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Ulm

25.06.2019

Ulm baut ausgezeichnet

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Ausgezeichnet: Der Bau von Adrian Hochstrasser in der Ulmer Karpfengasse überzeugte die Jury als innovativ und dennoch passend für die Ulmer Altstadt.
Bild: David Franck

Die Architektenkammer würdigt beispielhaftes Bauen in der Region. Prämiert werden allein in der Donaustadt 16 Objekte – bekannte und weniger bekannte.

Es liegt nicht nur am Ulmer Münster: In der Architektenkammer ist man sich einig, dass in Ulm oft schöner gebaut wird als anderswo: „Ulm ist schon sehr weit“, sagte Thomas Herrmann, der Vorsitzende der Jury des Auszeichnungsverfahrens „Beispielhaftes Bauen“, bei der Vorstellung der Preisträger im Landratsamt. „Hier wird gezeigt, dass die städtebauliche Qualität mittelalterlicher Städte auch mit modernen Bauten erreicht und aufgewertet werden kann.“ 16 Ulmer Bauten aus den Jahren 2013 bis 2019 wurden mit der begehrten Plakette geehrt. Wie sich zeitgenössische Bauten in alte Strukturen integrieren ließen, zeige sich etwa beispielhaft am Neubau in der Karpfengasse unweit des Münsters, in dem „Die Bar“ untergebracht ist. Die Jury wertet das Betongebäude des Architekten Adrian Hochstrasser als zukunftsweisende Neuinterpretation des historischen Stadthauses, das eine beispielhafte Neubebauung im historischen Kontext darstelle. Und ein Prototyp ist: Eine Konstruktion aus mehrschaligem Dämmbeton wurde damit erstmalig in Deutschland umgesetzt.

„Führungs- und Lagezentrum“ des Ulmer Polizeipräsidium bis zur Aussegnungshalle

Das Haus in der Fischergasse 34, ganz in der Nähe des Saumarkts, zeige ebenso, wie Neubauten malerische, mittelalterlich anmutende Umgebung bereichern könnten. Das Nebeneinander von Alt und Neu wurde auch beim Neubau der Sparkasse Ulm in der Neuen Straße gewürdigt. Allerdings nur beim hinteren, mit alten Ziegeln verkleideten Bau des Architektenbüros Lederer Ragnarsdóttir Oei. Mit der Materialienwahl für die Fassade und der gesamten Formensprache werde vorbildlich die historische Bebauung der Umgebung aufgenommen und ein städtebaulich hoch ansprechendes Gesamtbild erzeugt. Auch der Bau direkt gegenüber wurde gewürdigt: Das im historischen Neuen Bau untergebrachte, von außen unsichtbare „Führungs- und Lagezentrum“ des Ulmer Polizeipräsidiums zeige exemplarisch, dass auch in einem denkmalgeschützten Gebäude heutige Ansprüche an aktuelle Technik umgesetzt werden können.

Hochschule für Gestaltung (HfG) geehrt

Als eine „große Tat“ hob die Jury hervor, dass mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) am Hochsträß eine fast vergessene Ikone der deutschen Nachkriegsarchitektur öffentlich zugänglich und erlebbar gemacht wurde. Und das mit einem knappen Budget einer privaten Stiftung, die ohne große staatliche Zuwendung habe auskommen müssen. Die Konzentration auf wenige sparsame und effiziente Eingriffe bei den Revitalisierungsmaßnahmen lasse eine materielle und geistige Nähe zu den Bedingungen spüren, unter denen Max Bills Bauten entstanden sind. Das Erbe der HfG Ulm bleibe so lebendig.

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Zum sieben Mal wurden die Bronzeplaketten nun verliehen. 16 der insgesamt 21 regionalen Auszeichnungen gingen nach Ulm, der Rest in den Alb-Donau-Kreis. Wie Carmen Mundorff, die Pressesprecherin der Architektenkammer Baden-Württemberg, betonte, werde die architektonische Qualität immer besser: Bei der vergangenen Runde wurden etwa 19 Prozent der Objekte prämiert, jetzt waren es 21 Prozent. Kriterien, die alle Preisträger beispielhaft erfüllen müssen, sind: äußere Gestaltung (Maß und Proportion des Baukörpers), innere Raumbildung (Zuordnung der Räume und Zweckmäßigkeit), Angemessenheit der Mittel und Materialien sowie Einfügung und Umgang mit der Umgebung.

Weitere Preisträger in Ulm sind:

Neue Wohnlage in der Griesgasse 21, Bau der Bürgerdienste der Stadt Ulm (Olgastraße 66), Kettenhäuser (Erika-Schmid-Weg 5–13), Mehrfamilienhaus Nüblingweg 2–8, Technikzentrale Jungingen der SWU, Gemeindehaus der Christusgemeinde Söflingen (Königstraße 5), Sporthalle Kepler- und Humboldt-Gymnasium an der Olgastraße, Wohnanlage Machtalerstraße 7–23, Wohnanlage Böfinger Weg 3/1–3/31, Zentrum für Gestaltung (HfG) Am Hochsträß, Stadtgarten „Auf dem Graben“ und der neu gestaltete Agnes-Schultheiß-Platz in der Weststadt.

Der wohl ungewöhnlichste Bau im Alb-Donau-Kreis wurde in Berghülen ausgezeichnet: Der Umbau der Leichenhalle zur Aussegnungshalle habe zu einem einzigartigen und würdevollen sakralen Raum geführt. Dazu gehört ein prägnantes, geschwungenes Dach und ein im Bau integriertes, abstraktes Kunstwerk aus Blattgold an einer Betonwand.

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