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Pfaffenhofen

12.02.2018

Tatort-Ermittler in Pfaffenhofen

Bond-Girl, Miss Marple, Sherlock Holmes und Emma Peel (von links) als ermittelnde „Rohrspatzen“: „Kopflos im Boden, das können nur Markträte sein.“
Bild: Willi Baur

Der Liederkranz Pfaffenhofen unterhält das Publikum an drei bunten Abenden mit viel schwarzem Humor. Die „Rohrspatzen“ schimpfen schonungslos. 

Eigentlich ist die Namensgebung viel zu bescheiden. Das, was der Liederkranz Pfaffenhofen als „Bunten Abend“ betitelt hatte, war tatsächlich eine fast dreistündige Bühnenrevue. Deren Motto lautete diesmal „Tatort Pfaffenhofen“. Drei Mal in Folge genoss ein begeistertes Publikum im weitgehend ausverkauften Martinushaus beste Faschingsunterhaltung, mit viel schwarzem Humor als rotem Faden gewissermaßen.

Tote und Leichen jedenfalls gab es reichlich in der gleichwohl quicklebendigen Schau. Den echten Bühnentod indes starb nur der böse Igor in der James Bond-Parodie, mit der eine Nachwuchsgruppe die Bühne eroberte. Eine Kugel aus dem zweckentfremdeten Kuli des Geheimagenten beendete in der Hotelbar jäh das Leben des Bösewichts, noch vor dem Griff zum Cocktail.

Das Ableben weiterer Figuren vollzog sich derweil vorzugsweise in gesungener oder detailliert beschriebener Form. Gleich von vier, auf diverse Art untreuer Ehemänner, hatte sich ein Witwen-Quartett entledigt, auch dies auf höchst individuelle Weise: Mit dem Küchenmesser etwa oder einem Wurstsalat mit Zyankali. Die Folgen besangen die Frauen mit Inbrunst: „Wieder einmal sind wir zu haben.“

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Ganz andere Sorgen plagten den Fußballfan samt Kumpel auf der Haupttribüne, räumlich getrennt durch eine freie Sitzschale. Die traurige Erklärung: Des einen Frau war Tage zuvor verstorben. Zum Bedauern des anderen: „Schade um die teure Dauerkarte.“ Und kurzfristiger Ersatz war auch nicht möglich: „Die sind alle bei der Beerdigung.“

Völlig unblutig dagegen endete der Auftritt des ziemlich tollpatschigen Bankräubers. Der eroberte zwar in einem furios-frivolen Dialog das Herz der einsamen Schalterdame, entschied sich letztlich aber doch lieber für die Kohle. An Geld mangelte es wiederum dem mittellosen Musikanten, der als „stummer Angeklagter“ vor den Richter treten musste. Das Delikt: Schuldig gebliebene Alimente. Seine Antworten lieferte er mittels Akkordeon in Form passender Liedtitel – für das Publikum eine willkommene Gelegenheit zum Mitsingen.

Somit war bei der Premiere am Freitag bereits zur Pause klar: Der Abend würde nahtlos an Niveau und Erfolge früherer Jahre anknüpfen. Seit sieben Jahrzehnten schon gestalte der Liederkranz damit den Höhepunkt des Pfaffenhofener Faschings, sagten die Vorsitzende Erika Baur und ihre Stellvertreterin Stephanie Uhl, erfreut. Dies nicht zuletzt der traditionellen Haupt- und Schlussnummer wegen, in der die „Rohrspatzen“ schonungslos lokale Vorkommnisse aufbereiten.

Die sieben namhaften Protagonisten aus rund 100 Jahren Kriminalgeschichte taten sich schwer bei der Spurensuche, die sie letztlich zu allen relevanten „Tatorten“ des Marktgeschehens führte, vom „Pfropf im Birkenweg“ über die „Taverne“ bis zur „Neuen Mitte Diepertshofen“ samt „Sommerrodelbahn“ und vermeintlicher „Viehtränke“ mit ihren namenlosen „Blechkühen“. Einig waren sich die Ermittler bei der Identifizierung der bis zur Hüfte kopfüber im Pfaffenhofener Mutterboden steckenden „Toten“: „Beide kopflos, das können nur Markträte sein.“ Auch die letzte Mahlzeit des Duos war schnell analysiert: Schnitzel mit Soße vom Büffet im Sportheim, verraten von Spuren an „Riches“ legendärer Soßen-Gießkanne.

Womit die Satiriker endgültig das Kapitel Wehmut aufgeschlagen hatten. „Eine Ära ging zu Ende“, erinnerten sie an den langjährigen Pächter. Dazu: Kein Marktfest mehr und die Kultur verlässt das Dorf („Brett im Schtoi“). Damit nicht genug des Ungemachs: Auch Bauwillige und Fußballer ziehe es vermehrt nach Beuren, beklagten die „Rohrspatzen“. „Nur den Scheißdreck pumpen sie bald zu uns rüber.“ Mittels Druckleitung zur örtlichen Kläranlage nämlich.

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