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Ulm/Heidelberg
08.09.2021

Paketbomben an Lebensmittelfirmen: Ulmer Elektriker bestreitet Vorwürfe

Der Paketbomber? Es ist der 15. Februar 2021, gegen 14 Uhr. Der Mann der auf den Bildern zu sehen ist, trägt einen hellen Schal.
Foto: LKA Baden-Württemberg

Ein Rentner aus Ulm soll Zündholzköpfe abgeschabt haben, um Bomben zu basteln. Die Staatsanwaltschaft hat eine klare Vermutung, warum. Nun läuft der Prozess.

Für Anschläge mit selbst gebauten Sprengsätzen auf süddeutsche Lebensmittelunternehmen, muss sich ein 66-Jähriger ab Mittwoch vor dem Heidelberger Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Elektriker vor, dass er Geld erpressen wollte. Mehrere Menschen waren durch die explosiven Postsendungen verletzt worden. Die Anklage lautet auf Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung. Dem Deutschen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren. Für das Verfahren sind nach Angaben des Gerichts elf Fortsetzungstermine bis Mitte November geplant. Die Kammer hat 47 Zeugen und 3 Sachverständige geladen.

Ulmer Elektriker bestreitet vor Gericht Vorwürfe wegen Paketbomben

Im Prozess hat der Angeklagte vor dem Heidelberger Landgericht die Vorwürfe bestritten. "Ich bin nicht die von Ihnen gesuchte Person", sagte der 66-Jährige am Mittwoch zum Auftakt der Hauptverhandlung. "Ich hoffe auf Gerechtigkeit."

Der 66-Jährige sagte, er sei nicht die Person auf einem Video aus der Ulmer Postfiliale, in der die drei Sendungen aufgegeben worden waren. Er habe auch noch nie anderen Menschen Schaden zugefügt. Der Justiz warf er vor, ihn mit großem Aufwand "zerstören" zu wollen. Der Rentner äußerte sich vor Gericht zu seinem Werdegang und betonte dabei vor allem sein soziales Engagement unter anderem für Menschen mit Behinderungen. Fragen ließ er keine zu. 

Für das Verfahren sind laut Gericht elf Fortsetzungstermine bis Mitte November geplant. 47 Zeugen und 3 Sachverständige sind geladen. Die ersten Aussagen wurden im Laufe des Mittwochs erwartet.

Pakete aus Ulm an: Hersteller der Capri Sonne, Lidl und Hipp

Am 16. Februar hatte die Serie der explosiven Postsendungen in Eppelheim im Rhein-Neckar-Kreis begonnen. Dort war in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild (Capri Sonne) ein Mann durch eine Verpuffung verletzt worden, als er ein Paket annahm. Laut Gericht erlitt er leichte Hautverletzungen sowie ein Knalltrauma und soll wegen anhaltender Beschwerden weiterhin arbeitsunfähig sein.

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Einen Tag später explodierte ein Brief beim Öffnen in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm im Kreis Heilbronn. Drei Menschen wurden verletzt. Ein Mitarbeiter wurde dem Gericht zufolge am linken Auge, an beiden Händen und an den Beinen verletzt. Zudem habe er ein Knalltrauma und einen starken Tinnitus erlitten. Die beiden Kollegen sollen ebenfalls ein Knalltrauma davon getragen haben.

Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert war, wurde in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen und entschärft. Den Angaben nach soll der Mann die drei Pakete am 15. Februar in einer Postannahmestelle in Ulm aufgegeben haben.

Der Mann soll die Sprengvorrichtungen laut Staatsanwaltschaft selbst gebaut haben. Um die Sprengstoffmasse herzustellen, schabte der Angeklagte demnach Zündholzköpfe ab. Die Post habe er unter Androhung weiterer Gewalttaten gegen Mitarbeiter und/oder Kunden an die Unternehmen geschickt. Er habe in Kauf genommen, dass Menschen beim Öffnen der Pakete durch die Explosionen verletzt würden. Auf diese Weise habe der Mann Geld von den Firmen erzwingen wollen.

Verdächtiger ist ein Rentner aus Ulm

Mehr als 100 Beamte des Landeskriminalamts Baden-Württemberg ermittelten zwischenzeitlich. Kurz nach den Anschlägen nahm die Polizei den Tatverdächtigen aus dem Raum Ulm fest. Er sitzt seither in Untersuchungshaft. Bei einer Durchsuchung seines Wohnhauses hätten Beamte Munition entdeckt, teilte das Gericht weiter mit. Nach dem Mann wurde mit Bildern von der Überwachungskamera aus der Postfiliale in der Rosengasse in Ulm gefahndet. Es ist der 15. Februar 2021, gegen 14 Uhr. Der Mann der auf den Bildern zu sehen ist, trägt einen hellen Schal. Das Gesicht ist kaum zu erkennen. Der Mann trägt eine Brille, eine dunkle Schiebermütze, Handschuhe. Eine Maske verdeckt zusätzlich Mund und Nase. Aus weißen Stoffbeuteln zieht der Verdächtigte drei Pakete, legt sie auf den Tresen und gibt sie der Angestellten. Vor Gericht wird ein Mann erscheinen, der nach Informationen unserer Redaktion bislang nie polizeilich auffiel. (dpa/AZ)

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