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Ulm

24.09.2015

Ulm steht Kampf der Colas bevor

Pepsi-Cola wird von Gold-Ochsen in Ulm abgefüllt - noch.
Bild: Bild: Alexander Kaya

 Ab Januar produziert die Gold-Ochsen-Limo-Tochter Koffeinbrausen der Marken Pepsi und Afri gleichzeitig. Warum das der Anfang einer großen Schlacht um Marktanteile ist

Der Anfang vom Ende von Pepsi-Cola aus Ulm steht bevor. Ab 1. Januar kommenden Jahres fließt Afri-Cola aus den Hähnen der Ulmer Getränke Vertrieb GmbH (UGV). Aber nicht nur: Denn bis 31. Dezember 2016 läuft noch der Vertrag mit Pepsico, dem Konzern hinter der US-Brause Pepsi. Und so muss die Brauerei Gold Ochsen, zu der die Limo-Tochter UGV gehört, ein Jahr zweigleisig fahren, denn die neuen Konzessionen für Afri-Cola, die die UGV erhielt, haben unterschiedliche Gültigkeiten: Für Vertrieb und Herstellung von Afri-Cola im Großraum Stuttgart ist die UGV schon kommendes Jahr zuständig.

Und ab 1. Januar 2017 wird das Gebiet der UGV um die Regionen Schwaben, südliches Baden-Württemberg und das Allgäu erweitert. Das stellt den Ulmer Traditionsbetrieb vor einige Herausforderungen. Frank Schlagenhauf, Prokurist und Vertriebsleiter der UGV, berichtet von 3,2 Millionen Euro, die am Ulmer Veitsbrunnenweg investiert wurden. Keine kleine Modifizierung: Erst vor vier Jahren wurde eine Abfüllanlage mit einer Kapazität von 40000 Flaschen pro Stunde installiert. Die Investitionskosten beliefen sich dabei auf gut zehn Millionen Euro. 20000 Liter Bier und alkoholfreie Getränke können hier pro Stunde abgefüllt werden. Die UGV zählt sich selbst zu den modernsten Abfüllbetrieben in Deutschland.

Als Hersteller von zwei Colas, die Konkurrenten auf einem hart umkämpften Markt sind, sitzt das Ulmer Unternehmen für ein Jahr zwischen den Stühlen. Durchaus „mit einer kleinen Delle“ in Sachen Umsatz rechnet Schlagenhauf durch die Umstellung von Pepsi auf Afri. Schließlich wird es die US-Cola auch nach 2017 rund um Ulm verkauft. Dann sprudelt es jedoch nur aus einer Quelle: Die Radeberger-Gruppe ist künftig der einzige Konzessionär von Pepsico für die Herstellung, die Distribution und den Vertrieb der Marken Pepsi, Schwip Schwap, Mirinda, 7Up und der Punica-Schorlen. Radeberger, die größte Brauereigruppe in Deutschland, wird ihre ganze Marktmacht einsetzen, um die derzeitige Pepsi-Position zu halten. Für ein Jahr hat Pepsi aber einen großen Konkurrenten im eigenen Haus: Denn UGV ist dann Teil eines mächtigen Verbundes der Wasser-Riesen Mineralbrunnen Überkingen-Teinach und Rhodius Mineralquellen sowie Getränkegigant Anheuser Busch Inbev, die gemeinsam bundesweit mit Afri-Cola und Bluna gegen Pepsi und Coca-Cola antreten.

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Dass da Zündstoff drin ist, weiß freilich auch Frank Schlagenhauf, der UGV-Vertriebsleiter, und sagt ganz diplomatisch: „Wir verhalten uns selbstverständlich vertragstreu.“ Den Mitarbeitern der UGV bleibt dennoch ein Spagat nicht erspart: Auf der einen Seite ist die UGV bis zum 31. Dezember verpflichtet, ihre Kunden in Ulm mit Pepsi zu versorgen. Auf der anderen Seite ist den Noch-Pepsi-Verkäufern klar, dass sie im eigenen Interesse ihren Kunden Afri-Cola schmackhaft machen sollten. Und Pepsi weiß freilich, dass Gold-Ochsen auf ein Pepsi-erprobtes Produktions- und Vertriebssystem zurückgreifen kann, das funktioniert, egal, welche Cola von der UGV verkauft wird. Die Gaststätten der Großkunden, wie etwa die Caterer in der Ratioharm-Arena, werden so indirekt zu Kampfstätten zweier Getränke-Giganten. Brancheninsider rechnen damit, dass der UGV maximal 30 Prozent der Kunden abspringen. Mittelfristig kalkuliert Frank Schlagenhauf aber mit einer Steigerung des Brause-Absatzes. Denn das neue Konzessionsgebiet (ab 2017) ist rund ein Drittel größer als das alte. Und klar ist auch: Coca-Cola und Pepsi verlieren immer mehr Marktanteile an Konkurrenten wie Fritz- oder Afri-Cola. Wachstumspotenzial ist vorhanden: Laut Handelsblatt liegt der Marktanteil von Afri-Cola bei nur 0,3 Prozent.

Durch die millionenschwere Trennung der Abfüllanlage in zwei Teile hat Schlagenhauf aber keinerlei Bedenken, dass Pepsi plötzlich nach Afri schmeckt. Oder umgekehrt. Schließlich haben die Ulmer Brausehersteller einen Ruf zu verteidigen: Als einziges Unternehmen in Europa wurde die UGV schließlich vor vier Jahren von Pepsi-Cola International für vorbildliches Qualitätsmanagement mit dem „Pepsi-Cola International Silver Quality Award“ ausgezeichnet.

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