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Pfaffenhofen

15.04.2019

Treffsichere Gags: "Volksdampf" im Brett im Schtoi

Preisgekröntes Trio: „Volksdampf“ mit Reiner Muffler, Lisa Greiner und Suso Engelhart (von links).
Bild: Florian L. Arnold

Das preisgekrönte Musikkabarett-Trio „Volksdampf“ hilft in Pfaffenhofen aus – zum Gewinn des Publikums, das sich selbst hinterfragen muss.

Glück im Unglück für das Team des „Brett im Schtoi“ und sein treues Publikum: Der Schweizer Comedymagier Marc Haller hatte kurzfristig abgesagt, statt dessen kam „Volksdampf“. Das Kabarett-Trio aus dem Oberschwäbischen war schon 2012 zu Gast und wäre, so „Schtoi“-Chef Norbert Riggenmann, sowieso schon mal wieder „fällig“ gewesen für einen Besuch in Pfaffenhofen. Kurzfristig sprangen Lisa Greiner, Suso Engelhart und Reiner Muffler ein, sehr zum Vergnügen im ausverkauften Stadel des Attenhofener „Hirsch“. Gemütlich aber nicht behäbig, entspannt aber nicht harmlos kredenzte das Trio einen ausgewogenen Mix aus Gehirnjogging und Provokation (in Maßen, natürlich), menschenfreundlichem Spott und manch findiger Pointe.

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Natürlich kann sich eine Kabaretttruppe, die etwas auf sich hält, nicht am Thema Migration vorbeimogeln, zumal das – nicht nur – im bayerischen Wahlkampf eine zentrale Rolle spielte. Statt aber abgehalfterte Pauschalitäten und Plattheiten zu verstreuen, schickte das Trio mit frechem Mundwerk „Schöne Grüße aus dem Hinterhalt“ an alle, die mit zweifelhaftem Niveau in- und außerhalb der Parteien Stimmung machen. „Sie brauchen keine Angst haben, dass wir Ihnen Schwierigkeiten machen. Ihr Wohlbefinden ist unser Hauptanliegen“, läutete Lisa Greiner den Abend noch konziliant ein, später dann gab es mit der subversiv-fröhlichen Frage „Fühlen Sie sich sicher, auch hier?“ eine gute Portion Unbehagen. Unbehagen ob der eigenen Haltung, die man dank gewitzter „Volksdampf“-Zuspitzung auch mal unters moralische Vergrößerungsglas gelegt bekam. Ist da auch alles in Ordnung mit der eigenen Moral? Man würde ja schon gerne mal… oder nicht? Eine rote Ampel überfahren, einen Mercedes zerkratzen, der Schwiegermutter den Geburtstag verhageln…

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Brett im Schtoi in Pfaffenhofen: "Volksdampf" spielen statt Comedymagier Marc Haller

„Volksdampf“ gibt es seit 1982, aus der Gründungsbesetzung ist noch Reiner Muffler dabei, der gekonnt den Oberlehrer gibt und die Lieder der Truppe an Gitarre oder Mandoline begleitet. Wie er dürfen sich alle Mitglieder der aktuellen Besetzung als musikalische Multitalente sehen, wobei im Song „Digital debil“ neben der zum perkussiven Multifunktionswerkzeug umgebauten Recyclingtonne auch eine altmodische Computertastatur zum Einsatz kommt. Und da ist dann auch viel Selbstironie im Spiel, etwa in der Frage, wer über Fünfzig ohne Hilfe der Kinder – Enkel gar – sein Smartphone in Gang bekommt oder, schlimmer noch, wie viele Jahre noch zum Leben bleiben? Nein, es wurde nicht düster, kratzte nur die Grenze zum schwarzen Humor. Etwa wenn Suso Engelhart zu rechnen beginnt: „80 Jahre Lebenserwartung minus 12 Jahre wegen rauchen, minus 10 Jahre wegen Alkohol minus zehn Jahre wegen Bewegungsmangel minus zehn Jahre wegen Zucker… rechnerisch bin ich seit zehn Jahren tot!“ Höhepunkt: Das Spiegelgefecht der drei, ob denn auf einem Grabstein besser die E-Mail-Adresse oder die Homepage stehen müssten?

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Im vollbesetzten „Hirsch-Stadel in Attenhofen hatte das „Brett im Schtoi“ seinen Gästen einen formidablen Kabarettabend angeboten, der zweieinhalb Stunden bester Pointen und Kabarettsongs bot. Dafür gab’s satten Applaus.

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