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Ulm

15.04.2015

Tram wird teurer als geplant

Blick in die Werkstatt für Straßenbahnen der SWU. Wenn die Linie 2 in Betrieb geht, brauchen die Stadtwerke zwölf neue Fahrzeuge. Multigelenk-Straßenbahn der neuesten Generation aus dem Hause Siemens wurden per Ausschreibung bereits ausgewählt. Im Bild: das Siemens-Vorgängermodell Combino.
Bild: Alexander Kaya

Offenbar drohen bei der Straßenbahnlinie 2 Mehrkosten von bis zu 22 Millionen Euro. Fraglich bleibt, wie viel Geld aus Fördertöpfen kommt. Warum die Stadtspitze trotzdem gelassen bleibt.

Mehrkosten bei Großprojekten sind in Deutschland eher Normalfall den Ausnahme: Die geplante neuen Straßenbahnstrecke „Linie 2“ folgt offenbar dieser Entwicklung. Wie unserer Zeitung aus der jüngsten nicht-öffentlichen Sitzung der „Straßenbahnkommmission“ berichtet wurde, fällt die aktuelle Kostenschätzung deutlich teurer als als der erste Entwurf aus dem Jahr 2011.

Die Gesamtkosten des Projekts steigen laut Infos von Gemeinderatsmitgliedern um bis zu 22 Millionen Euro auf 192 Millionen. Der Löwenanteil dieser Kostensteigerung soll durch die binnen vier Jahren deutlich gestiegenen Baukosten zusammen kommen, was sich auf zwölf Millionen Euro summieren soll. Die andere Hälfte soll sich aus Zusatzkosten im Zusammenhang mit der Trasse zur Wissenschaftsstadt ergeben. Wie berichtet, führt die Linie 2 später einmal an einer Reihe von Forschungseinrichtungen und Kliniken vorbei. Die Minimierung von Schall- und Erschütterungsrisiken von sensiblen Forschungseinrichtungen treibe die Kosten in die Höhe. Eine Einrichtung müsse gar verlegt werden. Außerdem entstehen Kosten, weil durch die neue Straßenbahnlinie Parkplätze im Bereich der Wissenschaftsstadt wegfallen, die ersetzt werden müssen.

Was die Stadt Ulm letztlich aus der eigenen Kasse zahlen muss, ist nach den Worten von Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner „Kaffeesatzleserei“. Denn die „Förderquote“, also der Anteil, der aus nicht kommunalen Töpfen kommt, sei völlig unklar und bewege sich irgendwo zwischen 50 und fast 70 Prozent. „Kein Aufreger“ sei es, dass vier Jahren nach dem ersten Planungsentwurf durch einen höher angesetzten „Baupreis-Index“ Baukosten steigen. „Das ist völlig normal.“ Die Kostensteigerung sei sogar unterdurchschnittlich. Ähnlich sieht dies auch Michael Joukov, der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Stadt bleibe trotz etwaiger Mehrkosten positiv. Es gebe keinen Grund, das Projekt nun in Frage zu stellen. Eine „standardisierte Bewertung“ hatte wie berichtet gezeigt, dass der gesamtwirtschaftliche Nutzen für die Stadt fast eineinhalb Mal größer ist als die Kosten. Dabei bleibe es, auch wenn unklar ist, was der Stadtsäckel letztlich wirklich hergeben muss. Nach wie vor kommuniziert die Stadt auf einer eigenen Internetseite für die neue Straßenbahnlinie folgende Kosten: Nach Abzug der zu erwartenden Zuschüsse und einschließlich der Planungskosten hätte die Stadt Ulm rund 53,3 Millionen Euro selbst zu finanzieren. Das sind rund 40 Prozent der Gesamtkosten, die übrigen 60 Prozent übernähmen der Bund und das Land. Die Stadtwerke gehen von einem „Regelzuschuss“ in Höhe von 60 Prozent aus, der aber zum Beispiel für Bauwerke wie die geplante Straßenbahnbrücke nicht gilt. Und so wissen SWU und Stadtverwaltung längst, dass die 53,3 Millionen Euro sich überholt haben.

Nach Abzug der zu erwartenden Zuschüsse und einschließlich der Planungskosten wird mit 80 Millionen Euro kalkuliert, die Ulm die selbst zu finanzieren habe. Dieser Anteil liegt, wie berichtet, bereits auf dem Sparbuch der Stadt. Wenn die Förderquote ungünstig ausfällt, könnte dieser Anteil aber auch noch steigen.Die Aufklärung dieser Frage könnte theoretisch schon morgen erfolgen: „Wir warten täglich auf den formellen Zuschussbescheid“, sagt ein Sprecher der Stadtwerke. Die SWU rechnen damit, dass im Mai der Gemeinderat detailliert darüber informiert wird, was das Großprojekt wirklich kostet.

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