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Prozess

23.04.2015

Tankstellenräuber nach 21 Jahren verurteilt

Sein halbes Leben flüchtete der Mann, der mit zwei Komplizen einen Laden in Senden überfallen hat. Jetzt erhielt er eine Bewährungsstrafe. Ein ungewöhnlicher Fall

21 Jahre lang war er auf der Flucht – jetzt hat die Polizei den Tankstellenräuber von Senden geschnappt, das Landgericht Memmingen ihn verurteilt. Maskiert mit Halstuch im Gesicht und mit Pistole in der Hand machten sich der damals 21-Jährige und seine zwei Komplizen am 25. Januar 1994 auf zur DEA-Tankstelle in der Sendener Haydnstraße. Während die beiden anderen kurz nach der Tat erwischt und dem Richter vorgesetzt wurden, dauerte es beim dritten im Bunde eine ganze Weile.

Er war damals der Fahrer des Fluchtwagens. Weil ihm offenbar die Sache mit der Flucht an diesem Januarabend 1994 ganz gut gefallen hatte, hat der junge Mann damit gleich weiter gemacht: Nachdem die Polizei alle drei Täter drei Monate nach dem Raubüberfall fasste, wurden sie in Untersuchungshaft genommen. Kurz vor der Gerichtsverhandlung seien alle freigelassen worden, teilt ein Sprecher des Landgerichts Memmingen mit. Während die beiden 19-jährigen Haupttäter brav zur Verhandlung erschienen sind, ist der Dritte geflüchtet – in die Türkei, wo er seitdem offenbar ein Café betrieben hatte. Von dort aus habe er sich immer wieder über den Stand der Ermittlungen in Deutschland informiert.

Wie sich gestern bei der Verhandlung herausstelle, war der Geschäftsmann für Filmproduktionen außerdem im Ausland unterwegs: Das wurde ihm im Januar zum Verhängnis. Denn was der heute 42-jährige Türke nicht wusste: In ganz Europa wurde er per Haftbefehl gesucht.

In Ungarn erwischte ihn schließlich die Polizei und lieferte ihn an Deutschland aus, wo er gleich einige Wochen in der Zelle verbringen durfte – bis gestern: Richterin Brigitte Grenzstein verurteilte den Mann, der sich nach 21 Jahren geständig zeigte, zu zwei Jahren Haftstrafe auf Bewährung. Zwar habe er die nicht funktionstüchtige Gaspistole beigesteuert, mit der seine Komplizen die Tankstelle mit den Worten „Geld her – oder ich drück ab“ stürmten, und die Flucht ermöglicht. Aber der Türke habe dennoch nicht den Hauptbeitrag zum Überfall geleistet und bereits neun Monate Zellenluft geschnuppert.

In Deutschland darf sich der Mann, der sein halbes Leben lang geflüchtet ist, die nächsten Jahre also nichts mehr zuschulden kommen lassen. Das wird für den Café-Betreiber, der eine Wohnung in der Türkei als Lebensmittelpunkt angab, nicht besonders schlimm sein.

Nach Ungarn darf der 41-Jährige nun auch wieder reisen. Einen Trip dorthin hätte er auch ohne Prozess in einem halben Jahr wieder unternehmen dürfen, denn dann wäre die Sache verjährt gewesen, der Haftbefehl erloschen.

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