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Ulm

17.10.2018

Stadtentwicklung: „Ulm hat nach oben keine Grenzen“

Ulm wird weiterwachsen. Doch wie soll sich die Innenstadt entwickeln?
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Wie sollen sich die Stadt und ihr Zentrum entwickeln, wie können die Besonderheiten bewahrt und ausgebaut werden? Eine Gruppe will das erarbeiten und hat große Ziele.

Die Donau, das Münster, die Bundesfestung. So viel einzigartiges. Und so viel Veränderung. Ulm wächst und wächst. Wo soll das hinführen? Das sollen ein Stadtplaner, ein früherer Ortsvorsteher und ein externer Berater in den nächsten Monaten gemeinsam mit den Bürgern erarbeiten. Feste Vorbilder haben sie nicht. Aber ein paar Anregungen aus anderen Städten.

Am Rhein-Ufer in Basel-Kleinhüningen reiht sich Kneipe an Kneipe, am Uferweg tummeln sich bei guten Wetter die Passanten, eine Kulturszene hat sich etabliert. Am Capital Beach am Berliner Spree-Ufer sitzen Touristen mit Cocktails in der Hand. Und in Ulm? Wie wäre es mit einem Sandstrand? Mit zusätzlichen Restaurant-Booten? Oder mit Terrassen, auf denen bei Sonnenuntergang Aperol Spritz serviert wird? Volker Jescheck hat viele Ideen für das Ulm der Zukunft, doch auch andere sollen ihre Vorstellungen einbringen. Der bisherige Chef-Stadtplaner wechselt die Zuständigkeit. Er ist ab 1. Januar 2019 gemeinsam mit Markus Mendler für den Innenstadtdialog zuständig. Mendler war bis vor kurzem Ortsvorsteher der Stadtteile Gögglingen und Donaustetten und leitet inzwischen die Bereiche Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkauf in der Abteilung Liegenschaften.

Innenstadtdialog soll Antworten auf Konflikte finden - und Zukunftslösungen für Ulm

Das Projekt Innenstadtdialog hat Oberbürgermeister Gunter Czisch entwickelt. Jescheck, Mendler und ein externer Berater sollen mit Anwohnern, Händlern und Wirten sprechen und an einer Vision für Ulm arbeiten. Ein Gemeinschaftsgefühl soll entstehen. Und ein Zentrum, das individuell ist und bleibt.

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Leben, Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Erholen. Diese fünf Gebiete wolle man beackern, sagt Mendler. Doch es gibt Konflikte: „Was der eine will, verfolgt der andere gewiss nicht“, sagt der frühere Ortsvorsteher. Da ist zum Beispiel der schwelende Streit zwischen Wirten und Anwohnern. Die einen haben Gäste, die lange im Freien sitzen wollen. Die anderen beschweren sich über den Lärm. Das Problem könne man nicht lösen, glaubt Jescheck. Aber steuern, zum Beispiel mit einer Idee aus Berlin: Dort gibt es sogenannte „Silencer“, die Gäste auf dem Nachhauseweg bitten, leise zu sein.

Wie kann die Ulmer Fußgängerzone noch attraktiver werden?

Es gibt weitere Ansätze: Die Geschäfte in der Fußgängerzone seien wunderbar, die Vielfalt groß, lobt Jescheck. Doch manche Gebäude seien in die Jahre gekommen, die Architektur nicht überall einladend. In einigen Ecken, zum Beispiel in der Glöcklerstraße, habe die Aufenthaltsqualität Luft nach oben. Obwohl es dank der Offenheit der Ulmer und des Gemeinderats innovative Ansätze und gelungene Kombinationen aus als und neu gebe. In der Bundesfestung wird sich spätestens zur Landesgartenschau 2030 einiges verändern. Doch Jescheck und Mendler setzen auch auf kleine Dinge, die sich schnell umsetzen lassen. Zum Beispiel Beete und Blumenschmuck, um Ulm attraktiv zu gestalten. „Ich denke, dass die Leute das auch erwarten“, sagt Mendler zur Notwendigkeit, schnelle Antworten anzubieten. Für ihn ist klar, welchen Weg Jescheck und er gehen müssen: „Richtige Entscheidungen kann man nur vorbereiten, wenn man gut und viel zuhören kann.“

Der Zuzug nach Ulm ist ungebrochen, die Stadt wächst immer weiter. Wie lange kann das gut gehen? Eine Frage, die sich für die Macher des Innenstadtdialogs nicht stellt: Solange die Wirtschaft boome, kämen Menschen nach Ulm. Volker Jescheck sieht darin keinen Nachteil. Das Wohnen könne dichter werden, die Häuser weiter in die Höhe wachsen. Mehr Ulmer bedeuten aus seiner Sicht auch weniger Pendler, die den Verkehr auf im Umland überfordern. Und sie bedeuten eine bessere Auslastung für Busse und Straßenbahnen und größere Chancen für Radwege, für die dann der Bedarf spürbar steigen dürfte. „Ich glaube, Ulm hat nach oben keine Grenzen. Es sei denn, man hat sie im Kopf“, sagt Jescheck.

IHK-Studie zeigt: Baustellen in Ulm schrecken Einzelhandelskunden ab

Baustellen werde es weiter geben. Mit dem Theaterviertel entsteht ein komplettes Innenstadtquartier. Andere Baustellen sind für die Stadt eine Gefahr: Schon jetzt hat eine IHK-Studie gezeigt, dass sie Einzelhandelskunden abschrecken. Wie wird das erst, wenn die Gänstorbrücke und Adenauerbrücke abgerissen und neu gebaut werden?

Die Stadt selbst müsse mehr bieten als andere, sie müsse anders sein, davon sind Mendler und Jescheck überzeugt. Durch die Architektur, durch Sehenswürdigkeiten, durch Geschäfte und Lokale. Klappt das, angesichts von Ketten wie Starbucks, Vapiano oder Hans im Glück? „Den Trend zur Systemgastronomie werden wir nicht aufhalten, Aber es wird immer den guten Italiener um die Ecke und die Individualisten geben“, glaubt Jescheck.

Ulm könnte mehr mit Albert Einstein werben

Bei den Sehenswürdigkeiten setzt er auf Albert Einstein: „Diese Karte spielen wir noch gar nicht. Wir sind die einzige Stadt die sagen kann, er ist hier geboren“, betont der Stadtplaner. Doch Besonderheiten wie Einstein oder das Münster reichen nicht aus, um Leute anzulocken. Davon ist Jescheck überzeugt. „Man geht nicht in eine Stadt, um sich ein Chorgestühl anzusehen“, sagt er. Statt dessen könnten Aktionen ziehen. So wie der verkaufsoffene Sonntag mit Straßenkünstlern und dem Entenrennen für einen guten Zweck. Oder eie besondere Märkte. FWG-Stadträtin Helga Malischewski hat kürzlich einen Fischmarkt für Ulm ins Gespräch gebracht. „Die Stadt lebt davon, dass etwas los ist“, betont Jescheck. Was genau in Zukunft los sein soll, soll der Innenstadtdialog zeigen.

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