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Ulm

17.12.2020

Ulmer Münsterbauhütte ist nun Teil des Immateriellen UNESCO-Kulturerbes

Das Schicksal des höchsten Kirchturms der Welt, ja des ganzen Ulmer Münsters, liegt in Händen der Münsterbauhütte.
Bild: Kaya

Das Bauhüttenwesen erhält den begehrten Status eines kulturellen Erbes bei der UNESCO. Das Ulmer Münster darf sich nun über diesen Titel freuen dürfen.

Die Entscheidung ist am Donnerstagnachmittag gefallen: Das Bauhüttenwesen gilt nun als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Die Ulmer Münsterbauhütte gehört zu den insgesamt 18 antragstellenden Bauhütten aus fünf Ländern, die sich nun über diesen Titel freuen dürfen.

++ Kulturerbe, Welterbe, Weltkulturerbe: Wo liegt der Unterschied? ++

Mit der Eintragung in das internationale Register "Guter Praxisbeispiele" honoriert die UNESCO die herausragende Bedeutung der Kulturform sowie die vorbildlichen, nachahmenswerten Maßnahmen zu ihrer Erhaltung. Die Begrüdung: Das Bauhüttenwesen zeige, wie die generationenübergreifende Bewahrung, Weitergabe und Förderung von Handwerkstechniken und -wissen gelingen und als Innovationsmotor fungieren kann.

Die Ulmer Münsterbauhütte trägt nun einen UNESCO-Titel

Die Bewerbung hatte das Ulmer Münsterbauamt gemeinsam mit der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ulm und dem Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe an der Universität Paderborn angestoßen.

An den Baustellen europäischer Kathedralen und Großkirchen siedelten sich ab dem 12. Jahrhundert feste Werkstätten an, in denen unterschiedliche Gewerke zum Bau und Bauerhalt zusammenarbeiteten. Ihr Wissen und Können, ihre Bräuche und Rituale vermittelten sie nicht nur mündlich, praktisch und schriftlich von Generation zu Generation, sondern durch Austausch und Wanderschaft auch über Grenzen hinweg. Die dadurch erreichbare ästhetische und technische Qualität motivierte nicht zuletzt die Wieder- oder Neubegründungen von Hütten seit dem 19. Jahrhundert, als zahlreiche große Sakralbauten weitergebaut wurden, beziehungsweise wiederaufgebaut, restauriert oder instandgehalten werden mussten.

UNESCO-Kulturerbe: Die Ulmer Münsterbauhütte pflegt die Tradition

Die heute am Ulmer Münster wirkende Bauhütte wurde 1844 eingerichtet, nachdem ihre Vorgängerin von 1377 bis zum offiziellen Baustopp 1543 bestanden hatte. Sie vollendete bis 1890 diejenigen Teile des Münsters, die im Mittelalter angelegt, aber nie fertiggestellt worden waren, zum Beispiel den monumentalen Westturm, der heutzutage als höchster Kirchturm der Welt gilt (161,53 Meter). Inzwischen kümmern sich die rund zwei Dutzend Mitarbeiter vor allem um die Restaurierung und Instandhaltung der Bausubstanz. Hierbei setzen sie auf traditionelle Handwerkstechniken. Seit 1844 dokumentiert und archiviert die Münsterbauhüttedie in den Arbeitsprozessen genutzten Dokumente und Materialien. Neben dieser Traditionspflege werden einzelne Arbeitsschritte durch neue Technologien ergänzt.

Die Bauhütte des Ulmer Münsters ist seit 2018 nationales Kulturerbe

Hintergrund: Das Immaterielle Kulturerbe ist nicht mit dem Welterbe zu verwechseln. Beides geht auf gleichwertige UNESCO-Konventionen, einmal von 2003, einmal von 1972, zurück, die unterschiedliche Ausformungen kulturellen Erbes zum Gegenstand haben und jeweils andere Anerkennungskriterien anlegen. Der völkerrechtliche Vertrag zum Immateriellen Kulturerbe sieht vor, dass die Mitgliedsstaaten – Deutschland ist 2013 beigetreten – eigene Kulturerbe-Listen führen, aus denen für die internationalen nominiert wird. Deshalb ist das Bauhüttenwesen im Jahr 2018 bereits in das nationale Register Guter Praxisbeispiele in Deutschland aufgenommen worden, bevor nun die Eintragung in das UNESCO-Register erfolgen konnte. (az)

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