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Ulm

26.04.2015

Trotz voller Auftragsbücher hat das Handwerk Sorgen

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ARCHIV - Ein Schild mit der Aufschrift «Stellenmarkt - Zur Stärkung unseres Teams suchen wir Sie ab sofort - Mitarbeiter/-innen in Voll- und Teilzeit - gerne auch ungelernt» hängt am 06.08.2011 im Schaufenster einer Metzgerei in München (Oberbayern). In Berlin finden am Mittwoch (19.10.2011) eine Pressekonferenz und eine Tagung zu Lösungspotenzialen für den Fachkräftemangel statt. Foto: Peter Kneffel dpa  +++(c) dpa - Bildfunk+++

Von Flüchtlingen über Gymnasiasten bis Schulreform: Wie der Nachwuchsmangel behoben werden soll

Ulm Es brummt im Handwerk: Tobias Mehlich, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm kennt Betriebe aus der Baubranche, die ihre Kunden bei Anfragen auf Juli vertrösten müssen. Derart übervoll seien die Auftragsbücher. Wie aber auf der Jahrespressekonferenz der Repräsentanten von 18000 Betrieben deutlich wurde, nehme der Fachkräftemangel langsam besorgniserregende Bezüge an. Diese fangen mit 350 unbesetzten Lehrstellen an und hören bei 2200 Betrieben auf, bei denen ein neuer Chef gesucht wird, weil der alte reif für den verdienten Ruhestand ist.

Die Zeit drängt: „Sonst kommt irgendwann wochenlang kein Handwerker, wenn mitten im Winter die Heizung kaputt geht.“ Und der Kunde habe auch aus rein monetären Gründen Interesse daran, dass das Handwerk seine Einsatzfähigkeit behalte. Denn wenn Güter knapper werden, würden sie meist auch teurer.

Mehlich und Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer, stellten mehrere Ansätze vor, dem Nachwuchsmangel zu begegnen.

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Übergangssysteme „10000 Schüler werden geparkt am Kuhberg“, sagte Mehlich über das Berufsschulzentrum und stellte so in Zweifel, dass das Übergangssystem noch zeitgemäß ist. Schließlich stamme es aus einer Zeit mit Bewerberüberschuss. „Eine ineffiziente Puffer- und Parksituation“. Eine verstärkte Berufsorientierung der unübersichtlichen Schulformen sei wünschenswert. Es tut sich bereits was: Ein Eckpunktepapier zur Neugestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf in Baden-Württemberg wurde vom Landtag beschlossen. Im Herbst soll konkret über geplante Änderungen informiert werden.

Gymnasien 65 Prozent der Viertklässler wollen ein Gymnasium besuchen. „Es wäre sträflich, wenn wir die außer Acht lassen würden“, sagt Mehlich. Erste Gespräche mit Rektoren wären positiv verlaufen. So sei geplant ab der 7. Klasse verstärkt über Möglichkeiten des Handwerks zu informieren, schließlich werde nicht jeder Abitur machen. Und ein gutes Argument habe das Handwerk in der Hand: „Viele wissen nicht, dass man auch mit einer Lehre als Start letztlich sogar promovieren kann.“

Flüchtlinge Auf etwa 1000 Menschen schätzt Mehlich die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge im Bereich der Ulmer Handwerkskammer. Diese zu einer Ausbildung zu verhelfen, sei eine geradezu ideale Kombination eines humanitären Auftrags sowie wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit. In Ulm und dem Alb-Donau-Kreis gebe es bereits fünf Betriebe, die sich bereit erklärt hätten, bei einem Pilotprojekt mitzumachen.

Der Integrationserfolg hängt aus Sicht von Krimmer von dreierlei Faktoren ab: Von der Sprachvermittlung, der sozialen Betreuung und der Aufenthaltsperspektive. Unsere Betriebe stehen bereit zur Integration in Land und Arbeit. Viel Kraft sei dafür notwendig, doch das Handwerk habe diese. Gute Erfahrungen habe die Ulmer Handwerkskammer etwa mit der Integration von 35 jungen Spaniern gemacht, die in einer zweiten Welle nach Ulm nur wegen der Ausbildung kamen, sind noch 22 da, die nun kurz vor dem Ende des ersten Lehrjahres stehen. Von der ersten „Welle“ blieben von neun nur zwei. „Doch wir haben dazu gelernt“, sagt Mehlich. So würden die jungen Leute aus Spanien nicht mehr in einer Gruppe untergebracht, um die Integration zu verbessern.

Bedarf Insbesondere im Bereich der Berufe rund um Lebensmittelherstellung beklage die Handwerkskammer einen eklatanten Nachwuchsmangel. So gebe es etwa in Erbach keinen einzigen Metzgerbetrieb mehr und in Kürze auch in Blaustein.

Konjunktur Im Raum Alb-Donau melden 57 Prozent der Betriebe eine Auslastung von 80 Prozent und höher, fünf Prozent kalkulieren mit einem Minus bei den Aufträgen. In Ulm fahren 60 Prozent der Betriebe mit einer entsprechenden Auslastung, ein Minus bei den Aufträgen erwarten elf Prozent.

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