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Ulm

07.03.2019

Tunnel total am Ulmer Hauptbahnhof

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Im Rohbau fertig: Der Albabstiegstunnel ist ein etwa 5.940 m langer Eisenbahntunnel der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm zwischen Dornstadt und Ulm. Der Tunnel besteht aus zwei eingleisigen Tunnelröhren.

Plus Die Röhren der Neubaustrecke – einem Teil von „Stuttgart 21“ – am Ulmer Hauptbahnhof sind vorzeitig fertig. Selbst Eidechsen konnten dies nicht aufhalten.

Es ist der wohl ungewöhnlichste Fußmarsch der Region: Los geht es bei Betonblock Nummer 473 am Einstieg des Albabstiegstunnel am Ulmer Hauptbahnhof. Tunnelblick total, der Wind pfeift durch die Mega-Röhre. Das Auge sieht kein Licht am Ende des Tunnels, nur alle paar Meter leuchtet eine längs aufgehängte Baustellenneonröhre den Weg ins Nirgendwo.

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Baustellenbegehung Bahnprojekts Stuttgart 21
Bild: Alexander Kaya

Vorbei an 472 weiteren, je 12,5 Meter langen Banketten erreicht der Fußgänger nach außerordentlichen, aber nach einer Weile auch eintönigen 5,8 Kilometern durch die zehn Meter hohe Röhre Dornstadt. Theoretisch. Denn der Zutritt zur Baustelle des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm ist freilich für Spaziergänger verboten. Für einen Besuch des Parlamentarischen Staatssekretärs Steffen Bilger und die Ulmer Wahlkreisabgeordnete Ronja Kemmer (CDU) macht Projektleiter Stefan Kielbassa eine Ausnahme. „Die Tunnel sind fertig“, sagt der Braunschweiger, der seit zehn Jahren das Projekt begleitet.

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250 Millionen Euro kostet das Stück von "Stuttgart 21"

Lediglich 20 Bauarbeiter betreiben in den Röhren noch „Betonkosmetik“. Die Schwellen und Gleise liegen schon bereit. In vermutlich zwei Monaten werde begonnen, die 120 Meter langen Eisenriesen zu verlegen. Der Bereich Ulm des Bahnprojekts, das die Münsterstadt mit der Landeshauptstadt verbindet, bildet eine Ausnahme einer Milliardeninvestition, die unter dem Stichwort „Stuttgart 21“ vor Negativschlagzeilen nur so strotzt: „Wir sind früher fertig als geplant und liegen deutlich unter dem Kostenrahmen“, sagt Kielbassa. 250 Millionen Euro veranschlagte die Bahn laut früheren Aussagen. Selbst eine Eidechsenpopulation am Kienlesberg konnte Kielbassa nicht aufhalten: „Mehrere Dutzend“ Tiere wurden eingefangen und in einem Freigehege zwischengelagert. In einem neuen Biotop an alter Stelle seien sie jüngst freigelassen worden, wo sie nun Südlage und artgerechte Bedingungen zwischen Kalkfelsen genießen würden.

Doch auch wenn der Tunnel fertig ist. Frühestens Ende 2022 wird wohl der erste Testzug mit 250 Sachen durch die Röhren rasen. Und nicht bis Stuttgart durchkommen: Nicht vor 2025 soll der neue Durchgangsbahnhof in Stuttgart betriebsbereit sein. Auf der 56,6 Kilometer langen Neubaustrecke Ulm-Wendlingen sind nach Bahnangaben 92 Prozent der Tunnel fertig, auf der Reststrecke nach Stuttgart sind es nur 75 Prozent.

Für die Neuordnung des Bahnknotens Ulm für die Anbindung an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz ist rund um den Ulmer Hauptbahnhof so gut wie alles im Rohbau vollendet: Der Trog etwa, der aus dem Tunnel führt ist gegossen. Die letzte Baustelle werde im November begonnen und hat als Ziel ein „Kreuzungsbauwerk“, die Schienen der Filstalstrecke über den neuen Trog führt. Danach ist Kielbassa mit seinem Projekt eigentlich durch. Doch der 59-Jährige bleibt der Bahn erhalten, nun verantwortet der Ingenieur den bahntechnischen Ausbau der gesamten Neubaustrecke.

Zu diesem Ausbau gehört auch ein spezielles Dämpfsystem unter den Schienen, das verhindern soll, dass Bewohner des Michelsbergs Erschütterungen durch Züge spüren. Aus Sicherheitsgründen ist der gesamte Albabstiegstunnel bereits notdürftig mit Neonröhren ausgeleuchtet. Im Endzustand werde vermutlich eine durchgehende LED-Beleuchtung am Handlauf innerhalb des Tunnels für eindrückliche Lichteffekte sorgen. Die eigentliche Bewährungsprobe für die Strecke kommt laut Manfred Leger, dem Geschäftsführers der „DB Projekt Stuttgart–Ulm“, aber erst wenn die sichtbaren Baustellen abgewickelt wird. In Ulm soll das Stellwerk digitalisiert werden und an europäischen Standards angepasst werden. Wie schwierig solche Umstellungen sind, konnte – in weit kleinerem Maßstab – beim Start der neuen Ulmer Straßenbahnlinie beobachtet werden.

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