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Ulm

26.06.2017

„Ulm isst gut“: Feiner Geschmack und reines Gewissen

Geschmack ohne Tier: Häppchen am Stand des Vegetarierbunds.
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Geschmack ohne Tier: Häppchen am Stand des Vegetarierbunds.
Bild: Dagmar Hub

Indische Alb-Linsen, Rote-Bete-Kuchen, Pulled Pork und kalter Kaffee: Beim Markt „Ulm isst gut“ gibt es viel zu probieren. Aber es geht nicht nur ums Essen, sondern ums Prinzip.

Die Sonne prallt auf den südlichen Münsterplatz. Der Duft von Raclettekäse wabert durch die Hitze und über die Essensstände von „Ulm isst gut“. Sonst ein Genuss, aber bei dieser Hitze doch ein bisschen schwer, signalisieren die Magennerven. Sehr gern griffen die Besucher des Marktes des Vereins „Ulm isst gut“ dagegen zu, wenn es um kalte und (Eis-)kalte Kostproben der Produkte regionaler Erzeuger ging. Faire und sorgsame Produktions- und Herstellungsprozesse, möglichst ohne weite Transporte, respektvoller Umgang mit Tieren, von denen das Fleisch fürs Pulled Pork und die Salami kommt, und umweltschonende Landwirtschaft standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, bei der der Besucher aber auch ganz Neues entdecken konnte.

Heißer Kaffee ist an einem brütend heißen Sommertag nicht jedermanns Sache. Kathrin Fülle von der Kaffeerösterei Kley, einem Familienbetrieb auf der Schwäbischen Alb, offerierte die Lösung für Kaffeefans, die Abkühlung suchten: kalter Kaffee. Was sonst eine abwertende Redensart für Altbekanntes ist, wird beim „Cold Brew Coffee“ zum Experiment für Kenner, die allerdings Geduld brauchen. Ja, man kann Kaffee mit kaltem Wasser zubereiten. Wenn man gemahlenen Kaffee in einem Liter Wasser zehn bis zwölf Stunden bei Zimmertemperatur ziehen lässt, entsteht ein Konzentrat, das – mit eiskaltem Wasser aufgegossen oder mit Eiswürfeln versehen – die Geduldsprobe der Wartezeit allemal belohnt und ganz neue Geschmacksnuancen der Kaffeebohne entdecken lässt.

Von der Schwäbischen Alb, wo man die Artenvielfalt als Marktchance kultiviert, kam so manches bei „Ulm isst gut“: Bio-Limo, Alb-Linsen, die man „indisch“ probieren konnte, oder auch Nudeln mit Sauerkrautpesto. Beim Vegetarierbund Deutschland (Vebu) gab es nicht nur vegane Brotaufstriche à la Curry-Erbsen-Creme zum Probieren, sondern auch gleich den Bewertungsbogen dazu.

Ganz frisch gegründet präsentierte sich Solawi Ulm/Neu-Ulm, deren Mitglieder sich als „Prosumenten“ – und nicht mehr als Konsumenten – sehen. Der solidarischen Landwirtschaft – das bedeutet die Abkürzung – liegt ein Vertrag zwischen Gärtner oder Landwirt und den Abnehmern des angebauten Gemüses zugrunde. Die Gruppe um Mitgründerin Lioba Schneikart sucht derzeit in Neu-Ulm einen frostsicheren Lagerraum, wo Gemüse vor der wöchentlichen Verteilung gelagert werden kann. Um zu zeigen, wie lecker mit den landwirtschaftlichen Produkten gekocht und gebacken werden kann, servierte Schneikart saftigen Kokos-Karotten-Zucchini-Kuchen, Rote-Bete-Kuchen und Zucchini-Focaccia.

Von der bunten Vielfalt und der Kommunikation zwischen Anbietern und Besuchern ist „Ulm isst gut“-Mitgründerin und Vorstand Birgit Schäfer-Oelmayer begeistert. Obwohl „Ulm isst gut“ erst seit 2015 besteht, ist der Markt bereits so gewachsen, dass das Haus der Begegnung zu klein wurde. „Das ist für die Besucher kein Vergleich zu normalen Streetfood-Märkten, wo man Eintritt zahlen muss und dann innerhalb eines Zaunes eingesperrt ist“, sagt die Politikerin. „Die Vielfalt kam bei den Besuchern ausgesprochen gut an – die regionalen Produkte von Getränken bis zum Eis.“ Sie freue sich über die Bandbreite von veganen Speisen über den jungen Verein Solawi bis zum Platzmetzger Kühle. Sie begrüßte auch, dass sich Schulen an der Aktion beteiligten. Schäfer-Oelmayer: „Der Markt war ein voller Erfolg, aber ich glaube, dass im Konzept noch ganz viel Potenzial steckt.“ (köd)

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