotocollage der in Amsterdam lebenden Charlotte Mumm bedeckt, auf der die Hände der Künstlerin zu sehen sind, dicht an dicht, mehr Geflecht oder Gewächs als Teil des menschlichen Körpers. Diese Art von „Irritation“ ist ganz nach dem Geschmack der 1980 geborenen Künstlerin, die bis zum 15. Juli den Projektraum mit Installationen und Objekten bespielt.

Mumm, die als Meisterschülerin bei Urs Lüthi studierte, interessiert sich für Materialien und Materialkontraste. Glas und Beton sieht man in der Putte gekoppelt. Andere Kontraste sind etwa Schwere und Leichtigkeit, die in der Ausstellung blickfangend im Eingang ihr Kontrastspiel entfalten: Betonlinsen werden durch signalrote Stoffbänder so miteinander gekoppelt, dass sie ausbalanciert über dem Kopf des Betrachters schweben; verkleinerte Varianten dieser Arbeit sind auch im zweiten Raum zu sehen, vis-à-vis einer Wand mit austreibenden (Bio-)Kartoffeln. Das „Bio“ ist in diesem Fall wichtig, wie Galerieleiterin Janina Schmid erläutert: „Die Supermarktkartoffeln treiben nicht aus. Sie trocknen irgendwann, aber sie treiben nicht.“ Sie sind also nicht mehr natürlich. Gerade die Triebe der Kartoffeln aber sind es, die für die Installation wichtig sind – nicht nur, weil sie farblich sehr ähnlich wirken zu dem Hände-Mirakel am Boden. „Jede Kartoffel ist ein Individuum, da ist viel Körperliches und Lebendiges“, sagt Mumm zum Reiz der Pflanze in der Installation. Zugleich will sie in dieser Arbeit auch den Irrwitz transportieren, der dem menschlichen Umgang mit Natur und Ressourcen zugrunde liegt.

Paradoxien sind ein weiteres Phänomen, dem die junge Künstlerin nachspürt. Dass jedes Objekt, jede Installation durch die Fantasie des Betrachters anders wirken kann, ist intendiert. So spielt jeder Betrachter eine Art „Grammatik des Raumes“ durch, während er sich mit den Kontrasten von schön–hässlich, hart–weich, hell–dunkel befassen muss. Die „schöne Imperfektion“ ist es, die Mumm tatsächlich sucht und darstellt, die Intimität des Verletzlichen. So geht man am Ende mit der Frage aus dieser Ausstellung heraus, was man wirklich gesehen hat – und was sich in der eigenen Fantasie wie von selbst zusammensetzte.

„Die Vorstellung meiner Hände“ ist bis 15. Juli freitags von 16 bis 20 und samstags von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

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