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Ulm/Krumbach

09.12.2020

Suizid nach Reichsbürger-Ermittlungen: Hat der Geheimdienst Fehler gemacht?

Hat der Militärische Abschirmdienst bei der Razzia in Ulm Fehler gemacht?
Bild: picture alliance / dpa

Plus Bei einer Bundeswehr-Behörde in Ulm wird wegen Reichsbürger-Verdachts ermittelt. Ein Mitarbeiter nimmt sich das Leben, den der Geheimdienst hätte wohl beschatten sollen.

Die Razzia am vergangenen Mittwoch bei einer Geräteprüfstelle der Bundeswehr auf dem Gelände der Ulmer Rüstungsfirma Hensoldt hat offenbar ein Nachspiel.

Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel am Mittwoch auf seiner Homepage berichtete, müsse sich die Chefin des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), Martina Rosenberg, am Mittag vor dem Bundestagsgremium zur Kontrolle der Geheimdienste erklären. Dabei gehe es um mehrere „Ungereimtheiten und Pannen“, die die Aktion begleitet hätten.

Acht zivile Mitarbeiter der Bundeswehr – tätig bei der Ulmer Geräteprüfstelle des Beschaffungsamtes - stehen im Verdacht, als „Reichsbürger“ die deutsche Verfassung abzulehnen. Sie wurden suspendiert.

Schon vor der Reichsbürger-Razzia gelangen Informationen des MAD offenbar an eine Journalistin

Laut dem Magazin seien aber schon vor der Razzia Informationen seitens des MAD, dem Militär-Geheimdienst mit Sitz in Köln, über die bevorstehende Aktion an eine Journalistin durchgestochen worden. Das werfe Fragen auf.

Außerdem würden die Geheimdienst-Aufseher wissen wollen, wie es passieren konnte, dass sich der ebenfalls verdächtige 63 Jahre alte Leiter der Geräteprüfstelle umbrachte. Quasi unter den Augen des MAD. Nach Bekanntwerden den Razzia hatte er sich auf dem Gelände einer Krumbacher Klinik erschossen, offenbar mit der eigenen Waffe. Und das, obwohl er laut Spiegel zu dieser Zeit eigentlich vom MAD beschattet worden sein soll.

Auch die detaillierte Pressemeldung über die Aktion, die das Verteidigungsministerium am Abend herausgab, und durch die der Leiter der Dienststelle möglicherweise identifizierbar gemacht worden sei, sei Gegenstand der Befragung der MAD-Chefin.

Suizid in Krumbach: Ermittlungen stehen vor dem Abschluss

Wie berichtet, soll der Krumbacher, der als gesellig galt und in vielen Vereinen aktiv war, eine Art Doppelleben geführt haben. Im Verborgenen gehörte der waffenaffine Ex-Soldat laut Ermittlungen einem Netzwerk an, das den deutschen Staat ablehnt.

Die Ermittlungen rund um seinen Tod stehen derweil vor dem Abschluss. Wie die Staatsanwaltschaft Memmingen mitteilte, könne ein Fremdverschulden ausgeschlossen werden. Damit endet die Beteiligung der Polizei an dem Fall. Eine Aufarbeitung der Hintergründe des Suizids sei nicht Aufgabe der Ermittler vor Ort, erklärt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Dies sei wiederum Sache des MAD. Und hier gibt es weiter keine konkreten Auskünfte zu dem Fall.

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