17.06.2019

Ulm liegt in Kuba

Marialy Pacheco war als Gast des Trompeters Joo Kraus im Roxy.
Bild: Hörger

Grandioser Abend mit Joo Kraus und Gästen

Wäre Ulm nicht seine Heimatstadt, sondern ein beliebiger Ort während einer Tournee, dann, so ließ Joo Kraus nach dem Konzert im „Roxy“ das Publikum wissen, wäre er entzückt: „Toll, dass es eine Stadt gibt, in der es einen Laden gibt, wo man solche Konzerte machen kann, toll, dass Leute sich das begeistert anhören, toll, dass in so einer Stadt ein Typ so ein Projekt auf die Beine stellt.“ Der „Typ“, der ein avanciertes Projekt mit großem Aufwand und Liebe zum Detail auf die Füße stellte, mit einem herausragenden kubanischen Chor und einer kubanischen, in Dortmund lebenden Weltklasse-Pianistin – das ist Kraus selbst, der einmal mehr sein Publikum daran teilhaben lässt, wenn er eine neue Seite in seinem ohnehin schon beeindruckend großen Oeuvre aufschlägt.

Mit Marialy Pacheco war Kraus schon auf den Silberlingen „Danzon Cubano“ und „Duets“ vertreten, beide Musiker verbindet eine Freundschaft, die sich dem Hörer Note für Note mitteilt. Typisch für Kraus: Bietet sich eine Gelegenheit, dann nimmt er sie wahr. In diesem Falle war das der Auftritt des kubanischen Chors „Vocal Leo“ (unter Leitung von Pachecos Mutter Corina Campos), der jüngst beim internationalen Chorwettbewerb in Marktoberdorf mit dem „Sonderpreis der Walter und Charlotte Hamel Stiftung“ für herausragende, charakteristische vokale Leistung ausgezeichnet wurde. „Das ist ja gleich neben Ulm, die sollen hier auftreten, dachte ich mir, das kriege ich schon hin“, erzählte Kraus, der den Abend mit großem Humor auch moderierte.

Aus den drei „Zutaten“ zauberte Kraus einen wahrlich unvergesslichen Abend: Lässig starteten Kraus und Pacheco mit drei Lieblingsstücken, darunter Pachecos Eigenkompositionen „Metro“ und „Tokio Call“ und der kubanische Klassiker „Tres Lindas Cubanas“. „Metro“ gab Kraus die Gelegenheit, ein wahres Feuerwerk von Ideen abzubrennen, Loops und vokale Effekte eingeschlossen. Förmlich befreit von allen Grenzen spielten sich die Solisten und der Chor im Laufe des Abends hinreißend die Bälle zu.

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In Kraus’ Lieblingsstück, einer Bearbeitung von Michael Jacksons „Earth Song“, gab es Gänsehauteffekte zuhauf: Ohne stilistische Scheuklappen, mit Virtuosität und Spielfreude erlebte man hier die glückliche, intime und direkte Form musikalischen Austausches. Der Chor durfte sich von da an weitgehend solistisch durch den Abend bewegen und riss das Publikum mit Feuer und feinster Dynamik mit. Ob es der über 100 Jahre alte Gassenhauer „El Manisero“, ein erstklassig gesungener Mambo oder die Zugabe „Bilongo“ waren – hier hörte man Klang-Kunst zwischen Kubajazz und Klassik.

Was den Abend über die musikalischen Entdeckungen hinaus so begeisternd machte, war das Zusammenspiel aller Partner: Da gab es keinen Platz für Ego-Nummern, die Kooperation lebte davon, wie freudig alle sich auf ihre Gegenüber einzulassen vermochten. Die Begegnung von Kraus und Kuba versetzte das Publikum in wahre Begeisterung. Ein perfekter Abend, ein Aufbruch zu neuen Kraus-Horizonten, den man noch lang im Gedächtnis behalten wird.

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