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Ulm

04.01.2018

Ulmer Kinder haben Sprachprobleme

Eine Erzieherin in einer Kindertagesstätte liest zwei Mädchen aus einem Buch vor.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolfoto)

Ein Report der Industrie- und Handelskammer zeigt: Mehr als ein Drittel benötigt intensive Förderung. Woran das liegt und warum sich die Wirtschaftsvertreter damit beschäftigen.

Mehr als ein Drittel der Kinder in Ulm benötigt eine intensive Sprachförderung. Diese Zahl geht aus dem Bildungsreport hervor, den die Industrie- und Handelskammer Ulm am Mittwoch veröffentlicht hat. Die Wirtschaftsvertreter sehen eine gefährliche Entwicklung. „Entweder investieren sie jetzt in die frühkindliche Bildung oder später in den sozialen Reparaturbetrieb“, sagt Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der Kammer, über Politiker, die Entscheidungen treffen müssen.

Sälzle gibt offen zu, dass die besondere Kompetenz der IHK nicht unbedingt in der Erziehung in Grundschulen und Kindergärten liegt. Doch er befürchtet, dass sich manche Defizite nicht aufholen lassen. Probleme in der Bildung könnten den Fachkräftemangel weiter verstärken. Die IHK rechnet damit, dass zwischen 2020 und 2030 in Ulm, im Alb-Donau-Kreis und im Landkreis Biberach jährlich 14500 Fachkräfte fehlen. „Wir glauben, der Schlüssel für das Thema liegt in der frühkindlichen Bildung“, sagt Sälzle. Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Fähigkeiten in den ersten sechs Lebensjahren entscheidend geprägt werden. „Wenn ein Kind schon in der Grundschule Probleme mit Lesen und Rechnen hat, dann ist die Bildungskarriere mit Handicaps versehen“, so der Hauptgeschäftsführer der Kammer.

38 Prozent der Ulmer Kinder brauchen intensive Sprachförderung

Thomas Frank leitet die Abteilung Ausbildung der IHK und hat den Bildungsreport federführend erstellt. Er sagt: „Die Grundschulen schaffen es nicht mehr, alle mitzunehmen.“ Vielen ABC-Schützen fehlten entscheidende Grundlagen, die sich in den vier Jahren Grundschule nicht mehr aufholen ließen. Das zeige die Zahl der Kinder, die Sprachförderung brauchen. Die Gesundheitsämter haben die Werte erhoben. Sie stammen aus den Einschulungsuntersuchungen, die in Baden-Württemberg verpflichtend sind: Kindergartenkinder werden getestet, ob sie gesundheitliche Probleme haben oder besondere Unterstützung benötigen.

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In Ulm brauchen 38 Prozent der Kinder eine intensive Sprachförderung, im Alb-Donau-Kreis sind es 33 Prozent und im Landkreis Biberach 25 Prozent. Ein großer Teil dieser Kinder stammt aus Migrantenfamilien. Das lässt sich aus einer Aufstellung des Kreisgesundheitsamts Biberach ablesen. Im Jahr 2014 hatten 56 Prozent der Kinder, in deren Familien kein Deutsch gesprochen wird, Sprachförderbedarf. Doch die Probleme liegen nicht nur dort. Bei Kindern aus Familien, in denen Deutsch gesprochen wird, waren es immerhin 17,5 Prozent. Für Ulm und den Alb-Donau-Kreis liegen der IHK keine entsprechenden Zahlen vor. Hauptgeschäftsführer Sälzle glaubt: „Die Grundaussage dürfte die gleiche sein.“

Der Anteil an Migranten ist ein Problem für die Qualität der Sprache

Ein zusätzliches Problem bildet die Migrantenquote in einigen Stadtteilen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge sinkt die Qualität der Sprache in einer Gruppe, wenn mehr als 40 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben. In einigen Vierteln ist der Anteil deutlich höher. Den Nachwuchs wegen dieser Quote durch die ganze Stadt zu fahren, ist auch aus Sicht der IHK keine Lösung.

Sälzle und Frank setzen auf zusätzliche Sprachförderung in den Kindergärten. Also mehr Personal und eine Erzieher-Ausbildung, die stärker auf die Förderung zugeschnitten ist? Klare Forderungen wollen die Wirtschaftsvertreter nicht erheben. „Wir sind keine Pädagogen und wir sind keine Kommunalpolitiker“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Kammer. Man wolle lediglich auf den Missstand hinweisen.

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