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Ulm

23.02.2019

Theater Ulm feiert mit dem neuen Spielplan sein Zuhause

Das Führungsteam fühlt sich wohl in seinem Bau: (von links) Chefdramaturg Christian Katzschmann, Ballettdirektor Reiner Feistes, Schauspielchef Jasper Brandis, Generalmusikdirektor Timo Handschuh, Intendant Kay Metzger, Vize-Verwaltungsdirektor Robert Mauch und Theaterpädagogin Charlotte Van Kerckhoven.
Bild: Andreas Brücken

Zum 50. Geburtstag wird beim Theater Ulm in der Spielzeit 2019/20 mit Uraufführungen und Publikumslieblingen geklotzt. Ein bekannter Regisseur kehrt zurück.

Es hat sich sicher schon schlechter angefühlt, Intendant des Theaters Ulm zu sein. Im der jüngsten Sitzung des Ulmer Kulturausschusses erntete Kay Metzger von den Räten geradezu euphorisches Lob für seine bisherige Arbeit. „Die Suchtgefahr steigt dramatisch“, fand etwa Thomas Kienle (CDU), Helga Malischewski (Freien Wähler) prophezeite dem Intendanten, dass er am Ende seiner ersten Spielzeit „das ganz große Vertrauen der Ulmer gewonnen“ haben werde. Aber eigentlich war Metzger nicht wegen der aktuellen, sondern wegen der kommenden Saison gekommen, die im Zeichen eines Jubiläums stehen wird: Das Eröffnung des Theatergebäudes von Fritz Schäfer jährt sich dieses Jahr zum 50. Mal.

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Es werde deswegen „eine besondere Spielzeit“ hatte Metzger vor der Sitzung in einem Pressegespräch versprochen. Wegen des Jubiläums hatte die Baden-Württemberg-Stiftung dem Theater einen Zuschuss von 80000 Euro gewährt, der sich nun im Programm niederschlägt. So stehen 2019/20 insgesamt sieben Uraufführungen im Theater an. Gleich zwei davon, beide im Schauspiel, stehen in Zusammenhang mit einem anderen Jubilar: Albrecht Ludwig Berblinger, dessen 250. Geburtstag 2020 begangen wird. Das Theater legt vor – mit zwei Auftragswerken. Ulf Schmidt arbeitet für das Große Haus an einem „Schneider von Ulm“-Stück, John von Düffel für das Podium an einer Version des „Ikarus“-Stoffes. Sonst bietet das Schauspiel eine Mischung aus Mutigem im Podium (unter anderem Elfriede Jelineks „Am Königsweg“) und Bewährtem im Großen Haus („Der zerbrochne Krug“). „Diskurs und Unterhaltung“, nennt Chefdramaturg Christian Katzschmann diesen Spagat.

"My Fair Lady" wird vom Theater Ulm wieder aufgenommen

Eröffnet wird die Spielzeit aber vom Musiktheater am 26. September mit „Fidelio“ – auch Beethoven hat 2020 seinen 250. Geburtstag. Für die Inszenierung zeichnet ein großer Name des deutschen Theaters verantwortlich, der von 1981 bis 1985 in Ulm wirkte: Dietrich Hilsdorf. Dessen Verpflichtung sei, so Intendant Metzger, „eine Reverenz an die Geschichte des Theatergebäudes“ – und erst durch den Sonderzuschuss aus Stuttgart „leistbar“. Die andere quotenträchtige Position im Musiktheater ist Verdis „Rigoletto“. Eine Opernrarität steht 2020 auf dem Programm: die Uraufführung der Oper „La Légende de Tristan“ des vor allem für seine Orgelwerke bekannten Franzosen Charles Tournemire (1870-1939). Metzger will mit dieser Inszenierung auch andere Theater neugierig machen und hofft deswegen auch auf eine CD- und DVD-Aufnahme der vergessenen Oper, die er für ein „Meisterwerk“ hält.

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Eher die breite Masse ansprechen dürfte die – vom Schauspielensemble bestrittene und von Schauspieldirektor Jasper Brandis inszenierte – Musicalproduktion der neuen Spielzeit haben: „La Cage aux Folles (Ein Käfig voller Narren)“. Eine gute Nachricht für Freunde des Genres dürfte auch sein, dass der „My Fair Lady“ im kommenden Sommer wiederaufgenommen wird. „So eine Produktion muss drei, vier Jahre auf dem Spielplan stehen“, findet Metzger. Möglich sei dies aber nur, weil ein Unternehmer kostenlos Lagerkapazitäten zur Verfügung stellt.

Es kommen mehr Zuschauer ins Theater Ulm

Vor einem Kraftakt steht das Tanztheater, das in der kommenden Saison gleich vier Stücke stemmt. Zum Start lässt Spartendirektor Reiner Feistel als Choreograf zwei Frauen den Vortritt: Die Chinesin Noel Pong und die Italienerin Beatrice Panero, bis 2018 selbst Tänzerin in Ulm, gestalten den Abend „Faces of Love“. Das Ballettchef selbst kümmert sich im Großen Haus um „Ein Sommernachtstraum“. Wieder aufgenommen wird im Podium „Der kleine Prinz“, dessen Vorstellungen in der aktuellen Saison bereits komplett ausverkauft sind.

Zweifellos: Es läuft derzeit gut im Theater Ulm, der Intendant verzeichnet nicht nur Zuschauerzuwächse, sondern spürt auch „große Sympathie“. Entsprechend will das Haus auch weiter auf die Bürger zugehen, mit Produktionen außerhalb des Hauses (unter anderem im Museum Ulm und Kunsthalle Weishaupt), mit der Bürgerbühne, bei der Laien mit Profis arbeiten können, aber auch mit Aktivitäten jenseits der üblichen Theaterarbeit. So sollen in der kommenden Spielzeit nicht nur die begonnenen Lesereihen in der Stadt weitergehen, anlässlich des Theatergeburtstags ist am 15. Februar 2020 auch ein großer Theaterball geplant, unter anderem mit Moderatorin Amelie Fried und einer besonderen Darbietung der „Drei Ulmer Tenöre“. Die Veranstaltung ist laut Chefdramaturg Katzschmann „sehr opulent geplant“ und soll ein „gesellschaftliches Ereignis“ werden.

Das Programmheft zur Spielzeit 2019/20 soll zur Premiere von „Der fliegende Holländer“ am 21. März fertig sein. Das Motto der Saison steht bereits fest: Es lautet kurz und knapp „50“.

Das sind die Premieren in der Spielzeit 2019/20

Schauspiel

  • „Der Schneider von Ulm“ (Arbeitstitel), von Ulf Schmidt, Uraufführung 3. Oktober, Großes Haus
  • „Alte Meister“, nach dem Roman von Thomas Bernhard, 4. Oktober, Museum Ulm/Kunsthalle Weishaupt
  • „Ikarus“, von John von Düffel, Uraufführung, 5. Oktober, Podium
  • „Josef und Maria“, von Peter Turrini, 22. November, Bo-Concept Ulm
  • „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“, Stück von Ingrid Lausund, 23. November, Podium
  • „Sprachlos die Katastrophen im Bereich der Liebe“, von Henriette Dushe, Uraufführung, 10. Januar 2020, Podium
  • „Eins, zwei, drei“, von Ferenc Molnár, 16. Januar 2020, Großes Haus
  • „Biedermann und die Brandstifter“, Schauspiel von Max Frisch, 27. Februar 2020, Großes Haus
  • „Am Königsweg“, von Elfriede Jelinek, 9. April 2020, Podium
  • „Der zerbrochne Krug“, Lustspiel von Heinrich von Kleist, 23. April 2020, Großes Haus

Musiktheater

  • „Fidelio“, Oper von Ludwig van Beethoven, 26. September, Großes Haus
  • „In the Penal Colony (In der Strafkolonie)“, Kammeroper von Philip Glass, 8. November, Podium
  • „La Cage aux Folles (Ein Käfig voller Narren)“, Musical von Jerry Herman, 21. November, Großes Haus
  • „Cendrillon (Aschenputtel)“, Märchenoper von Jules Massenet, 19. Dezember, 20 Uhr, Großes Haus
  • „Die Csárdásfürstin“, Operette von Emmerich Kálmán, 6. Februar 2020, Großes Haus
  • „Rigoletto“, Oper von Guiseppe Verdi, 19. März 2020, Großes Haus
  • „La Légende de Tristan“, Oper von Charles Tournemire (Uraufführung), 7. Mai 2020, Großes Haus
  • „My Fair Lady“ (Wiederaufnahme), Musical von Frederick Loewe, 18. Juni 2020

Tanztheater

  • „Faces of Love“ von Noel Pong und Beatrice Panero, 17. Oktober, Großes Haus
  • „Ein Sommernachtstraum“ von Reiner Feistel nach William Shakespeare, 2. April 2020, Großes Haus
  • „Der kleine Prinz“, von Reiner Feistel nach Antoine de Saint-Exupéry, Wiederaufnahme, 30. November, Podium
  • „Das Schweigen der Männer“ von Rainer Feistel, 1. Februar 2020, Podium

Junges Theater

  • „Peterchens Mondfahrt“, Märchen nach dem Kinderbuch von Gerdt von Bassewitz, 6. November, Großes Haus
  • „Der dickste Pinguin vom Pol“, von Ulrich Hub, 29. September, Oberes Foyer
  • „Auerhaus“, nach dem Roman von Bov Bjerg, 28. Februar 2020, Podium
  • „Cinderellas Schuhe“, Kinderstück von Mike Kenny, Wiederaufnahme, 26. April 2020, Oberes Foyer
  • „Tanz der Tiefseequalle“, nach Stefanie Höfler, 23. Mai 2020, Podium
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