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Ulm

11.10.2016

Stimmen, die gewinnen

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Sieger der Herzen wurde die Formation „Unduzo“ – Sängerin Linda Jesse (Zweite von rechts) war kurz vor dem Auftritt noch im Krankenhaus. 
Bild: Dagmar Hub

Beim A-cappella-Award der Stadt Ulm holt ein Ensemble aus Leipzig den ersten Preis. Doch auch andere singen sich in die Herzen des Publikums im Roxy.

Die Stadt Ulm wird Linda Jesse in Erinnerung bleiben. Bis kurz vor ihrem Auftritt beim Wettstreit um den A-cappella-Award 2016 war die Sängerin der Freiburger Band Unduzo im Krankenhaus – mit Verdacht auf einen Hörsturz. Dann trat die Gruppe doch an – und schaffte nicht nur den zweiten Platz, sondern ersang sich vor allem auch die Zuneigung des Publikums im ausverkauften Roxy: Linda Jesse kam noch mit dem Verband der gelegten Zugänge am linken Arm auf die Bühne. Die Sieger des diesjährigen A-cappella-Awards kommen jedoch aus Leipzig: Die fünf Schulmusik-Studenten der Gruppe „Quintense“ hatten ihren ersten gemeinsamen Auftritt erst im vergangenen Jahr und dies im Rahmen einer Prüfung. Die Jury im Roxy krönte den farbigen Auftritt der fünf Newcomer mit dem ersten Preis, dotiert mit 3000 Euro.

Drei namhafte A-cappella-Wettbewerbe gibt es im deutschsprachigen Raum: in Leipzig, in Graz und in Ulm. Insofern hebt ein Sieg bei einem derartigen Wettbewerb in die Crème de la Crème der Vocalensembles. Wie divergent die Szene selbst ist, bewies der fünfstündige Wettbewerb im Roxy. Vom ganz klassischen vierköpfigen Männer-Quartett mit großartigen, geschulten Stimmen und niveauvollen Arrangements bis hin zum hippen Auftritt in Schlabber-Shirts reichte die Bandbreite der sieben teilnehmenden Gruppen. Nicht dabei waren allerdings „Of Cabbages and Kings“, deren Auftritt mit Spannung erwartet worden war. Die Stimmbandentzündung einer Sängerin setzte das Frauenquartett kurz vor dem Wettbewerb außer Gefecht.

Bemerkenswert: Sowohl der Sieg als auch der zweite Preis und der Publikumspreis, dotiert mit 1000 Euro, ging an Teilnehmer, die nach der Pause auf die Bühne kamen. Mag ein Auftritt Stunden vor der Entscheidung ein Wettbewerbsnachteil sein? Vier Hamburger Stimmakrobaten, die sich „Lalelu“ nennen und seit 1995 zusammen auftreten, hatten die Last des ersten Auftrittes im Roxy. Tolle Stimmen und ein witziger Auftritt – „Lalelu“ nahmen in ihren Songs die menschliche Neigung, Zeug anzusammeln, aufs Korn und drehten in ihrer A-cappella-Comedy die Sichtweise auf Migration um; das Publikum bejubelte den Auftritt, bei dem ein „Musungu“, ein eher spöttisches Suaheli-Wort für „weißer Mann“, in Afrika willkommen geheißen wird. Begeisterten Beifall erhielten auch „Die Bogarts“, ein smartes Berliner Männer-Quartett mit klassischer Gesangsausbildung, dessen schräger Humor Volkslieder wie „Wenn ich ein Vöglein wär´“ mit Reinhard Meys „Über den Wolken“ mixt.

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Oldies mit ganz eigenem neuen Anstrich dürften das Erfolgsgeheimnis von „Quintense“ sein, die noch so neu auf dem Markt sind, dass der Entertainer und Moderator Karl-Heinz Helmschrot sie als „Quintessenz“ ankündigte. Den ersten Preis holten sie trotzdem. Sabrina Häckel (Sopran), Katrin Enkemeier (Alt), Carsten Göpfert (Tenor), Jonas Enseleit (Bariton/Beatbox) und Martin Lorenz (Bariton/Bass) sangen eine zeitgenössische Version des Beatles-Songs „Can’t Buy Me Love“; sie kam beim Publikum wie offenbar auch bei der Jury (Musical-Star Henrik Wager, Jazzsängerin Reinette van Zijtveld-Lustig und Marcus Melzwig, Mitglied der Award-Sieger „Muttis Kinder“ von 2013) an und das Lied vom Bass, der selbst kein Solo singen darf, machte Laune.

„Unduzo“ dagegen, ein erfahrenes Freiburger Quintett, das soeben den Hauptpreis beim Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 2016 gewann, erfreute die 700 Zuschauer im Roxy mit temperamentvollen Mitmach-Performances und eigenwilligen Songs – was Patrick Heil, Linda Jesse, Julian Knörzer, Richard Leisegang und Cornelius Mack zu den Publikumslieblingen machte.

Wer noch dabei war: „Die Kinder vom See“ aus Halle, drei sympathische angehende Musiklehrer, „Extraton“ aus München, deren musikalische Leistungen recht unterschiedlich ausfielen, und das Quintett „Sub 5“ aus Hannover, das ebenfalls auf einen Mix aus „Wenn ich ein Vöglein wär‘“ und George Gershwins „I Got Rhythm“ setzte.

„Quintense“, die Sieger des Wettbewerbs, geben am 26. Januar um 20 Uhr im Roxy ein Preisträger-Konzert. Karten gibt es bereits bei Blende 22 in Neu-Ulm, Telefon 0731/6021597, beim Roxy-Ticketservice und unter Telefon 0731/1662177.

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