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Konzert

29.01.2013

Tango setzt Bill-Bar unter Hochspannung

Akkordeonist Martin Wagner – zwischen Virtuosität und Melancholie.
Bild: Bluhm

Trio Tango Transit bringt im Zentrum HfG das Publikum in Wallung

Ulm Man durfte sich wundern und staunen. Bei einer „Langen Nacht des Tango“ in der Cafeteria der Hochschule für Gestaltung bewunderte man einen Ulmer Baubürgermeister Alexander Wetzig, der aus seiner Begeisterung für die argentinische Spielart des Tanzes keinen Hehl machte. Als einsamer Eintänzer huschte er Gigolo-gleich im eleganten schwarzen Anzug und weißem Hemd übers Parkett, während sich um ihn herum die Paare um die richtigen Tango-Schritte mühten. Die HfG wurde zu einer Milonga, wie man eine Tanzkneipe in Buenos Aires nennt. Eingebettet in den Tango-Tanzlehrabend war das Konzert eines Trios, das furios zu neuen Ufern aufbricht.

Im Vergleich zu diesem Feuerwerk, das die Instrumentalisten in der ungewöhnlichen Akkordeon-Kontrabass-Schlagzeug-Besetzung abzogen, hörten sich die nostalgischen Tango-Standards, die zuvor und danach aufgelegt wurden, wie olle Kamellen an. Astor Piazolla war es, der Mitte des 20. Jahrhunderts den Zuhältertanz Argentiniens wieder ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit gerückt hatte: Er holte diese ungemein melancholischen Melodienreigen mit seinem Bandoneon von der Straße in die Konzertsäle und komponierte eine klassische Variante, die weit mehr war als Tanzmusik. Doch heute heißt es nicht mehr „tango meets classic“, sondern „jazz meets classic“. Die Improvisationsmusik hat sich der argentinischen Musik bemächtigt, in diesem Sinne haben sich die Musiker Martin Wagner (Akkordeon), Hanns Höhn (Kontrabass) und Andreas Neubauer (Schlagzeug) auch „Tango Transit“ benannt und entfachen seit 2008, wo die ersten Aufnahmen entstanden, regelrechte Begeisterungstürme unter den Freunden des Jazz und des Tango gleichermaßen.

Mittlerweile werden die drei Hochkaräter als eine der interessantesten Musikformationen Europas gehandelt, die, wie in der Cafeteria der HfG, in ihrer musikalischen Expressivität und Emotionalität aufgehen können. Das begeisterte Publikum – rund hundert Gäste – nötigte den glücklich erschöpften Musikern nach einem zweistündigen Hochspannungskonzert noch zwei Zugaben ab. Mehr ging nicht.

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Bunte Melange auf höchstem Niveau

Bei „Tango Transit“ kann man bestaunen, wie kompatibel diese Musik ist: Sie lässt sich verbinden mit Balkanklängen, Klassik, Jazz, amerikanischer, orientalischer Volksmusik, wenn man das Niveau und Temperament dieser Musiker hat. Akkordeonist Martin Wagner brauchte nur mitten im Walzer oder Musette sein Instrument elegisch lang ziehen – und schon stellte sich die typische Tango-Melancholie wieder her. Nicht umsonst heißt das neueste Album dieser Ausnahmemusiker „Blut“. Blut verbindet, ist der Träger der Lebenskraft, fließt und pulsiert wie diese Musik des Trios. Globalisierung ist das Schlagwort unserer Zeit. Längst hat sie auch – in positiver Hinsicht – die Musik erfasst.

In diesem Sinne kann man Akkordeonist Wagner, der alle Stücke auf seinen vielen Reisen selbst geschrieben hat, in einem Atemzug mit dem Filmkomponisten und Oscarpreisträger Gustavo Santaolalla („Babel“) nennen, der nach dem gleichen Rezept vorgeht, aus den besten Zutaten der musikalischen Welt eine Melange zu komponieren, die auf höchstem Niveau die Zuhörer unterschiedlichster Vorlieben für sich einnimmt.

Die Hochschule für Gestaltung hatte einst für viele Sternstunden der Kreativität zu bieten. Mit diesem radikal-emotionalen Konzert von Tango Transit kam eine weitere dazu. Zu verdanken hat man dieses Erlebnis dem rührigen Verein Kunstwerk, der Volkshochschule und dem Verein Donautango.

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