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Ulm/Neu-Ulm

23.05.2015

Trillerpfeifen statt Windeln

„Löhne rauf, Kitas auf“: Mit Mottos wie diesen demonstrierten gestern zahlreiche Beschäftigte der Kindertagesstätten auf dem Johannisplatz.
Bild: Alexander Kaya

Erzieherinnen fordern, dass der Lohn den gestiegenen Anforderungen angepasst wird. Dafür setzten sie sich gestern am Johannisplatz ein – das wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

Eltern, die ihre Kinder normalerweise morgens in eine städtische Kindertagesstätte bringen, mussten sich gestern eine Alternative suchen. Denn die Erzieherinnen beschäftigten sich gestern nicht mit vollen Windeln, Bauklötzen oder weinenden Kleinkindern, sondern mit Trillerpfeifen, Plakaten und Tröten. Sie fordern mehr Anerkennung für ihre Arbeit und somit in eine höhere Entgeltgruppe eingegliedert zu werden, sagt Maria Winkler, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Ostwürttemberg-Ulm. Dafür machten gestern rund 50 Erzieherinnen auf dem Johannisplatz Krawall. Erstmals in der Debatte um mehr Lohn, nahmen auch die Neu-Ulmer Beschäftigten teil.

Zwei Wochen zuvor gingen schon die Ulmer auf die Straßen. „Das liegt daran, dass der Streik sich langsam ausbreitet. Zuerst waren die großen Städte aufgerufen, jetzt betrifft es auch das breite Land“, sagt Winkler. Doch alle verfolgen ein Ziel und taten das auf zahlreichen Plakaten kund: „Ich kann gar nicht so schlecht arbeiten, wie ich bezahlt werde“ war gestern einer der Sprüche. „Wir fordern nicht einfach mehr Lohn, sondern eine andere Einstufung“, sagt Winkler. Die Pädagogen würden noch nach Kriterien von vor 20 Jahren bezahlt, „heute müssen sie aber viel mehr Verantwortung übernehmen“, sagt Winkler und nennt Beispiele: „Es besteht der Anspruch, dass bereits in frühen Jahren frühkindliche Bildung erfolgt. Kinder werden nicht mehr in riesigen Gruppen betreut.“ Erzieherinnen müssen die Kleinen immer genau beobachten, um ihre Entwicklung zu dokumentieren. Die meisten arbeitenden Eltern, die mit der Suche nach einer alternativen Kinderbetreuung vor eine Herausforderung gestellt werden, hatten sich verständnisvoll über den Streik sehr geäußert, sagt Winkler.

Nach der fünften Verhandlungsrunde mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) seien die Ergebnisse alles andere als befriedigend.

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Daher müssen sich die Eltern noch auf weitere Streiks einstellen: In Ulm wird auch in der kommenden Woche gestreikt. Dazu hat Verdi gestern alle Beschäftigten der Kitas und Sozialen Dienste aufgerufen. Und auch die Neu-Ulmer könnten wieder einsteigen, „wenn in den nächsten zwei Wochen kein gutes Angebot der VKA kommt“, sagt Winkler.

Diese würden aber mindestens zwei Tage im Voraus angekündigt: „Es wird keiner in der Früh urplötzlich vor verschlossenen Türen stehen“, sagt Winkler.

Die Kundgebung gestern sollte eigentlich auf dem Neu-Ulmer Rathausplatz stattfinden. Winkler: „Weil aber die Stadt ,ihren’ Rathausplatz nicht den streikenden Beschäftigten überlassen wollte“, habe sie auf dem Johannisplatz stattgefunden.

Stimmt nicht ganz, sagt Tanja Knoll, eine der Pressesprecherinnen der Stadt Neu-Ulm. „Auf dem Rathausplatz dürfen generell keine Demos stattfinden“, erklärt sie. „Das ist seit über zehn Jahren so geregelt und soll für alle gleich gelten.“ Die Stadt habe sich aber, was den Streik der Kita-Beschäftigten angeht, die Sache nicht leicht gemacht: „Wir haben schon überlegt, ob wir das in diesem besonderen Fall zulassen können und uns dann aber doch für die strenge Linie entschieden.“

Das hielt gestern die Streikenden nicht davon ab, nach der Kundgebung auf dem Johannisplatz durch die Innenstadt über die Herdbrücke in die Nachbarstadt Ulm zu ziehen. Dort schlossen sich die seit zwei Wochen im Streik stehenden Kita-Frauen der Stadt Ulm an.

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