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Donaufest

23.04.2016

„Treibgut“ ist in Ulm angekommen

Viel Freude über einen Stapel Papier: (von links) Alexander Balanescu, Neu-Ulms OB Gerold Noerenberg und sein Ulmer Kollege Gunter Czisch.
Bild: Horst Hörger

Alexander Balanescu übergibt offiziell die Partitur seiner Komposition. Was das Publikum im Juli erwartet

Zum Thema Partitur und Pünktlichkeit mussten sich die Organisatoren des Internationalen Donaufestes zuletzt jeden erdenklichen Witz anhören: Im Jahr nach dem Fiasko um das abgesagte „Ulmer Oratorium“ ist das Vertrauen in die Zuverlässigkeit von Komponisten in Ulm eher schwach ausgeprägt. Doch jetzt haben die Verantwortlichen gut Lachen: Gestern übergab Alexander Balanescu im „Haus der Donau“ die fertige Partitur für das Stück „Treibgut“ an die Oberbürgermeister von Ulm und Neu-Ulm.

Die Auftragskomposition soll der kulturelle Höhepunkt des Donaufestes werden, dessen zehnte Auflage vom 1. bis zum 10. Juli über die Bühne gehen wird. Balanescu, der in London lebt, gehört zu den herausragenden Protagonisten der musikalischen Avantgarde. Mit seinem „Balanescu Quartet“ arbeitete der Geiger mit so unterschiedlichen Künstlern wie Philip Glass oder den Pet Shop Boys zusammen, er selbst komponierte unter anderem für die Choreografin Pina Bausch oder den englischen Filmregisseur Peter Greenaway („Der Kontrakt des Zeichners“).

Für das Donaufest ist seine Verpflichtung ein Coup, zumal er mit seinem Quartett auch selbst an den Aufführungen von „Treibgut“ – oder englisch „Flotsam“ – mitwirken wird. Doch auch für Balanescu selbst ist seine neueste Komposition eine besonders wichtige: Sie sei für ihn „sehr emotional“, weil sie ihn zurück zu seinen Wurzeln führe. Der Titel ist eine Metapher für die Kämpfe der Menschen im Donauraum und die Lösung dieser Konflikte: Wie sich Treibgut zunächst an einem Wehr staut und dieses schließlich überwindet. Natürlich muss man bei diesem Bild auch an die Flüchtlingsströme auf der Balkanroute denken. Ein Thema, das Balanescu selbst sehr bewegt: „Auch ich war ein Migrant.“ Seine Familie flüchtete 1969 aus Rumänien nach Israel. Seine Eltern, beide Journalisten, waren vom Ceausescu-Regime bedroht.

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Orchester, Chor und Ballett auf der Bühne vereint

„Treibgut“ ist ein ungewöhnliches Projekt, das ganz unterschiedliche Akteure verbindet. Der Ulmer Operndirektor Matthias Kaiser, der die Regie übernimmt, nennt es ein „choreografisches Musiktheater“. Neben dem „Balanescu Quartet“ und dem Philharmonischen Orchester sind auch noch ein Akkordeon und ein Zymbalspieler beteiligt, zwei Sänger (Sopran Maria Rosendorfsky und Tenor Thorsten Sigurdsson), der Opernchor – und das Ballettensemble von Roberto Scafati, verstärkt durch Tänzer aus den Donauländern. Dirigent ist Hendrik Haas.

Rund 300 Seiten dick ist die Partitur, die Balanescu nun offiziell überreichte. Die Proben laufen teils schon seit März – Teile der Komposition hatte der 61-Jährige schon als Midi-Dateien übermittelt. Wie „Treibgut“ klingen wird? Balanescu beschreibt die Musik als eine Mischung aus südosteuropäischen Wurzeln und westlicher Empfindsamkeit. „Ich habe viel Leidenschaft hineingesteckt“, sagt er. Er hat große Erwartungen an das Stück: „Das ist etwas, was noch nie zuvor gemacht wurde.“

Uraufführung von „Treibgut“ ist am Freitag, 1. Juli, im Großen Haus des Theaters Ulm. Es gibt insgesamt fünf Aufführungen. (mgo)

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