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Senden

23.05.2019

Streift ein Wolf durchs Illertal?

Handelt es sich bei dem schäferhundähnlichen Tier, das hier über ein Feld nordwestlich der St.-Florian-Straße bei Senden läuft, um einen Wolf? Mark Wartenberg, der uns dieses Foto geschickt hat, ist fest davon überzeugt.
Bild: Mark Wartenberg

Plus Ein Foto von einem Tier, das ein Jäger bei Senden gemacht hat, gibt Anlass zur Spekulation. So beurteilt das Bayerische Landesamt für Umwelt den Fall.

Am helllichten Tag streunt das schäferhundähnliche Tier durch ein Feld nahe dem Sendener Gewerbegebiet. Graubraunes Fell, heller Schulterfleck, ein dunkler, buschiger Schwanz – der Vierbeiner weist einige Merkmale auf, die einen Wolf kennzeichnen. Doch er ist weit weg vom Fotografen, der Betrachter muss großzügig ins Bild hineinzoomen, um mehr zu erkennen.

Mark Wartenberg hat die Aufnahme aus einem fahrenden Auto heraus gemacht und sie unserer Redaktion zugeschickt. „Wolf in Senden“, schrieb er dazu und nannte weitere Details. Gesehen habe er das Tier von der St.-Florian-Straße aus, auf Höhe der Robert-Bosch-Straße. Die Ackerfläche liegt nordöstlich des Gewerbegebiets im Sendener Norden, dahinter verläuft die B28. Wartenberg ist überzeugt: „Was ich gesehen habe, war kein Hybrid oder Hund. Eindeutig Canis lupus.“ So lautet der wissenschaftliche Name des Raubtiers, das sich seit einigen Jahren auch wieder in Deutschland ausbreitet.

Im Landkreis Augsburg wurde nun ein Wolf nachgewiesen

Am Mittwoch hat das Bayerische Landesamt für Umwelt, wie berichtet, offiziell bestätigt, dass im April ein Wolf bei Biberbach im Landkreis Augsburg ein Lamm tötete. Ein weiterer Verdachtsfall dort wird derzeit überprüft. „Überall in Bayern können Wölfe durchwandern“, teilt eine Sprecherin der Behörde in Augsburg auf Nachfrage mit. Hat das Raubtier jetzt auch den Landkreis Neu-Ulm erreicht?

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Wartenberg glaubt fest daran. Er ist nach eigenen Angaben selbst Jäger und kommt aus dem Herzogtum Lauenburg in der Metropolregion Hamburg. „Dort sind Wölfe mittlerweile keine Seltenheit“, schreibt er. Auch Christian Liebsch hält es für denkbar, dass ein Wolf durch den Kreis Neu-Ulm zieht. Entlang einer Autobahn oder Bundesstraße, wie in dem Fall der B28, die die Querung erschweren, könnte das möglich sein, sagt der Vorsitzende der Neu-Ulmer Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbands.

So sei es auch grundsätzlich möglich, dass das Raubtier in die Nähe einer Ortschaft kommt, sagt Liebsch. Er hat sich das Foto des Tieres bei Senden ebenfalls angesehen. Die Qualität der Aufnahme sei allerdings nicht ausreichend, um eine sichere Aussage darüber treffen zu können, ob es sich um einen Wolf handelt, teilt er mit. Und: „Es gibt meines Wissens zum aktuellen Zeitpunkt keine weiteren Sichtungen oder Hinweise auf einen Wolf in unserer Gegend.“

Das Raubtier kann Nutztieren gefährlich werden

Tatsächlich findet sich auch in der Datenbank des Landesamts für Umwelt noch kein Nachweis eines Wolfes im Landkreis Neu-Ulm. In anderen Regionen des Freistaats hingegen konnten seit 2006 mehrfach einzelne Tiere nachgewiesen werden, im Regelfall durchwandernde Wölfe. Dies gelang zumeist über Genetik und Speichel, häufig aber auch durch Fotos. Dauerhaft hält sich ein Rudel nach Angaben der Behörde im Nationalpark Bayerischer Wald und eines im Veldensteiner Forst in Oberfranken auf. Zudem lebt ein Pärchen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz und eine standorttreue Wölfin hält sich in der Rhön im Norden Bayerns auf.

Experten des Landesamtes haben sich auf Nachfrage unserer Redaktion auch das bei Senden aufgenommene Foto angeschaut. Wie der Vorsitzende des Kreis-Jagdverbands sagen auch sie, dass die Qualität der Aufnahme nicht ausreiche, um zu einem eindeutigen Urteil zu kommen. Der Fall werde als nicht bestätigter Hinweis eingestuft, sagt eine Sprecherin der Behörde.

Nachweisliche Besuche von Wölfen in Bayerisch-Schwaben gab es im Jahr 2018 in den Kreisen Donau-Ries, Ober- und Ostallgäu, 2016 im Unterallgäu. Offiziell bestätigt ist auch das Tier, das sich jüngst im Donautal im Kreis Sigmaringen in Baden-Württemberg blicken ließ. Fachleute betonen, dass ein Wolf von Natur aus vorsichtig sei und dem Menschen ausweiche. Doch anderen Tieren, insbesondere auch Nutztieren, kann er gefährlich werden. Deshalb hat das Bundeskabinett am Mittwoch großzügigere Abschussregeln genehmigt.

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