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Ulm

12.10.2014

Ulmer Forscher decken Datenschutz-Lücke bei Whatsapp auf

Der Messenger Whatsapp ist nicht nur ein beliebtes Werkzeug für Plaudertaschen, sondern ist auch selber eine.
Bild: Franziska Gabbert (dpa)

Wie der Chatdienst unerwünschte Einblicke in das Privatleben der Nutzer gewähren kann. Testpersonen reagieren geschockt.

Mehr als 500 Millionen Nutzer weltweit tauschen Nachrichten, Bilder und Videos über das Chatprogramm Whatsapp aus, der Nachrichtendienst gilt mittlerweile als Alternative zur SMS. Doch nun haben Forscher aus Ulm und Pittsburgh (USA) gezeigt, dass die Smartphone-App mehr über die Privatsphäre preisgibt, als bisher angenommen.

Viele Nutzer wollen nicht, dass ihre Chatpartner sehen können, wann sie „zuletzt online“ waren und eine Nachricht geschrieben oder gelesen haben. Deswegen stellen sie diesen Hinweis ab. Die Forschungen haben jedoch ergeben, dass das nichts nützt, da diese Information direkt beim Whatsapp-Server abgegriffen werden kann. Mit diesen Daten lässt sich womöglich der komplette Tagesablauf eines Anwenders rekonstruieren.

Forscher entwickeln spezielle Software

Genau das haben Informatiker Andreas Buchenscheit von der Hochschule Ulm sowie Professor Frank Kargl und Bastian Könings von der Universität Ulm in einem gemeinsamen Forschungsprojekt getan. Sie haben eine Software entwickelt, mit der sie eine beliebige Zahl von Whatsapp-Anwendern gleichzeitig und ohne ihr Wissen „überwachen“ können. Getestet wurde die Methode über vier Wochen an zwei unabhängigen Gruppen mit insgesamt 19 Mitgliedern.

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Die Probanden hatten der Verwendung ihrer Whatsapp-Daten zugestimmt. Tatsächlich gelang es den Wissenschaftlern, lückenlos nachzuweisen, wann die Nutzer wie lange aktiv waren. Mit diesem Wissen konnte das Forschungsteam dann das Alltagsleben der Testpersonen skizzieren. „Mit unserem Forschungsvorhaben wollten wir die Möglichkeit der Überwachung demonstrieren und darauf hinweisen, welche Konsequenzen dies für die Privatsphäre haben kann“, erklärt Andreas Buchenscheit, Erstautor der aktuellen Studie.

Forscher wollen Studie in Australien vorstellen

Die Forscher konnten beispielsweise feststellen, wann eine Person morgens aufsteht, und ob jemand während der Arbeitszeit private Kontakte pflegt. „Kurzum – die Methode lässt sich im Privaten einsetzen, dürfte aber auch Regierungen interessieren, die Bürger überwachen wollen“, betonen die Macher der Studie. Nach der „Datensammlung“ erzählten die Testpersonen in Interviews von ihren Tagesabläufen. Und siehe da: Viele Schlüsse, die die Forscher aus den Online-Statusinformationen gezogen hatten, bestätigten sich.

Etliche Studienteilnehmer reagierten geschockt. Im November wird die aktuelle Studie bei der Konferenz „MUM 2014: The International Conference on Mobile and Ubiquitous Multimedia“ im australischen Melbourne vorgestellt. 

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Bild: AZ, dpa
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