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Ulm
20.09.2019

Theater Ulm: Vier Neue für den Schauspielchef

Spartenchef Jasper Brandis (links) freut sich über die neuen Schauspieler in seinem Ensemble: (neben ihm von links) Björn Ingmar Böske, Alexandra Ostapenko, Rudi Grieser und Frank Röder.
Foto: Andreas Brücken

Die Zugänge im Schauspielensemble stehen überwiegend noch am Anfang der Karriere. Einer aber ist ein alter Hase - und die einzige Frau kennt Ulm gut.

Wenn die Spielzeit im Theater beginnt, treffen Menschen aufeinander, die sich zuvor noch nie gesehen haben – und innerhalb kürzester Zeit zu einem Team werden müssen. So wie die vier neuen Mitglieder des Schauspielensembles, die einander teilweise erst bei der Spielzeiteröffnung kennenlernten: Frank Röder und Rudi Grieser spielen bereits in „Berblinger, Schneider“ (Premiere 3. Oktober), Alexandra Ostapenko und Björn Ingmar Böske haben ihren ersten Auftritt in Ulm im Musical „La Cage aux Folles (Ein Käfig voller Narren)“ (21. November). Schauspieldirektor Jasper Brandis ist über seine Neuzugänge sehr glücklich: „Alle vier bringen etwas sehr Frisches herein“, findet er; schon die Vorsprechen der erfolgreichen Bewerber seien „sehr erfreuliche Treffen“ gewesen.

Der älteste der Neuen ist Frank Röder. „Ich glaube, ich bin hier jetzt der Methusalem“, mutmaßt der 53-Jährige und lacht. Allerdings hat er nicht ganz recht: Die beiden Ulmer Urgesteine Christel Mayr und Gunther Nickles sind noch ein bisschen älter. Aber natürlich kommt mit dem gebürtigen Darmstädter ein erfahrener Mime nach Ulm. Zuletzt war Röder, der einen 17-jährigen Sohn hat und in München lebt, frei unterwegs und unterrichtete an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule. Jetzt freut er sich, wieder in ein festes Engagement zu gehen. So wie zuletzt bis 2012 am Tiroler Landestheater Innsbruck. Dorthin sei er zunächst mit dem Gedanken gegangen, nicht lange zu bleiben – es wurden zehn Jahre daraus. „Es war superschön, ich bin damals zum ersten Mal in ein Ensemble hineingewachsen.“ Ähnlich positive Erfahrungen hofft er am Theater Ulm zu machen, von dem er bereits einen positiven Eindruck hat. „Man kann auch an einem kleinen Haus gute Sachen machen, wenn man die richtigen Leute hat.“

Rudi Grieser hat gerade erst sein Studium abgeschlossen

An einem ganz anderen Punkt in seiner Karriere steht der 28-jährige Rudi Grieser: Er hat gerade erst seit Schauspielstudium am Mozarteum Salzburg abgeschlossen, spielte zuletzt im Praxisjahr am Düsseldorfer Schauspielhaus. Grieser, der aus Köln stammt, hatte, bevor er vom Theater Ulm engagiert wurde, nichts mit der Münsterstadt zu tun. Ein Freund, der von dort stammt, habe ihm zunächst sogar abgeraten, sagt er und lacht. Grieser, dessen Begeisterung für Tattoos schon an den Händen abzulesen ist, will nun „den Beruf Schauspieler erst einmal kennenlernen“ – und sich selbst. An der Schauspielschule bekommt man laut Grieser viel zu oft von anderen gesagt, wer oder was man sei oder nicht sei.

Bei dieser Aussage muss auch seine neue Kollegin Alexandra Ostapenko nicken und schmunzeln, auch wenn sie ihr Studium schon 2015 abgeschlossen hat. Danach hat sie frei in Städten wie Oldenburg, Paderborn oder Hannover gearbeitet, zuletzt war sie zwei Jahre fest am Theater Erlangen. Doch anders als Grieser und Röder kennt sie Ulm gut: Die 31-Jährige, die in Moldawien geboren wurde, verbrachte ihre Jugend in Ulm, machte hier ihr Abitur und spielte auch schon im Jugendclub des Theaters. Doch es war nicht Heimweh, das sie nach zehn Jahren zurück an die Donau lockte: Der Job reizte sie, und ihr Lebensgefährte Maurizio Micksch, ebenfalls Schauspieler, arbeitet schon seit der vergangenen Spielzeit am Theater Ulm. Die beiden haben eine acht Monate alte Tochter. Aber nicht nur deswegen gefällt es Ostapenko in Ulm: „Die Stadt hat sich verändert, sie ist offener und städtischer geworden, es gibt mehr Studenten.“

Björn Ingmar Böske spielte schon im "Traumschiff"

Der vierte Neuzugang im Schauspielensemble, Björn Ingmar Böske, hatte sich eigentlich schon für eine Karriere abseits der Theaterbühne entschieden: Der gebürtige Bielefelder hat schon während seines Schauspielstudiums in Potsdam begonnen, in Fernsehproduktionen zu spielen: Er hatte eine Hauptrolle im ARD-Kinderfilm „Das Märchen vom Schlaraffenland“ und etliche kleinere Auftritte, unter anderem als Funker in der Serie „Das Boot“ und als Koch auf dem „Traumschiff“. Als die Rollenangebote ausblieben, besann er sich wieder aufs Theater – und wurde in Ulm prompt genommen. „Ich freue mich darauf, dass ich hier durchgängig arbeiten kann“, sagt der 28-Jährige, der beruflich zuletzt 2017 auf den Brettern stand. Bei Dreharbeiten sei man vor allem mit Warten beschäftigt.

Jasper Brandis freut sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen, die die Lücken im Ensemble füllen, die Fabian Gröver, Jakob Egger, Franziska Pößl und Lukas Schrenk durch ihre Abgänge hinterlassen haben. Der Schauspielchef, dessen erste Regiearbeit in der neuen Saison John von Düffels Stück „Ikarus“ im Podium (Premiere 5. Oktober) ist, hat sich für die nächsten Monate einiges vorgenommen, nicht nur künstlerisch. Er will die Kommunikation im Ensemble verbessern („Es ist wichtig, dass man öfter und in kürzeren Distanzen miteinander redet“) und sich seine Energie besser einteilen. Ihm geht es wie seinen jungen Schauspielern: In seinem Job lernt er noch immer dazu – er ist ja erst seit einem Jahr Schauspieldirektor.

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