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Ulm

03.01.2018

Tanzperformance: Warten mit Tom Waits

Zum Song „Ice Cream Man“ des US-amerikanische Folk-Sängers Tom Waits swingen die Tänzer über die minimalistisch aufgebaute Bühne.
Bild: Felix Oechsler

Die Strado Compagnia Danza erzählt im Ulmer Stadthaus von Momenten des Innehaltens – die bisweilen erstaunlich impulsiv wirken.

Sie drängeln, sie schubsen einander und machen mit einem Räuspern auf sich aufmerksam. Schlange stehen – ob an der Supermarktkasse oder dem Kinoschalter – ist nicht nur profan, sondern von vielen Menschen verhasst. Die Strado Compagnia Danza verleiht in ihrer herausfordernden, aber durchweg unterhaltsamen Performance „Tom Waits – Tom wartet“ im Stadthaus dem vermeintlich unsinnigen Verharren zumindest tänzerisch einen Sinn.

Denn weswegen die sechs Tänzer in der Schlange stehen, das wird den Zuschauern nicht ganz klar. Sehnsüchtig blicken sie etwas entgegen. Episodenhaft erzählt Choreograf Domenico Strazzeri über das Warten. Was die einzelnen Szenen zusammenhält, ist die Musik von Tom Waits. Der US-amerikanische Folksänger mit der rauen Stimme liefert nicht nur das Gros der Melodien sowie das Grundthema der Performance – vor allem vermittelt seine Musik eine Atmosphäre.

Trotz des minimalistischen Bühnenbilds, bestehend aus beweglichen, weißen Quadern vor schwarzem Hintergrund (Bühne: Katrin Strazzeri), kann sich der Zuschauer vorstellen, welche abstrakte und entrückte Welt Waits besingt. So befindet sich der Zuschauer in einer verrauchten Kneipe, wenn das melancholische „Ol’ 55“ erklingt, während liebestrunken zwei Tänzer sich zur Musik wiegen und schwingen.

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Kurz darauf entführt die Strado Compagnia Danza das Publikum in ein Kabinett der Kuriositäten. So erscheint Tänzerin Hanna Münch in doppelter Größe mit einem langen Glitzerkleid, dunklem Zylinder auf dem Kopf und Megafon in der Hand. Sie schlendert um die zu Türmen hochgestapelten Quader und rezitiert den Liedtext von „Waltzing Matilda“ alias „Tom Traubert’s Blues“. Während Münch auf Stelzen stolziert, wackelt Tänzerin Ines Meißner auf Knien auf die Bühne. Durch einen langen schwarzen Pelzmantel wird ihre eigentliche Größe überspielt.

Zum Ende der mehr als einstündigen Performance verwandelt sich die Bühne immer mehr in eine Traumwelt mit zwielichtigen Charakteren und schlüpfriger Kleidung (Kostüme: Christina Schlumberger). So trägt Tänzerin Katherina Krummenacher unter ihren langen, fransigen Morgenmantel drei hautfarbene Büstenhalter, die um ihren Oberkörper geschnallt sind. Übertriebenes Make-up, animalischer Tanz, zerzaustes Haar: Je länger die Performance, desto ungestümer und bizarrer wird der Tanz.

Am Ende ernten die Tänzer und der Choreograf lang anhaltenden Beifall. Strazzeri äußert sich danach mehr als zufrieden: „An Ihrem Applaus erkenne ich: Ulm ist bereit für so etwas Schräges wie Tom Waits.“

Termine und Tickets Die nächsten Aufführungen finden von Donnerstag, 4. Januar, bis Sonntag, 7. Januar, sowie von Mittwoch, 11. Januar, bis Sonntag, 14. Januar, statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Reservierungen sind unter der Telefonnummer 0172/6779984 möglich. Im Vorverkauf gibt es Tickets am Katalogstand im Stadthaus (Ebene 3) und bei Traffiti im Service-Center Neue Mitte.

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