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13.03.2009

Trauer und Entsetzen nach Amoklauf

Ulm/Landkreis Nur gut 100 Kilometer ist Winnenden von Ulm entfernt. Nach Wendlingen ist es sogar noch näher. "Und plötzlich ist der Schrecken im Schwäbischen angekommen", beschreibt Münsterpfarrerin Tabea Frey die Gefühle vieler ihrer Konfirmanden. "Trauer und Entsetzen sind sehr, sehr groß." Die 30 jungen Leute zwischen 13 und 14 in ihrer Gruppe hätten viel Gesprächsbedarf über den Amoklauf eines 17-Jährigen, der am Mittwoch scheinbar wahllos 15 Menschen tötete. "Weit, weit weg", so die Theologin, schienen bislang derartige Horrorszenarien. Der Tenor: "So was passiert vielleicht in Columbine oder Erfurt. Aber nicht bei uns." Nun ist die Angst vor Amokläufern auch in den Konfirmandengruppen der Ulmer Münsterpfarrei angekommen. "Es gibt ein großes Bedürfnis, das zu verarbeiten", sagt Tabea Frey. Deswegen stehe das Münster heute insbesondere als "Raum für Trauer" offen. Eine Gedenkfeier für die Toten des Amoklaufs beginnt heute um 11 Uhr. Gestaltet wird die Gedenkzeit von Tabea Frey, Schuldekan Hansmartin Bernecker und Jugendpfarrer Ulrich Erhardt.

Von Oliver Helmstädter und Roland Ströbele

Vom Alltag waren gestern die Schulen der Region weit entfernt. Wenn vielleicht auch nur auf den zweiten Blick. "In der Pause wurde gerannt und geschrien wie immer", sagt etwa Brigitte Böhm, die Leiterin des Hans- und Sophie-Scholl-Gymnasiums in Ulm. Doch bei genauerem Hinschauen habe sich gezeigt, dass Wut, Trauer und Entsetzen in der Schülerschaft groß seien. Allerdings wären die Gespräche über die Geschehnisse meist kurz gewesen.

"In manchen Klassen wollte auch niemand drüber reden", sagt Böhm, die sich auch ihre Gedanken über den Amoklauf macht: "Wir wissen, dass man im Grunde überhaupt nichts machen kann, wenn einer mit der Waffe in die Schule kommt." Also sei Vorbeugung und Wachsamkeit angesagt.

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Rigoros gehe die Schulleiterin etwa gegen Mobbing auf Portalen wie team-ulm.de vor. In einem Fall sei etwa in das Online-Gästebuch eines Schülers ein Video gestellt worden, auf dem ein Mord zu sehen gewesen sei. "Dasselbe machen wir mit dir", sei der dazugehörige Kommentar gewesen. "Da sind wir natürlich eingeschritten", sagt die Schulleiterin. Die Übeltäter hätten sich einsichtig gezeigt, der Hintergrund wäre nicht ernst gewesen.

Benefizkonzert abgesagt

Die Ulmer Polizei geht in Anbetracht der Toten von Winnenden und Wendlingen nicht zur Tagesordnung über: Das Benefizkonzert für Kriminalitätsopfer, das die Polizei für Freitag, 13. März, in der Ulmer Pauluskirche angekündigt hatte, wird verschoben.

Auch an den Schulen im Landkreis Neu-Ulm ist gestern den Todesopfern und ihren Angehörigen gedacht worden. In den ersten Unterrichtsstunden war die schreckliche Bluttat ebenfalls ein Thema. "Die meisten Lehrer haben das Geschehen in Winnenden sicherlich thematisiert", ist Schulamtsdirektor Kurt Bucher überzeugt.

Nach dem Amoklauf in Erfurt seien zwischen den Schulen und den Kommunen Sicherheitskonzepte erarbeitet worden, die nach wie vor Gültigkeit haben. Darüber hinaus sei nichts geplant. Bucher: "Das Thema ist ausgereizt, selbst wenn wir vor jede Schule einen Polizisten stellen würden, könnten wir solche Wahnsinnstaten nicht verhindern." Die Lehrer seien aber sensibilisiert, auf Besonderheiten oder Auffälligkeiten bei Schülern zu achten.

Am Lessing-Gymnasium legten die Schüler und Lehrer gestern eine Gedenkminute für die Opfer und deren Angehörige ein. In einer Lautsprecherdurchsage hatte der stellvertretende Schulleiter Fritz Martin dazu aufgerufen.

Anschließend wurde das Geschehen im Unterricht thematisiert. In der 6. Klasse hat Martin bei den Schülern eine "tiefe Betroffenheit" gespürt. Die Zwölfjährigen hätten ein Verbot von Killer-Computerspielen befürwortet.

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