Newsticker
Bald vier Impfstoffe in Europa? Am 11. März wird über Johnson-Impfstoff entschieden
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Strahlenbelastung in der Müllverbrennung soll rasch gemessen werden

Weißenhorn

28.01.2019

Strahlenbelastung in der Müllverbrennung soll rasch gemessen werden

Im Weißenhorner Müllofen verbrennt auch leicht radioaktiv belastetes Material. Jetzt soll überprüft werden, ob und wie stark die Strahlen die Anlage bereits belastet haben. Im Bild: Thomas Moritz, Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs.

Plus Landrat Thorsten Freudenberger will so schnell wie möglich die Radioaktivität in der Anlage messen lassen. Günzburg erklärt jetzt, warum im Entsorgungsvertrag nichts von Gundremmingen steht.

Belastet der leicht radioaktive Abfall aus dem Kernkraftwerk Gundremmingen die Weißenhorner Müllverbrennung oder nicht? Das soll nun möglichst zügig geprüft werden. Ursprünglich wollte der zuständige Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) die Strahlenbelastung der Schlacke „im Laufe des Jahres“ messen. Doch nach der Aufregung der vergangenen Woche möchte Landrat Thorsten Freudenberger zügiger Klarheit schaffen.

Wie er gegenüber unserer Redaktion ankündigte, soll nun „so schnell wie möglich“ das zuständige Landesamt für Umwelt in und an der Verbrennungsanlage sowie in der Schlacke die Radioaktivitätsbelastung untersuchen. Das habe er noch am Freitag angewiesen, sagte Freudenberger. Einen näheren Zeitpunkt konnte er noch nicht bestimmen, da der zuständige Mann der Augsburger Behörde erkrankt ist. Das verzögert möglicherweise auch die Informationsoffensive des Landkreises.

Viele Gespräche wegen Material aus Gundremmingen

Nachdem vergangene Woche bekannt wurde, dass schon seit gut drei Jahren sogenanntes „freigemessenes“, leicht radioaktives Material aus dem AKW Gundremmingen im Weißenhorner Müllofen landet, sind viele Menschen verunsichert. Wie Freudenberger sagte, habe er am Wochenende viele Gespräche in dieser Angelegenheit geführt. Eigentlich war geplant, alle vorhandenen Fakten zusammenzutragen und sie bei einer Pressekonferenz am Ende der Woche zu präsentieren. Da sowohl der Leiter des AWB als auch der zuständige Mann vom Landesamt krank sind, könnte das die Pläne durcheinanderbringen. Unterdessen sind die beiden Landkreise Neu-Ulm und Günzburg bemüht, die 2015 geschlossene Müll-Ehe nicht zu gefährden.

Ende vergangener Woche hatte etwa der SPD-Kreisrat Herbert Richter die Frage aufgeworfen, ob im Lichte der neuen Erkenntnisse nicht die Zweckvereinbarung mit dem Nachbarkreis infrage gestellt werden müsse. Seiner Ansicht nach hätten die Günzburger die Pflicht gehabt zu informieren, dass auch belastetes Material aus dem AKW nach Weißenhorn komme.

Im Vertrag ist keine Rede von Material aus Gundremmingen

Doch in der 2015 geschlossenen Zweckvereinbarung ist davon keine Rede. Gleich im ersten Paragrafen des Vertrages, der unserer Redaktion vorliegt, steht sehr allgemein, was in Weißenhorn entsorgt werden solle. Da ist die Rede von „brennbaren Siedlungsabfällen“, also Hausmüll, und von „andienungspflichtigen brennbaren produktionsspezifischen Abfällen“, also Gewerbemüll, „soweit diese entsprechend der Anlagengenehmigung gemeinsam mit Siedlungsabfällen im Müllkraftwerk Weißenhorn entsorgt werden können und dürfen“. Im Gegenzug erhält der Landkreis Neu-Ulm die Erlaubnis, „nicht brennbare Siedlungsabfälle und Schlacken“ auf die Hausmülldeponie in Burgau zu kippen. Von freigemessenem Material aus Gundremmingen ist nicht die Rede.

Das Atomkraftwerk Gundremmingen wird nach dem Abschalten abgerissen. Möglicherweise landen Überreste davon in Weißenhorn.
Bild: Bernhard Weizenegger


Warum das so ist, erklärte auf Nachfrage Karl-Heinz Thomann, Sprecher des Landratsamtes Günzburg: „Unserer Auffassung nach war das nicht nötig.“ Bevor die Pyrolyseanlage in Burgau zum Jahresende 2015 geschlossen wurde, hat der Landkreis dort seine Hinterlassenschaften verschwelt, also „thermisch behandelt“, wie es offiziell heißt. Auch freigemessenes Material aus Gundremmingen. Das sei von der Strahlenschutzverordnung gedeckt gewesen. Thomann: „Deshalb konnten wir davon ausgehen, dass das auch für freigemessene Abfälle gilt, die nach Weißenhorn kommen.“

Günzburg will ein "fairer Partner sein"

Da bei der Verschwelung in Burgau kein Unterschied zwischen freigemessenen Stoffen und herkömmlichem Müll getroffen wurde, sei das in der Vereinbarung mit dem Kreis Neu-Ulm auch nicht speziell aufgeführt worden. „Der Vertrag wurde der übergeordneten Behörde vorgelegt“, sagte Thomann, „da kam kein Hinweis, das Material speziell auszuweisen.“ In der Pyrolyseanlage seien zudem keine Radioaktivitätsmessungen vorgeschrieben gewesen. Der Landkreis Günzburg erkenne daher keinen Mangel in der Zweckvereinbarung. Im Grunde genommen habe sich an der thermischen Behandlung des Mülls ja nichts geändert.

Der Günzburger Landrat Hubert Hafner beteuert unterdessen, man wolle den Neu-Ulmern ein „fairer Partner sein“ und habe niemanden betrogen: „Wir spielen mit offenen Karten.“ Ihm sei sehr an einem guten Miteinander gelegen, deswegen würden alle Fakten auf den Tisch gelegt. Günzburg hat ein veritables Interesse, die Müll-Ehe mit Neu-Ulm aufrecht zu erhalten. Der Vertrag läuft noch bis Ende September 2025 und verlängert sich automatisch, falls er nicht fristgerecht gekündigt wird.

Die beiden Landräte Hafner und Freudenberger haben in der Angelegenheit bereits Kontakt aufgenommen, um die Irritationen zu bereinigen. „Die gute Zusammenarbeit soll daran nicht scheitern“, versichert Freudenberger, „wir hatten bisher noch nie Probleme miteinander gehabt“. Nun müsse alles auf den Tisch: „Wir wollen wissen, wie viel Strahlung da drin ist. Eine Gefährdung darf es nicht geben.“

Lesen Sie auch:

In Weißenhorn brennt schon längst Müll aus dem Atomkraftwerk

Strahlender Abfall belastet die Müll-Ehe mit Günzburg

Müll-Ehe: Neu-Ulm liefert Ja-Wort nach

Die Müllehe kann noch nicht vollzogen werden


Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren