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Ulm

28.11.2018

Theaterwerkstatt Ulm spielt "Der eingebildete Kranke"

Der eingebildete Kranke (Udo Ulrich, Mitte) mit Tochter Angélique (Nicola Ehrenfeld, rechts) und Hausangestellter Toinette (Gabriele Bartl).
Bild: Dagmar Hub

Lachen ist die beste Medizin - sogar gegen den Tod: Die Theaterwerkstatt Ulm gibt Molières „Der eingebildete Kranke“ einen interessanten neuen Dreh.

Er leidet so wunderschön dramatisch, dass manche im Publikum tatsächlich die Lachtränen nicht zurückhalten können: Udo Ulrich verkörpert in Jörg Zenkers Inszenierung von Molières „Der eingebildete Kranke“ die Titelfigur so herrlich hypochondrisch, dass das 345 Jahre alte Lustspiel in der Theaterwerkstatt schon allein dadurch zum abendfüllenden Vergnügen würde. Doch in der Inszenierung steckt weiter mehr als nur gute Unterhaltung: Der Illertisser Regisseur, Schauspieler und Gästeführer Zenker versetzt Molières Werk mit viel schwarzem Humor ins Heute, garniert mit ein paar barocken Versatzstücken und mit der Musik Jean-Baptist Lullys.

In jeder guten Komödie steckt immer auch ein Stückchen Tragödie: Argan, der der fixen Idee verfallen ist, schwer krank zu sein, und der täglich viel Geld in Ärzte und Apotheker, in Einläufe und Tröpfchen investiert, verschachert seine hübsche Tochter Angélique (Nicola Ehrenfeld) gegen deren Willen an einen ziemlich unangenehmen jungen Arzt (Marcel Eberhardt) – einzig deshalb, weil er einen Arzt als Schwiegersohn haben will. Dass selbst der Vater (Jürgen Witschen) des tumben und gestelzten Thomas Diafoirus seinen Sohn als begriffsstutzig und fantasielos bezeichnet, macht die Sache absurd, kommt Angélique doch sehr kess und munter daher. Zudem hat sie ihre Wahl bereits getroffen, und die fiel auf den Musiker Cléante, dem Patrick Steiner-Hirth einen Touch des wilden jungen Mozart gibt.

Überraschender Schulss von Molières Komödie "Der eingebildete Kranke"

Während Argan den Ärzten und Apothekern sich todkrank gibt, ohne es zu sein, müht sich vor allem die Hausangestellte Toinette (Gabriele Bartl), Angélique zum Glück zu verhelfen, denn die Stiefmutter (Ursula Straschewski) hat es nur aufs Geld des Hypochonders abgesehen. Toinette inszeniert die Probe aufs Exempel, um Argan in die Realität zurückzuholen: Er muss sich tot stellen und die Gespräche der Angehörigen belauschen. Die komisch-dramatische Wirkung dieser Szene hilft, sogar über den Tod zu lachen, denn der ist in jenem Moment nur ein vermeintlicher und führt letztlich zum Happy End für Angélique und Cléante.

Im Spiel mit dem Tod aber flicht Jörg Zenker eine überraschende Wendung ein: Argan und sein Bruder Béralde – ein Spät-Hippie-Musiker, der im Leben wenig ausgelassen hat – husten ganz ähnlich. Doch Argan nimmt nicht wahr, dass sein Bruder (Markus Rabe) tatsächlich lebensbedrohlich erkrankt ist, so wenig wie er die Gefühle und die Absichten der anderen Menschen bemerkt. Argans Hypochondrie macht ihn zu einem einzig auf sich selbst und seine Krankheit bezogenen Egomanen.

Molières Komödie um den eingebildeten Kranken wird durch einen überraschenden Schluss noch mehr zu einem Spiel mit dem Tod, innerhalb dessen das Lachen die eigentliche Medizin ist. Erstaunlich ist, wie gut es Jörg Zenker gelingt, die barocken Leitmotive des „Carpe diem“ (den Tag zu Leben zu nutzen) und des „Memento mori“ (des Wissens um den Tod) in der Gegenwart zu verankern. Aber auch: Welches Stück könnte sich dafür besser eignen als Molières letztes. Der Autor und Schauspieler, dessen Aufgabe es war, den Sonnenkönig Ludwig XIV. bei Laune zu halten, starb am 17. Februar 1673 im Kostüm des eingebildeten Kranken an einem Blutsturz, den er während der vierten Aufführung der Komödie erlitten hatte. Molières Husten war nicht gespielt gewesen, ebenso wenig wie das von Argans Bruder Béralde.

"Der eingebildete Kranke": Das sind die Termine in der Theaterwerkstatt Ulm

Wieder am 30. November, 1., 7., 14. Dezember. Weitere Aufführungen bis 16. März. Karten gibt es unter tw-ulm.de

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