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Jugendstück

26.04.2011

Truffaldino hat nichts zu lachen

Spielszene aus der Jugendproduktion des Theaters Ulm.
Bild: Foto: Hermann Posch

Goldonis Komödie „Diener zweier Herren“ im Podium des Theaters Ulm

Ulm Zwei Herren gleichzeitig zu dienen ist unmöglich. Freiwillig würde sich der Venezianer Truffaldino wohl auch nicht in diese Situation begeben. Doch der Hunger treibt ihn dazu, sich parallel bei Florindo und einem angeblichen Federico zu verdingen, die beide aus Turin anreisten und im selben Albergho unterkamen.

Dass aus den entstehenden Wirrungen für den Zuschauer eine Komödie wird, ist klar. Für den armen Truffaldino jedoch gibt es wenig zu lachen, denn zu essen bekommt er nun von keinem seiner Herren, und vor dem auch für ihn glücklichen Ende wollen so einige ihren Spaß mit ihm treiben.

Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ wurde 1746 in Mailand uraufgeführt. Eher selten wird ein mehr als 250 Jahre altes Stück zum Stoff für ein Jugendtheater-Projekt. Doch Antonio Lallo, selbst italo-schwäbischer Schauspieler am Theater Ulm, wagte für elf vor einem halben Jahr gecastete Jungakteure aus Ulm und Umgebung, den Stoff als Jugendtheater aufzubereiten – der Erfolg gibt ihm recht: Temperamentvoll, temporeich, unterhaltsam und angereichert mit pfiffigen Ideen kommt Goldoni im Podium beim jungen wie beim älteren Publikum bestens an.

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Laut, aber mit überzeugender Spielfreude

Die meisten der elf Jugendlichen, mit denen Antonio Lallo und Nele Neitzke Goldoni erarbeiteten, sind theatererfahren; theaterbegeistert sind sie alle. Einziges Manko der Aufführung: Fürs Podium mit seiner klaren Akustik wird meist zu laut gesprochen. Agiert aber wird mit überzeugender Spielfreude. An den beiden Schwiegermüttern in spe, der Capitana de Bisognosi (Laura Sonntag) und ihrer Gegenspielerin Dottoressa Lombardi (Isabel Feustel) hat das Publikum seine Freude, zumal die Dottoressa ihre Reden reichlich aus dem großen Schatz bekannter lateinischer Zitate würzt.

Sonja Honold verwirrt als Beatrice die Fäden, indem sie als ihr bei einem Duell mit ihrem Geliebten Florindo getöteter Bruder auftritt – aus Not, um Geld einzutreiben und den Geliebten vor der Verurteilung zu retten. Zwischen allen Stühlen stolpert Truffaldino (Max Rechtsteiner) von einer Verlegenheit in die nächste, hungert und wird zum Spielball derer, die über ihn bestimmen.

Liebenswert machen die Inszenierung gerade einige der vermeintlich kleineren Rollen: Dem jüngsten Diener Pulcinello (Jan-Simon Kolb), der reichlich Prügel abbekommt, seinen Sprachfehler nur beim französischen Fricandeau los wird und gewitzt dennoch für sein Durchkommen sorgt, gehören viele Sympathien, ähnlich der bodenständigen Wirtin Brighella (Panagiota Iosifidou). Bis Silvio (Maximilian Borowiec) seine Clarice (Janina Ewals), bis Beatrice ihren Florindo (Jonathan Berlin) und Truffaldino seine Smeraldina (Rebekka Sattelberger) bekommt, amüsiert sich das Publikum prächtig.

Die Träne im Augenwinkel der Komödie allerdings bleibt auch in Antonio Lallos Fassung deutlich: Die Tritte, die die „bessere Gesellschaft“ verteilt, ohne bessere Menschen zu sein, diese Tritte bekommt die Dienerschaft reichlich ab. Von der Schlauheit der Diener allerdings hängt ab, wie schmerzhaft diese Tritte treffen.

Termine Weitere Aufführungen am heutigen Ostersamstag, 23. April, sowie am 4., 17., 20. und 27. Mai im Podium des Theaters Ulm.

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