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Ulm

16.07.2018

„The Armed Man“: Vier Länder, ein großartiges Werk

Beeindruckender Chor, beeindruckende Solisten. Dirigent Thomas Kammel und seine Musiker schafften in der Pauluskirche Großartiges.
Bild: Dagmar Hub

Karl Jenkins’ Antikriegs-Oratorium „The Armed Man“ vereint Präzision und Gefühl. Der musikalische Leiter Thomas Kammel setzt eine wunderbare Idee um.

Karl Jenkins’ im Jahr 2000 uraufgeführte Friedensmesse „The Armed Man“ gehört zu den beliebtesten Kompositionen der Gegenwart. Die Aufführung des Antikriegs-Oratoriums in der Pauluskirche war nicht die erste an dem Ort, der einst eine Militärkirche war – aber Thomas Kammel als musikalischer Leiter der Aufführung schaffte Unvorstellbares: „The Armed Man“ war zugleich Festkonzert zum Ende des Donaufestes und zum Abschluss der Landesschulchortage Baden-Württemberg.

Kammel formte aus den Chören von vier Gymnasien aus vier Ländern innerhalb von drei Tagen einen großartigen Chor, der mit Präzision und Emotionalität auftrat und das Publikum in der ausverkauften Pauluskirche zu Beifallsstürmen brachte. Die Ulmer Philharmoniker agierten unter Kammels Dirigat stark, vor allem im Ausdruck der zornigen Passagen des Werkes.

Friedensmesse mit Musikern aus vier Ländern

Welch eine Idee zur Aufführung einer Friedensmesse: Nicht nur der große Chor setzte sich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen von vier Chören aus den Donauanrainerstaaten Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien zusammen. Sogar die Solisten des Werkes waren Schüler und Studenten – allerdings musikalisch so erfahrene wie Cosima Kammel, die in Ulm studiert. Auch die anderen Gesangssolisten – mit Ausnahme des islamischen Vorbeters Mahmut Ünlüturk – kamen aus dem von Thomas Kammel geleiteten Kammerchor des Heidenheimer Schillergymnasiums.

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Jenkins’ Friedensmesse lebt aus der Emotionalität der 13 Teile, die den Zuhörer unmittelbar erreicht: Der französische Eingangs-Chorsatz „The Armed Man“ stammt als Soldatenlied aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und macht mit seinen Trommeln und Pfeifen und dem militärischen Marsch-Stampfen die Bedrohung durch Krieg körperlich spürbar. Jenkins mischte für sein Friedens-Oratorium lateinische und griechische Teile einer Mess-Liturgie mit dem islamischen Gebetsruf Adhaan sowie mit biblischen und literarischen Passagen zu Krieg und Frieden. Dazu gehören Rudyard Kiplings Ende des 19. Jahrhunderts verfasster „Lobgesang vor der Schlacht“ und das von vier Solisten interpretierte „Angry Flames“ von Toge Sankichi, eines Augenzeugen des Atombomben-Abwurfs auf Hiroshima, der später an Leukämie starb und der die entsetzlichen Szenen nach der Bombardierung der Stadt in Worten festhielt.

Eine der bedrückendsten Szenen ist das „Torches“, ein Stück aus dem etwa 2000 Jahre alten indischen Mahabharata-Epos, das die Schmerzen von Tieren schildert, die in einer Schlacht zwischen zwei verfeindeten Familien zu lebenden Fackeln werden. Die Selbstvorwürfe eines überlebenden Soldaten beschreibt Guy Wilsons nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstandenes „Now the Guns have Stopped“. Aus fast 2000 Jahren Ringen um die Erkenntnis „Better is Peace“ stammen die Texte des abschließenden Chorsatzes, der Alfred Lord Tennysons „Bitte läutet ein tausend Jahre Frieden“ enthält.

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