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Ulm

23.11.2018

Uli Hoeneß ist reif für die Bühne

Uli Hoeneß ist der Präsident des FC Bayern München.
Bild: Matthias Balk (dpa)

Im Podium des Theaters Ulm wird ein Stück über den großen Sohn der Stadt Ulm uraufgeführt. In "Aufstieg und Fall des Uli H." geht es um Fußball – und Wurst.

Egal, wie man es mit Uli Hoeneß hält: Ein gewisses Theater-Talent kann dem FC-Bayern-Überboss wohl niemand absprechen. Wie vor kurzem, als er mit seinem Co-Hauptdarsteller Karlheinz Rummenigge (und Hasan Salihamidzic in einer kleinen Nebenrolle) die Presse beschimpfte, weil sie gemein zu seinen Spielern gewesen sei – und nebenbei seinen ehemaligen Spieler Juan Bernat (er habe einen „Scheißdreck gespielt“) abwatschte. Das war volksnahes Schauspiel, wie gemacht für die große Bühne.

Uli Hoeneß agierte als Fußballer, Manager und Steuerhinterzieher überzeugend

Insofern könnte der große Charakterdarsteller Hoeneß, der in der Vergangenheit unter anderem als Fußballer, Manager, Unternehmer, Wohltäter, Politerklärer und Steuerhinterzieher außergewöhnlich überzeugend agierte, sogar sauer sein, dass das Theater in seiner Geburtsstadt Ulm das Stück über sein Leben und seine Karriere nicht im Großen Haus aufführt, sondern nur im kleinen Podium. Aber immerhin: Die Uraufführung am heutigen Freitag, 23. November, ist so ausverkauft wie die Allianz-Arena an einem Samstagnachmittag. Und „Aufstieg und Fall des Uli H.: Eine deutsche Wurstiade“ ist ein Projekt des Chefs. Nicht von Hoeneß, leider, sondern von Intendant Kay Metzger, der zwar kein Ulmer ist, aber zumindest vom Nachnamen her eine Verbindung zum Fleischersohn Hoeneß herstellen kann. Doch keine Namenswitze: Der Intendant hatte das Stück über den großen Sohn der Stadt schon vor zwei Jahren bei seiner Vorstellung im Gemeinderat angekündigt. Und als Ehrenmann hielt er Wort. Ein Zug, der Uli H. vermutlich imponiert hätte.

Hoeneß wüsste natürlich auch, dass der Weg zum Erfolg nicht so einfach planbar ist. Und so wurde wohl schon vor dem Anpfiff der Premiere gefightet wie bei den Vertragsverhandlungen im Hoeneß-Büro. Es gab unterschiedliche Meinungen zur von der Münchner Theatermacherin Sarah Kohrs verfassten Vorlage. Die Inszenierung beruht nun nur noch zum Teil auf diesem, vor allem Leben und Karriere des Bayern-Präsidenten nachzeichnenden Text. Er wurde, wie Regisseur Stephan Dorn sagt, während der Probenphase um eine weitere, eher kabarettistische Ebene ergänzt. Im Spielplan steht nun „frei nach Sarah Kohrs“ unter dem Titel des Stückes.

Die Wutrede und die Superliga-Enthüllungen kamen zu spät für die Autorin

Das riecht ein bisschen nach Foulspiel, aber am Ende zählt im Theater – wie im Fußball – der Erfolg. Hier der künstlerische. Das Problem, sagt der 31-jährige Regisseur, sei, dass Hoeneß keine historische Figur sei, sondern quicklebendig. Sowohl die Wutrede gegenüber der Presse als auch die neuesten „Football Leaks“-Enthüllungen über eine mögliche europäische Superliga kamen erst nach Fertigstellung des Textes. „Das kann passieren“, sagt Dorn. Hoeneß sei eben eine komplexe Persönlichkeit – und eine öffentliche. „Zu sehen, was für ein Standing er hat, ist schon faszinierend.“

Dorn ist ein Unparteiischer auf dem Regiestuhl: Zu Hoeneß, sagt er, habe er weder eine große Zu- noch irgendeine besondere Abneigung. Er sei kein FCB-Anhänger, noch nicht einmal ein großer Fußballfan. Ein bisschen Stadionatmosphäre im Podium soll es trotzdem geben. Und – als Hommage an Hoeneß’ Herkunft und sein Unternehmertum – eine Wurst auf der Bühne. „Ich bin kein Vegetarier“, stellt der Regisseur klar.

Bekannt ist darüber zwar nichts, aber Dorn hofft auf hohen Besuch aus München. „Ich würde mich sehr freuen, wenn Uli Hoeneß kommt.“ Es wäre in der Tat spannend zu hören, was er über das Stück zu sagen hat. Bei diesem besonderen Thema wäre es ihm zumindest nicht wurscht.

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