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Ulmer Zelt I

26.05.2019

Tower Of Power stehen wie eine Eins

Er ist der Blickfang bei Tower of Power, Sänger Marcus Scott. Doch das Herzstück der Band ist und bleibt ihr weltberühmter Bläsersatz.
Bild: Reinhard Pfetsch

Tower of Power geben in Ulm ein denkwürdiges und ausverkauftes Konzert – obwohl ein wichtiges Bandmitglied fehlt

Der Beginn wirkt fast ein wenig skurril. Von rechts nach links treten fünf sehr reife Herren mit Saxofonen und Trompeten im Gänsemarsch auf und steuern ihre Position an. Es ist eine Parade teils sehr beeindruckender Bäuche. Aber dann bricht der Sturm los, anders lässt sich nicht beschreiben, was dieser Bläsersatz zu entfesseln vermag. Er war schon immer das Herzstück von Tower of Power, das Kraftzentrum, das Glanzstück – der Grund, warum diese Band seit fünf Jahrzehnten besteht. Er verfehlt auch im ausverkauften Ulmer Zelt seine Wirkung nicht, obwohl es diesmal ein wenig anders wirkt als bei normalen Konzerten. Da muss die Band das Publikum erst in Fahrt bringen. Hier ist es diesmal umgekehrt: Die Fans sind bereits auf 100, während die Band erst nach zwei, drei Stücken so richtig warmgelaufen ist.

Der Bassist von Tower Of Power ist nicht dabei

Vielleicht liegt es diesmal daran, dass ein wichtiger Teil von Tower of Power fehlte: Bassist Marc van Wageningen. Wie Bandleader Emilio Castillo später am Abend erklärt, musste er wegen gesundheitlicher Probleme in Ulm ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ohne den Bassdruck, ohne diese vertrackten, knalligen Läufe – kann die Band da überhaupt antreten? Sie kann, und wie! Kurzerhand übernimmt Keyboarder Roger Smith mit der linken Hand die Rolle des Bassisten. Natürlich kann er damit nicht den drahtigen Anschlag, das Schnalzen und Poppen eines richtigen Funk-Tieftöners ersetzen, doch das fällt an diesem Abend eigentlich nicht wirklich auf: Diese Band groovt trotzdem und brennt ein Soul-Funk-Feuerwerk ab, bei dem man schon allein vom Zuhören Schweißausbrüche bekommt. Da steht niemand still im Zelt. Alles wippt, hüpft, tanzt oder bewegt sich sonst wie im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Die Bläser sind die Zierde von Tower Of Power

Eigentlich erstaunlich, dass diese Band so viele Leute ins Zelt zieht, denn Tower of Power aus Oakland/Kalifornien waren nie eine Hitmaschine, sie waren nicht glatt genug, nicht gefällig genug. Ihr Soul-Funk war schon immer einen Zacken komplexer als bei anderen, vor allem der Bläsersatz spielte und spielt mit rasiermesserscharfer Präzision. Er hat im Laufe der Jahrzehnte ein gewisses Eigenleben entwickelt, denn viele Bands und Stars von den Rolling Stones, über Aerosmith bis zu Rod Steward und Elton John holten ihn ins Studio, um ihren eigenen Werken mehr Glanz zu verleihen. So schafften es Tower of Power, dürre Jahre zu überbrücken und am Leben zu bleiben.

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Sänger mit Sex-Appeal

Und ja, sie sind extrem lebendig, was übrigens auch auf ihrem aktuellen Album „Soul Side of Town“ nachzuhören ist. Frische Kraft haben sie sich zudem mit Marcus Scott ans Gesangsmikrofon geholt. Er macht nicht nur stimmlich einen exzellenten Job, sondern gibt den agilen Frontmann mit einem guten Schuss selbstironischem Sex-Appeal. Und im Hintergrund arbeiten sich die alten Herren an ihren Soul-Knallern ab und tauen zügig auf. Sie müssen ja nicht mehr mit den Hüften wackeln, sondern lassen lieber ihre Instrumente sprechen.

Es wird ein denkwürdiger Konzertabend, der keinen kalt lässt, der dabei ist. Dieser Turm steht immer noch wie eine Eins.

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