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Jahresrückblick 2020

28.12.2020

Ulm feiert den Schneider - und streitet über den Berblinger-Turm

Der Berblinger-Turm ragt von der Adlerbastei aus schräg in die Höhe und soll Besuchern die Empfindungen des Schneiders von Ulm nachfühlen lassen.

Plus Albrecht Ludwig Berblinger, der Schneider von Ulm, wäre 250 Jahre alt geworden und wird 2020 vielfach gewürdigt. Die Kosten für den Turm laufen aus dem Ruder.

Die Corona-Pandemie ließ viele Pläne platzen. Doch verzichten wollte die Stadt Ulm auf ihr Berblinger-Jahr nicht: Der Schneider von Ulm, einst verhöhnt und später als Flugpionier gefeiert, wäre am 24. Juni 250 Jahre alt geworden. Die Ulmer feierten den Mann ausführlich, der bei seinem Flugversuch in die Donau gefallen und verspottet worden war. Das Scheitern war zentraler Punkt der Feierlichkeiten – gewollt und ungewollt. Ums Abstürzen ging es etwa in sogenannten Fuck-up-Nights: Menschen erzählten, wie ihnen Scheitern letztlich auf dem Weg zum Erfolg geholfen hat.

Ein neues Berblinger-Denkmal bleibt für immer

Auch die hochgelobte Ausstellung im Stadthaus griff das Thema auf. Die Schau war so groß wie keine zuvor: Besucher erlebten eine mehr als 900 Quadratmeter große begehbare Bühne. Das visuelle und akustische Erlebnis ließ sie ein Wechselbad der Gefühle erleben: Dreck und Müll, aber auch Wolken und Weltraum. Künstler und Wissenschaftler haben an der Ausstellung mitgewirkt, die von Mai bis Oktober zu sehen war und Grundschüler wie Physiker faszinierte.

Ein Denkmal soll für immer bleiben: Der Berblinger-Turm an der Donau ist so etwas wie ein zusätzliches Wahrzeichen der Stadt. Die Stufen sind rot und weiß gestrichen – wie der Flugapparat des Schneiders von Ulm. Vor allem aber ragt der Turm schräg in die Höhe. Wer ihn erklimmt, spürt die Schwingungen und soll nachempfinden können, wie es Albrecht Ludwig Berblinger am 31. Mai 1811 gefühlt haben muss. An jenem Tag startete er von der Adlerbastei seinen erfolglosen Flugversuch. Am gleichen Ort steht nun der Berblinger-Turm, entworfen vom Münchner Künstlerkollektiv Brunner/Ritz.

Der Berblinger-Turm ist für viele Menschen ein Erlebnis

Wenige kritisierten den Turm und das Erlebnis. Er erfreut sich bei den Menschen, die ihn zahlreich erklimmen, besonderer Beliebtheit. Viele kritisierten die Kostenexplosion. Weil Politik und Stadtverwaltung aufs Tempo drückten, um den Turm pünktlich zu den Feierlichkeiten eröffnen zu können, fielen manche Berechnungen nicht ausreichend detailliert aus. Dass durch die Neigung und den instabilen Boden besondere Maßnahmen nötig waren, wurde erst klar, als die Arbeiten schon liefen. Zwei Mal stiegen die Kosten, von geplanten 500.000 Euro auf letztlich 886.000 Euro. Werden Eigenleistungen der Stadt einberechnet, sind die Kosten sogar noch höher. Der Bund der Steuerzahler geißelte das Projekt als Steuerverschwendung, Komiker Mario Barth spottete im Fernsehen. Doch sogar große Kritiker des Kostenanstiegs haben für Aussehen und Wirkung des Turms viel Lob übrig.

Zu Ende sind die Feierlichkeiten am Ende des Berblingerjahres noch nicht: Wegen der Einschränkungen angesichts der Covid-19-Pandemie erzählt das Musical „Ich bin ein Berlinger“ erst 2021 vom Abheben, von Höhenflügen und vom Abstürzen.

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