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Technik

09.02.2018

Streit um Telefunken-Schätze geht weiter

Vor einer Woche sind die Telefunken-Exponate im Nersinger Ortsteil Straß abgeholt worden.
Bild: Gottfried Bergmann

Der Freundeskreis des ehemaligen Museums will den Bestand selbst begutachten. Die Stadt Ulm hat das bereits getan

Ein anonymer Hinweis, der offenbar aus dem Umfeld der Firma Hensoldt an die CDU-Fraktion im Ulmer Gemeinderat ging, lässt Ungutes befürchten: Zum Jahreswechsel seien drei 40-Kubikmeter-Container der im Donautal ansässigen Entsorgungsfirma Remondis vom Firmengelände abtransportiert worden, jetzt folgten zwei weitere Container mit teils kompletten AEG-Telefunken-Geräten und Empfängern. Remondis hatte in der vergangenen Woche auch die nach Nersingen verbrachten Teile der AEG-Telefunken-Sammlung entsorgt. Später war bekannt geworden, dass sich in einem der Exponate ein Krypto-Modul befunden hatte.

Der Freundeskreis des ehemaligen Museums Radar und Funk, das sich bis kurz vor der Übernahme von Airbus Defence and Space durch den Investor KKR auf dem Firmengelände in der Ulmer Wörthstraße befunden hatte, fordert jetzt von der Stadt Ulm und von der Denkmalpflege, die Experten des Freundeskreises zu einer Sichtung dessen hinzuzuziehen, was noch von den Beständen des einstigen Museums Radar und Funk übrig ist. Die Nachfolgefirma Hensoldt kenne die frühere Ausstellung nicht und auch nicht die technischen und historischen Zusammenhänge, so Fritz Arends, einer der Männer, die das Museum aufgebaut und betreut hatten. Ein Handeln an den Experten vorbei sei ein „Foulspiel“. Für den Fall der Entsorgung von als Kulturgut geschützten Geräten behalte man sich strafrechtliche Schritte vor.

Die Stadt Ulm gab gestern Nachmittag eine Pressemitteilung heraus: Aus Expertensicht schmälern die entsorgten Sammlungsteile nicht den Denkmalwert, so der Inhalt. Die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Ulm habe am Mittwoch zusammen mit Dr. Michael Hascher, dem für die Industrie- und Technikdenkmalpflege zuständigen Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege aus Esslingen, im Donautal die zur Entsorgung anstehenden Container mit Sammlungsgut der AEG/Telefunken-Sammlung, das zuvor provisorisch in Nersingen untergebracht war, besichtigt. Außerdem wurden die auf dem Gelände der Firma Hensoldt verbliebenen Teile der Sammlung von dem Experten angeschaut.

Als Ergebnis des Vor-Ort-Termins stellten Landesamt und Stadt fest: Der größere, 2016 als denkmalwürdig erkannte Teil der Sammlung befinde sich weiterhin bei Hensoldt in der Wörthstraße. Von den zwischenzeitlich nach Nersingen ausgelagerten Teilen seien die Objekte mit Denkmalwert wieder auf das Werksgelände der Firma Hensoldt zurückgebracht worden. Und weiter: „Der Entsorgung zugeführt wurden – soweit erkennbar – nur Teile, die nicht zum Denkmalwert der Sammlung beitragen.“

Seitens der Firma Hensoldt sei der weitere Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden Teile zugesichert worden. In einem nächsten Schritt solle der vorhandene Gerätebestand unter Federführung des Landesamtes für Denkmalpflege detailliert erfasst, bewertet und dokumentiert werden. Die im Besitz der Firma Hensoldt befindliche Sammlung „Radar und Funk“ besitze eine hohe technikgeschichtliche Bedeutung. Den Kern der Sammlung bilden demnach Funk- und Radargeräte, die bei Telefunken in Ulm entwickelt und produziert wurden. Dieser Teil wurde als „bewegliches Kulturdenkmal“ im Sinne des Denkmalschutzgesetzes unter Schutz gestellt. Hinzu kommen weitere Teile wie historische Bilder, Messgeräte oder Ersatzteile, die eine didaktisch sinnvolle Ergänzung des Bestandes bilden, selber aber keinen eigenen Denkmalwert besitzen, heißt es.

Für den denkmalwerten Teil der Sammlung sei der Eigentümer zur Erhaltung verpflichtet. Für die Teile ohne eigenen Denkmalwert könne hingegen eine Erhaltung auf der Grundlage des Denkmalschutzgesetzes nicht gefordert werden, ebenso wie auch eine Präsentation der Sammlung für die Öffentlichkeit nicht verlangt werden kann, „auch wenn beides aus Sicht der Stadt sicher wünschenswert wäre“, wie Helmut Kalupa, verantwortlich für das Thema Denkmalschutz bei der Stadt Ulm, sagt. (köd, az)

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